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Jeschurun · 1883-03-22 · Heft 12 (22.3.1883) · p. 182

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 12 (22.3.1883)
Article
Judenspiegel [Rezension]
Date
1883-03-22
Page
182 (sequence 3)
Language
German
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182 daß ein Thier, das durch einen Nichtjuden geschachtet! wurde, als ein nicht dein jüdischen Gesetze gemäß ge-! tödteteS Thier zu betrachten ist, ausdrücklich hinzugcfügt j ואפילו אינו עובד ע״ז בנון גר הושב, daß dies auch j dann der Fall ist, wenn es von einem Nichtjuden, der ' nicht Götzendienst übt, wie von einem die sieben noachibischen Gebote als von Gott gcosscnbart anerkennenden Nichtjuden geschachtet wurde; (s. פרישה z. St.) Ebenso werden im Schulchan aruch Jore Dea 2, I der äuge-; führten Bestimmung von R. Mosche JsscrlS auf Grund des Tur die Worte בגון גר הושב hinzugcfügt, was auch von R. Schclomo Loria in ים של שלבה zu Ehulin I 6 geschieht. Auch L.NaimonideS hat, obwobl er die erwähnte Vorschrift durch eine andere Schriftstelle begründete, doch הל׳ ׳שהיבה IV 12 und הלי אבות הטומאה II io hcrvorgehoben, daß auch der Genuß eines ThicrcS, das durch einen Nichtjudcn, der nicht Götzendienst übt (גר הושב) gcschächtct wurde, dem Juden verboten ist. (Aus תבואות שור II 1 ist erfichtlich, daß die oben erwähnte in Tosaphot gegebene Begründung als die richtigere gilt.). Da nun nach sämmtlichen Gesctzeslchrern der Genuß eines von einem Nichtjudcn, der nicht Götzendiener ist, geschlachteten ThiercS dem Juden verboten ist, kann daraus, daß der Jude das Fleisch eines von einem Christen geschächteten ThicrcS nicht essen darf, unmöglich geschlossen werden,; daß die Christen als Götzendiener zu betrachten seien. Die Folgerung des Verfassers des ״Judenspicgel" ist daher eine falsche, weil er den für die Beurthcilnng der angeführten Vorschrift so wichtigen Umstand, daß dem Inden auch das Cssen eines von einem Ger Toschaw geschächteten ThiercS verboten ist, gänzlich — übersehen hat, was wohl darin seinen Grund haben dürfte, daß er sich nicht verhehlen konnte, daß schon durch die Crwähnung eines גר הושב im Schulchan aruch, schon durch die Cristen; rabbiniseher Gesetzesbestimmungen, die den vom Götzenlhnme entfernten, die allgemein menschlichen Pflichten beobachtenden Nichtjuden betroffen, sein ganzer gegen die Juden gerichteter VcrlcnmdungSapparat, der auf der Fiktion beruht, daß die jüdische Lehre keine anderen Menschen als Inden und Götzendicner kenne, umgestürzt wird. (Fortsetzung folgt.) Ilkanmkirflsljtiiiigcn. Bon Ludwig Ll. Rosrnthal, Prediger zu Köthen. Die Worte desMaariws waren mir gerade diesmal in eigenartiger Weise im Sinne geblieben, ich konnte mich, nachdem ich es längst vollendet, davon nicht loSreißen, in mir erweiterte sich ein jeder Ausdruck des Gebetes, und auf dem Hi'.ttcrgrunde der einfachen .Segenssprüche baute sich mir eine Auffassung auf, von der ich nicht wußte: Liegt sie in der Absicht des Gebetes oder ist sie von mir untcrgclegt worden'? Wäre das Letztere der Fall, so könnte es doch nur unabsichtlich geschehen sein und hätte die Auslegung sich in mir mit zwingender Gewalt hervorgcdrängt. I. ״ מעריב ער בים בהבטה פותה שעריםDämmern läßt Gott die Abende, mit Weisheit öffnet er die Thore" nicht mit einem Male, jäh imb plötzlich geht der Wandel von Licht und Finslerniß vor sich, sondern in allmäligcm Ucbergangc; wir wissen selbst kann!, wie wir vom Tage uns entfernen und wie dann mit einem Male der Abend hcreinbricht, בשנה עתים ומחליף אה הזבנים ebenso all malig geht aber auch der Wechsel aller Zeiträume, auch der Jahreszeiten, vor sich, und mit geringer Erweiterung müssen wir all' der Lebcnsvcrhältnisse gedenken, die einem so allmäligen, aber dennoch sichern Wechsel unterworfen sind. Wäre nicht dieser langsame Uebcrgaug, wir würden cS wahrnehmen, wie unser Körper in steter Verwandlung sich ans- und abwärts entwickelt, wie die menschlichen Auffassungen demselben Wandel sich unterwerfen müssen, wie auch die Verhältnisse des Glückes und des Elends einen Stillstand nicht kennen; das Gebäude, das fest und unerschütterlich vor uns zu stehen scheint, wird unmcrklich von der Zeit mitgenommen. Nur scheinbar sehen wir ein Bestehendes, nur, weil Gott ״mit Weisheit und Bedacht die Thore öffnet, um Zeiten und Verhältnisse wechseln zu lassen," nur deshalb ist eS möglich, daß unS ein festes Weltbild vor'S Auge tritt, ist cS möglich, daß wir Menschen den Wandel ertragen und nicht dabei verzweifeln. ומעביר יום ובביא לילה ומבדיל בין יום ובין לילה ״Dadurch aber, daß der Ewige hinwegführt den Tag und die Nacht heranbringt, dadurch entsteht für uns erst der Unterschied zwischen Tag unb Nacht." Sollen wir klagen, daß eine stete Veränderung über alles Irdische herrscht, daß die Kehrseitedeö Lichtes, die Finsternis;, überhaupt cintretcn kann, daß dem Lichte nicht ein dauernder Platz in der Welt cingeränmt ist? Sollen wir klagen, daß inan bei allen Freuden stets das Schwinden derselben im Auge haben muß? Bei der herrlich erblühten Nose muß man den Gedanken dcS Wclkcns mit in den Kauf nehmen, kommt der Jüngling einen Augenblick zur Besinnung, so muß daS Bewußtsein, daß einst die Runzeln des Alters kommen, störend in seine Freude eingreisen; Neichthum und Hoheit sollen diesem ängstlichen Zustande nicht entgehen, Alles nur wegen des Gesetzes, wonach alles Bestehende dem Wandel unterworfen ist! Was klagen wir? Woher wissen wir denn überhaupt, daß wir das Schwinden deö Lichtes zu beweinen haben? Weshalb erscheint

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