Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 10 (8.3.1883)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1883-03-08
- Page
- 150 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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150 cinzuschcn und zu verstehen, so hätte es ihm trotz seiner Nianic, die christliche Bevölkerung gegen die Juden anfzurcizcn, doch nicht cinfnUcn können, sich auf jene Stelle zu stützen; denn in der von ihn: zitirten Quelle üagahot Ascher aus Qr sorna kommt die Be- Zeichnung Akum nicht vor; es heißt vielmehr (in der!75,4 i;; Sulzbach erschienenen Talmudausgabc) an der betreffenden Stelle am Ende des!.Abschnittes des Traktates Bcrachot: כי שמתפלל ובא כושי* בננרו ויש לו... אל ישתתחו׳ במורי׳ אע״פ שלבו לשמים; hier fehlen also die Worte שחי וערב, worin ein sprechendes Beispiel des mächtigen Einflusses liegt, den die Zensur, resp. das vielen Zensoren!!!angelnde Verständnis; aus die Fassung übte, .in der manche Stellen der talmudischrabbiuischcu Literatur gedruckt wurden. Der unvcrmcidlichcn Nücksicht auf die Zensur, die natürlich unter den wechscludcu Zeit-, Lokal- und Personal-Verhältnissen verschieden gehaudhabt wurde, ist es znznschrciben, das; häufig dieselbe Stelle, die in einem Werke versrümmclt wurde, in einem anderen Werke vollständig und korrekt gedruckt wlirde; dies ist auch bei der erwähnten vom Verfasser des ״Jndenspicgel" inkritniuirlcn Stelle der Fall, die in dem vorn Autor des Schulchan aruch verfaßten בית יוסף zu Tur O. CH.!13 lautet: מי שמי/פלל ובא גוי בגגרו ויש לו שתי וערב אל ישתהו׳ במודים אע״פ שלבו לשמים. Dies ist zweifellos die ursprüngliche richtige Fassung, die sich auch an der betreffenden Stelle des in Prag!(>10 erschienenen, von N. Mordechai Fast verfaßten, לבוש befindet; hieraus ist ersichtlich, daß diese Stelle einen! den Text verstehenden Zensor nicht den geringsten Anstoß hätte geben können, da die Bcstimmung, daß der Jude auch den Schein der Verchrung eines einer andern Konfession angehörenden kultucllen ShnibolS vermeiden soll, durchaus leine Verachtung dieser .Konfession involvirt. Da also in der richtigen Fassung der erwähnten Stelle derjenige, der das Kreuz trägt, nicht als Akum sondern als יי!), als Nichtjudc bezeichnet wird nnd der vom Verfasser des ״Judcnspicgcl" angeführte vermeintliche Beweis, wie er selbst zugicbt, einzig und allein auf der Bc- Zeichnung Akum beruht, fällt seine Argumentation als eine auf Cntstellung des Sachverhaltes beruhende falsche Folgerung in nichts zusammen. Die Thatsachc, daß im Schulchan aruch an der betreffenden Stelle die Bezeichnung Akum gedruckt ist, beweist daher gar nichts für die Behauptung des Verfassers; jedem, der mit der talmudisch-rabbinischeu Literatur vertraut ist,!nuß bekannt sein, daß in derselben in Folge der Zensur die Bezeichnung Aknin zuweilen auch da vorkommt, wo dem klaren Äortsinue nach der Ausdruck גברי oder גוי gebraucht sein müßte; so wird z. B. Maimonidcs הל׳ עברם IX 2 und Schulchan aruch JoreDea!43, 5 von einem Akum gesprochen, der nicht au Götzen glaubt und sie auch nicht verehrt, während an der entspechendcn Stelle im Tur und in Raschi zu Aboda sara 65 a der Ausdruck נכרי gebraucht wird. Der schulchan aruch kann eben nur von Denjenigen verstanden werden, die die darin enthaltenen Bestimmungen aus den Quellen-- werken kennen; dies hätte der Verfasser des ״Judenspicgcl," der sich angeblich zur Aufgabe geinacht, ״die jüdischen Gesetzbücher zu durchwandern," nicht unbeachtet lassen dürfen; da cs sich ihm aber nicht um Erkenntnis; der Wahrheit, sondern nur um Erhaschung einer seiner beschränkten Auffassung gemäß zur Erregung der Gehässigkeit geeignet scheinenden Stelle zu thun war, ist es ihm natürlich nicht eingefallen, durch Einsicht in die Quellcnwerkc ein richtiges Verständnis; anzustreben, sondern suchte er durch falsche auf unrichtigen Voraussetzungcn beruhende Folgerungen das zu dcduziren, was von ihm für seine vcrlaumdcrischen Zwecke passend gehalten wurde. Ebenso lächerlich als lügenhaft ist Dasjenige, was vom Verfasser des ״Judenspiegcl" als zweiter Grund seiner!nehrerwähnteu Behauptung angeführt wird. Er meint nämlich, daß darum,!veil der Zweck des Schulchan aruch darin besteht, als Normalkodcx für die im Exil zu beobachtenden Vorschriften zu dienen, und weil darin bei manchen Bestimmungen die Ausdrücke ״heutzutage" und ״in unseren Gegenden" Vorkommen, diese Ausdrücke, wenn mit Akum Sterndieuer gemeint wären, keinen Sinn hätten, ״denn vor 300 Jahren gab cs in Krakau keine Sterndiener." — Solcher Blödsinn bedarf keiner Widerlegung. Wir wollen nicht davon sprechen, daß der Hauptverfasser des Schulchan aruch, R. Josef Karo, der in Adriauopel sein Werk בית יוסף begonnen und dann bis zum Ende seiner Tage in Palästina lebte, nicht in Krakau war, denn cs ist dies vollständig irrelevant; wir halten es auch für überflüssig, zu erwähnen, daß von N. Mosche JsscrlS, der in Krakau lebte, nur die im Schulchan aruch sich befindenden Anmerkungen und Ergänzungen verfaßt wurden; wir wollen den Dr. Justus nur an feine eigenen Worte S. 32 erinnern, wo er sagt, daß der Schulchan aruch für alle Juden Geltung haben soll, weshalb cs der vollendetste Unsinn ist, aus der Thatsache, daß cs vor 300 Jahren in Krakau keine Sterndiener gab, folgern zu wollen, daß die Bezeichnung Akum im Schulchan aruch ״nichts anderes als Christ heißt." Der Schulchan aruch enthält sowohl die Vorschristen, die der Jude den Christen und Muhamedanern gegenüber zu beobachten hat, als die den Götzendienern gegenüber geltenden Bestimmungen, wie ja auch der Talmud zwischen solchen Nichtjuden. die Götzendiener und solchen, die nicht Götzendiener sind, scheidet. Un! aber zu wissen, welche Vorschriften gegen Christen und