Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 10 (8.3.1883)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1883-03-08
- Page
- 151 (sequence 3)
- Language
- German
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151 Muhamedancr, und welche gegen Götzendiener An- Wendung finden, dazu ist es, wie wir nachgewiescn, unumgänglich nothwcndig, die Bestimmungen des Schulchan aruch aus ihren Quellen zu kennen. Der Schulchan aruch wurde, wie bereits im Vorworte zu dem unter dem )kamen 0' מאירה עינים erschienenen Kommentare zu Schulchan aruch Ehoschen Mischpat bemerkt wird, in der Absicht versagt, dag nur Diejenigen daraus Entscheidungen erthcilcn, die sich vorher mit den darin enthaltenen Bestimmungen aus dem Talmud und den dem Schulchan aruch vorausgegangencn auf dem Talmud beruhenden Gcsetzeskompeudicn und Kommentaren vertraut gemacht haben; nur für Diejenigen, die sich diese Qucllcnkcnntniß angecignct, wurde der Schulchan aruch geschrieben; Diejenigen aber, die ihre ganze Gesctzcskeuntniß nur aus den, Schulchan aruch geschöpft und durch das oberflächliche Wissen, das sie sich auf dicseut Wege augccignet, sich schon zur Belehrung über das jüdische Gesetz befähigt hatten, die gehören zu den Verderbern unseres Volkes, die haben den Bund des Gottesgcsctzcs gebrochen und schaden sich selbst; ans die bezieht sich nach der Deutung der Weisen (Sota 22 a) das Schriftwort Spr. Sal. 7,26, weil sie die Begründung der im Schulchan aruch enthaltenen Bestimmungen nicht kennen und daher nicht im Stande sind, dieselben in richtiger Weise anzuwenden. So hat sich N. Ioschua Falk Kohcu, einer der hervorragendslen Schüler des N. Mosche JsscrlS, ausgesprochen. Ganz in demselben Sinne hat sich der berühinte Kommentator des Tur, N. Joel Sirks in seiner הימר בית חדש Resp. So geäußert, wo er erklärte, dag Diejenigen, die lediglich aus bcin Schulchan aruch ohne Vertrautheit mit den ihm zu Grunde liegenden Werken religionsgesetzliche Entscheidungen erthcilcn, das jüdische Gesetz nicht der Vorschrift gemäß lehren, da sic bei ihrer Unkenntniß der Quellen sich willkürlich die Begründung ersinnen. ES wurde also von den bedeutendsten Gesetzeslehrern, von denen gewiß Niemand bezweifeln wird, daß sie den Schulchan aruch als normgcbendcn Kodex anerkannt, das Vcrständniß desselben ohne vorausgegangenes sorgfältiges Quellenstudium als unmöglich gehalten, und hieraus ergicbt sich, daß die Frage, welche Bestimmungen des Schulchan aruch auf diejenigen Nichtjuden, die die sieben noachidischcn Gebote beobachten, also auf Christen und Muhamedancr, Anwendung finden, und welche Vorschriften desselben sich auf Götzendicner beziehen, nur nach den Quellen des Schulchan aruch, dem Talmud und den darauf beruhenden religionSgesetzlichen Werken, beantwortet werden kann. Hieraus ist auch die Nichtigkeit des vorn Verfasser des ״Judenspiegcl" für seine mehrcrwähnte Behauptung angeführten dritten Grundes ersichtlich. (Forts, s.) Aus der erste!! Hülste unseres Jahrhunderts. (Nach einer wahren Begebenheit) Ariedrich 'Zlott. I. (\HlIt. Rechte Vorbehalten. ׳,Fortsepüng.) ״Zerschossen?" wiederholte der Manu mit vor Erregung bebender Stimme, ״ist's wahr, Kind, oder scheint Dir's nur, weil Du vor'm Schießen erschreckt bist?" Statt der Antwort deutete sie auf ihr mit einem weißen -Strumpf bekleidetes Bcin, das über und über mit Blut bedeckt war. ״Ich kann nicht weiter", wiederholte sie mit vcrhaltencm Schluchzen. ,,Herr du mein Gott!" rief der Mann, die Hände zusamineuschlageud, ״was Hab' ich da angcstellt! ich Hab Dich nicht gesehen, weil Du so dicht beim Feld' bist gesessen, und statt den Hasen Hab ich das Kind angeschosscn!" — ,,Und ich kann nicht fort!" schluchzte sie. ״Was das Fortkommen betrisst", eutgcgncte er, ״da wür' schon zu helfen. Sag' mir, wohin Du willst, und ich möcht' Dich tragen bis ans Ende von der Well. Wenn ich Dir nur Dein Bcin könnt gut machen! — Daß mir das hat zukommeu müssen! — Kind, Kind! wenn Du nur wissen möchtest, wie süchtig ich über mich bin — i möcht' mir glci' selber die Hand zerschießen." — Die heftige Erregung des Mannes that dem verlasseuen .Kinde wohl. ״Es thlit schon nicht mehr so arg weh", flüsterte sic, trotz der hcrvorguelleudcu Thräncn ein Lächeln erzwingend, ״ich lverd's versuchen, vielleicht kann ich doch gehen." ״)kein, nein!" rief er, indem er seine Hand auf ihre Schulter legte, ״steh' ui aus, i leid'S ni; sag', wo Du hin willst, und i trag' Di. Wo wohnt Dein Vater?" ״Ich habe keinen Vater", murmelte Mirjam erglühend. ״Na, so bring i Di zu Deiner Mllttcr. Sag' nur, wohin!" ״Ich kau!׳, auch nicht zu meiner Mutter," flüsterte das junge Mädchen in wachsender Verlegenheit, ,,meine Mutter ist so ar!n — darum habe ich nach B.......z gehen wollen, mir einen Dienst zu suchen." ״Nach B.z? So weit? — und ganz allein?" — ״O, ich fürchte mich nicht, ich bin heute den ganzen Tag gegangen und bin schon in der Nacht fort von zu Haus. Und jetzt muß ich noch zwei Tage gehen, bis ich nach B.z komme!"