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Jeschurun · 1883-03-15 · Heft 11 (15.3.1883) · p. 167

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 11 (15.3.1883)
Article
Betrachtungen über die Judenfrage in Deutschland
Date
1883-03-15
Page
167 (sequence 3)
Language
German
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rechte als Strafe, und zwar bei einem zur Gcfängnißstrafe verurthcilten Verbrecher . höchstens ans die Dauer non 5 Jahren und bei verwirkter Zucht- Hans strafe höchstens bis zu 10 Jahren ansspricht, so sollten doch Alle, selbst die ärgsten Feinde der Juden, welche noch nicht jedes Rechts- und Billigkeitsgefühl eingebüßt haben, trotz ihres Hasses und Vornrtheits zurückschrecken, eine halbe Million deutscher Volksgenossen ehrlos machen zu wollen. Was haben denn diese 500 000 Deutsche verbrochen, — wer hat sie gerichtet, daß sie noch schlechter gestellt werden müßten, als der Zuchthäusler? Das Kind des Verbrechers besindet sich im Vollbesitz aller Rechte, — die ungeborenen Kinder der Juden will man ihrer Rechte berauben! In welche Zeiten wollen die Antisemiten Deutschland zurückversetzen? . 50n!c1<unG folgt.) Ans bei* erstell Hälfte nnscreS Jahrhunderts. (Nach einer wahren Begebenheit) Ariedrich NoLt. X. (־.,Ille :!!echtevorbehallc».!Fortsetzung.) ״Grüß Gott, Mutter!" rief er einer alten Frau zu, die umgeben von einigen jüugeru Bauernfrauen und einigen Mägden vor der Thür eines recht stattlichen Bauernhauses saß. ״Grüß Gott, Toni!" rief die Alte ihm freundlich zunickend, und auch die Anderen begrüßten ihn, indem sie verwundert zu dem Mädchen aufbticktcn, das er so vorsichtig in seinen Armen hielt. ״Herr Gott, Toni! was hat er denn für'u Kind?" ״Ein Kind?" fragte auch staunend die Mutter. ״Erschreckt.' 11t, Mutter, mir ift'11 Unglück passirt; laß die Kali zum Bader laufen, er soll glei 'rüberkommen." ״Herr Gott! Toni, was hast Dir gemacht?" ries die Alte voll Schrecken. ״Seid ruhig, Mutter, mir Hab' i nix g'macht. — ״Geht's. geht's, Ihr möcht's noch ärger machen. Ich trag's hinein und leg's drinnen einstweilen auf'n Bett. Ist denn die Kati noch ni um'n Bader gelaufen?" Die Kati war schon fort, und der Toni trug daS verwundete Mädchen in das Haus, gefolgt von den Frauen, die sich in lebhaften Aeußerungeu theils des Schreckens, theils des Mitleids ergingen. Die alte Seidler kaut zuletzt, geführt von einer jungen Magd, denn sie war des Augenlichts nahezu vollständig beraubt. Das Zimmer, in das Mirjam jetzt getragen wurde, war groß, doch ziemlich niedrig, mit weiß übertüuchleu Wänden. Es war das gemeinschaftliche Wohnzimmer. Zlvei große bunt bemalte Betten, eine ähnliche Truhe, ein großer Tisch von Eichenholz, zwei Bänke und einige Sessel vom selben Material und ein hoher, etwas moderner ausschender gepolsterter Lehnsessel bildeten die Einrichtung des von einer Unschlittkerze nicht übermäßig erhellten Raumes. ״Bett' das Bett auf, das dorten au! Fenster," gebot der Bauer der jungen Magd, die seine Mutter geführt hatte, ״daß i das Kind dorten hin legen kann." ״Daß's so stat ist und gar ui greint," bemerkte staunend die Blinde, ״ist's denn noch ein ganz junges Kind, oder kaun's schon laufen?" Trotz der zunehmenden Schmerzen konnte Mirjam, die der Toni jetzt vorsichtig auf das Bette legte, ein Lächeln kaum unterdrücken. ״Na, gegenwärtig kaun's halt ui laufen," erwiderte der Bauer, ״aber vor dem hat's schon laufen können, 's ist ja schon ein fcin's Maderl, das auf der Wunder ist, um in Dienst zu gehn." ״Armes Maderl," sprach mitleidig die gutmüthige Alte, indem sie zu dem Bette hiutastetc, wo sic die Verwundete wußte. Ihr Sohn kan! ihrem Wunsche entgegen und schob den Lehnsessel dicht neben daS Kopfende des erwähnten Bettes und geleitete die Alte dorthin. ״Kommt, Mutter, setzt euch daher zu dem Kind und gebt ihr die Hand, da wird's ihr heimischer werden bei uns." gemacht. — Aber wie'S halt so kommt, die Hasen haben die Felder zertreten, drum Hab ich einen schießen g'wollt, weil's aber ni mehr ganz licht gewesen war, hob i's nimincr g'schn, daß 'n Kind da gesessen war, und statt dem Hasen zerschieß ich dem Kind da das Bein." Sämmtlichc Frauen schrien laut auf vor Schrecken, und bis auf die Alte eilten sie sämmtlich auf Mirjam zu, als. wollten sie ihr Helsen; aber der Bauer wehrte es ihnen. Die Blinde folgte der Aufforderung',^'tappte mit der Hand nach dem Angesicht des jungen Mädchens und streichelte ihr Stirn und Wangen. ״Armes, armes Maderl! hast denn arge Schmerzen? ״'s ist nicht gar arg," flüsterte Mirjam, aber das scharfe Ohr der Blinden erkannte an den! Beben ihrer Stiinme, daß sie lebhafte Schmerzen zu unterdrücken sich bcuiühte. ״Mir scheint, 'S ist arg genug, aber Du bist'n tapferes Maderl, daß Du ni schreist." ״Ob's arg ist!" schrie eine der Frauen, die mit dem Lichte in der Hand zu dem Bette hingetreten und

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