Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 11 (15.3.1883)
- Article
- Aktenmäßige Darstellung der jüdischen Zustände in Rußland
- Date
- 1883-03-15
- Page
- 170 (sequence 2)
- Language
- German
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170 ftc haben aber jetzt dem Gesetze eine andere den Inden! nachtheiligc Dclitung gegeben. In Ismail und Unzen und den übrizcn Städten in einer Elltferuung von etwa 50 .Werst von der rumänischer Grenze, waren schon, bevor diese Gegenden an die russische Herrschaft gekommen waren, viele Inden dahin gelangt, hierher;n kommen und Güter zu erwerben. Jetzt aber geht die Verwaltung in aller Strenge der den Inden;um Aufenthalt verbotenen Gebiete vor und vertreibt sic mit Gewalt ans diesen Gegenden. Unter den wenigen den Inden günstigen Gesetzen steht das (besetz vom Jahre 1805 in dein Vordergründe, welches jüdischen Handwerkern die Besugniß einräumt, sich in dem ganzen Gebiete des inneren Rußlands niederzulasten, wo ein großer Mangel an Handwerkern vorhanden ist. Aber auch dieses Gesetz ist nicht in der beabsichtigten guten Weise und nach den guten Er- Wartungen zur Allsführung gekommen, welche die Regierung als Wirkung dieses schätzbaren Gesetzes gehegt. Rach der Verordnung vom 28. Juni 1865 nnirbc freilich den jüdischen Handwerkern die Freiheit gegeben, int ganzen ׳Reiche auch außerhalb der ihnen zum Wohnsitz eingeränntten Gebiete zu wohnen, allein e§ wurde ihnen nicht das Recht erthcilt, in die Zahl der einheimischen Einwohner der Städte, wohin sie zur Riederlassnnz gekommen, eingeschrieben und den übrigen Bewohnern ihres neuen Wohnortes cinverleibt zu werden. Vielmehr verblieben die in das innere Rußland eingewanderten jüdische Handwerker in die Mitgliedschaft der Gemeinden ihres früheren Wohnorts inkorporirt, so daß sie in ihrem neuen Wohnorte nur ein provisorisches temporäres Wohnrecht genossen und von Jahr $u Jahr bei den Polizciämlern um erneutes Wohnrechts - Erlanbniß und Bezeugung ihrer guten Ausführung einkommen mußten. Auch wurde von ihnen gefordert, von ihren fernen früheren Wohnorten sich erneute Paßdolnmcnte schicken zu lassen. Eine solche Ordnnug erfordert verhältnißmäßig viel Geld und Zeit- Verlust und besondere Reisen, um sich die nöthigen Berechtignngen und Bescheinigungen zu verschaffen. Und alles dies ist armen Handwerkern nicht möglich, denen kein Geld zu solchen Ausgaben zu Gebote steht. Ans diesen Gründen zogen es die Handwerker vor, lieber in ihren alten Wohnorten zu bleiben, als in neuen Plätzen sich niederzulassen, wo sie nur als Fremde geachtet werden sollten, die keine Gewähr-und Zuversicht auf den morgenden Tag haben könnten, daß sie nicht zu jeder Zeit und Stunde durch eine übelwollende Härte um die geringfügigste Ursache, wie der Mangel einer erneuten Paßbescheinigung und Achnliches, wieder vertrieben werden würden. Aus den Zusätzen zu dem Gesetze vom 28. Juni 1665, die in der allgemeinen Gesetzsammlung enthalten sind, sieht man, daß fast alle Gouverneure und Oberbehördcn der Wohnungsgebiete der Juden sich bemühen, Maßregeln zu ermitteln, wie und wodurch der unglückliche Zustand der Juden in Rußland zu verbessern wäre. Der General- Gouverneur Graf Straganow ans Reurußlaud, sowie der General-Gouverneur der Gebiete des baltisches Meeres, (S>raf Schnwalow, haben ihre begründete Ansicht dahin abgegeben, es sei der Zustand der Inden zu verbessern durch Aushebung der Gesetze, welche nur bestimmte und begrenzte Gebiete den Juden zu Wohnsitzen einräumen und ihnen das Recht versagen, in dem ganzen weiten Gebiete des russischen Reiches wie alle übrigen Eingeborenen zu wohnen. (,Fortsetzung folg!.) Korrcspoudcuzcil und Nachrichten. Deut s ch l a n b. —a— Berlin, 10. Mürz. Die Herren Antisemilen fühlen das Bcdürfniß, die Häupter ihrer Lieben einmal wiederum zu zählen und in dem gegenseitigen Austausche der Gedanken neue Begeisterung für den erhabenen Zweck ihres Daseins zu schöpfen. Von Ehcmnitz ans erschallt der Ruf durch die Gauen des deutschen Vaterlandes, hinzupilgern nach dem lieblichen Thale am Fuße des Erzgebirges, allwo sich die gute alte Reichs- und jetzige bedeutende Industriestadt Ehcmnitz ausdehnt, und theilzunehmen an der ״Vertiefung" der hochherzigen tapfer« Partei, welche unter dem stolzen Rainen ״Allgemeine Vereinigung zur Bekämpfung des Indenthnnts" im Dienste der erhabenen Ideen unseres aufgeklärten Iahrhnndcrs unablässig arbeitet für des Vaterlandes Heil und Wohlfahrt. ׳Rur zehn Mark hat Jeglicher zu entrichten, um Eintritt zu erlangen in die Ruhmeshalle, wo der ״Kongreß" tagen wird, und ztvar am 27. und 28. des diesjährigen Lenzmonats. Er kann daun auch theilnehmen an den Berathungen und Beschlüssen der hochallsehnlichen Versammlnug. Wie verlautet will die Partei, welche in der letzten Zeit es vorzicht, mehr im Geheimen zu wirken, anstatt durch lallte Manifestationen die Aufnierksanlkcit auf sich zu lenken, ihre Minirarbeit enisig und unverdrosselt fortsetzen lind im eigenen Lager auch einmal fürchterlich Musterung halten, um gewisse unsaubere und ungewisse Elemente ans demselben zu entfernen. Die Partei verwahrt sich gegen die Unterstellung, als ob wegen der in letzter Zeit herrschenden Ruhe ein Stillstand oder gar ein Rückgang ihrer heiligen Sache zu koustatircn wäre. Im Gcgcntheil, sie glaubt alle Ursache zu haben, mit Befriedigung auf ihre jüngsten ״Arbeiten" zurückschauen zu können. Ihre Literatur