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Jeschurun · 1883-03-01 · Heft 9 (1.3.1883) · p. 132

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 9 (1.3.1883)
Article
Das jüdische Herz und das jüdische Pflichtgebot
Date
1883-03-01
Page
132 (sequence 4)
Language
German
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132 des Rechtes und der Menschlichkeit zu scheuen haben, gehaßt und als fremder Eindringling immer wieder ausgescheuch!, sobald sic glaubte מנוח, für den flüchtigen Fuß die .Heimstätte gefunden zu haben. Das ist das Schicksal aller Priester des Lichtes und der Aufklärung im Machtbereiche der Finslerniß. Diese Anfeindungen und Verfolgungen und für die jüdische Taube nur die Erinnerung, daß die Finsternis; noch nicht gewichen und sollen sie nur um so eindringlicher mahnen, ihres Berufes als Pfleger des dichtes zu allererst im eigenen Kreise treu zu walten. Das ist ihre Lebensaufgabe und die Sorge für diese Lebensaufgabe ist die angelegentlichste Sorge des wahrhaft jüdischen Herzens. Die Geschichte bezeugt cs, wie für die Väter und Mütter kein Opfer zu groß war, sobald cs dem Dienste dieser Aufgabe galt. Die תורה war ihnen das Licht und ihr Gur und Blut war das -st שטן זית, das sie der Pflege und Erhaltung dieses Lichtes — nicht ״opferten," sondern das sic eben damit seiner eigentlichen Bestimmnng zu weihen überzeugt waren. Denn דבר ד׳, das Gotteswort ist das Oelblatt im Munde der Taube, und הרד ע.1 דברו zu sein, keine andere ״Sorge" zu kennen, als die um ״Sein" Wort, des Juden ewige Bestimmung. Denn אין צווי אלא אזהרה schließt das Weisheitsworl im Jalkut, שנאמר ויצו.ד׳ על האדם. Mit jeder מצות ist eine אזהרה gegeben. Nicht bloß "זיר, Sporn das Gute zu üben, sondern auch die ernste Warnung vor Unterlassung der pslichtgctreuen Ersüllung enthält jeder צווי. Gerade dieses Bewußtsein ' aber, daß man eine עבירה übt, wenn man die מציה nicht üvt, gerade es hat eigentlich das jüdische Pflichtgefühl zu einer solchen zweiten Natur des jüdischen Menschen werden lassen, daß sich eben aus ihm das jüdische Herz erzeugte. Dieses jüdische Herz, das הרד ist 'על דבר ד, das ja nichts anderes ist, als das Ideal dcS wahrhaft m e n s ch l i ch c n H cr; c us, cs ist das höchste Ziel der ganzen göttlichen Weltwaltnug. Denn von diesem Herzen spricht Gott (Jes. 00, 2): אל זה אביט אל עני ונכה דוה והרד על דברי, Alles habe Ich unmittelbar geschaffen, aber das ist's, worauf ich als Ziel Hinblicke, was ich von der MenscheuwUl erwarte: ein Meuschcuherz, das, wenn der Mensch auch arni und gedrückt ist, also unendlich viel Grund zur Sorge Hütte, doch nur die Eine Sorge kennt: die Sorge um tue in Wort. So lehren wir denn unsere Kinder das jüdische Her; über alles sch äsen unb als herrlichsten Schatz erstreben, lehren wir sie aber auch, daß cs nur Einen Weg giebt zu diesem Schatze: die treue Befolgung des jüdischen Pflichtgebotes. Direktor Di׳. Mendel Hirsch. Zaiomollischc KzittulMshtit. Don Lamson Raphael Hirsch. V. Das Wort. ^Fortsetzung.) Ja selbst die empfangene Erkenntnis; und Lehre wird erst dann unser rechtes, bleibendes Eigcnthum, wenn sie nicht nur in unserem Innern gedacht, sondern, wenn sie auf unseren Lippen zum Ausspruch gekommen und in präzis gefaßten Sätzen bewahrt bleiben. Eine Wahrheit, welcher Keiner mehr als unsere Weisen gehuldigt, und die der ganzen Lehrform und Lernweise unserer mündlichen Lehre zu Grunde liegt. Mein Sohn, horche hin auf meine Weisheit, Meinen Schlüssen neig' dein Ohr Probleme zu behalten, Erkenntniß aber lasse deine Lippen bewahren. (K. 5, 1. 2.) Neig' dein Ohr und höre die Worte der Weisen, Und dein Herz richte auf meine Erkenntniß. Wenn eS aber beglückend ist, daß du sie in deinem Innern bewahrest, So müssen sic in Ueberemstimmung auf deinen Lippen festgestellt sein. (K. 22, 17. 18.) Und nicht nur das geistige Gedeihen, auch die eigene materielle Wohlfahrt beruht nach der Erinnerung unserer Sprüche auf den entsprechenden Gebrauch des Wortes: Bon eines Mundes Frucht erhält auch die Leiblichkeit eines Mannes Befriedigung, AnseinerLippen Erudten sättigt er sich. (K. 18, 20.) Bon seines Mundes Frucht erhält ein Mann Gutes zuin Genuß, Wie das Erzeugnis seiner Hände ihm zu Gute kommt. (K. 12, 14.) Ganz besonders schauen sich aber unsere Sprüche nach der Wirkung der Nede im Berkehre mit unseren Mitmenschen um, und sind da eben so reich au ernsten Mahnungen, wie an weckenden, spornenden Ermunterungen. In erster Linie warnen sic vor vielem Sprechen, insbesondere vor rascher, unüberlegter Rede, sie preisen die Kunst des Schweigens und Hörens und meinen, daß Keiner also verdiente, Neues zu sprechen als der Mann, der sich nicht durch Sprechen, sondern durch Znhören auszeichnet, איש שומעי לנצה ידבר! (K. 21, 28.) Bei vielem Reden bleibt nicht Unrecht aus, Wer seine Lippen zurückhält, ist der Verständige. > (K. 10, 19.)

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