Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 8 (22.2.1883)
- Article
- Judenspiegel [Rezension]
- Date
- 1883-02-22
- Page
- 117 (sequence 1)
- Language
- German
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117 Wtilspitgkl ober 100 iicnciitljiilltc, hentzutage noch (!clteube, bei! Verkehr ber Juden mit bei! Christen bctrcffciibc (sjefelje der Jnben; mit einer bie Entstehmig und Weitereut- Wickelung ber jüdischen Gesetze darstellenden höchst iuteressanten Einleitung. Bon Di311 .׳ ft 11 י? , speculi opitVx in lumim.* v(*1־it.at,is. Paderborn 1883. Druck 1111b Verlag der Bonifacins - Druckerei, (tt<; S.) Kritisch bclnichtet von Rabbiucr I)1־ E> uge 11 hcimcr in Kolin. iFoitsetzung.) In sehr bemerkenswcrthcr Weise hat sich R. Jakob Emden in seinem vor 132 Jahren erschienenen עין אבות über den Bestand der Christenheit und der Mnhainedaner ausgesprochen; seine Crklärnng zu Mischna Abot I V, 11, enthält eine so bedcntsanic Besprechung der verschiedenen gegen Juden und Judenthnin gerichteten Bestrebungen, baß wir uns nicht versagen können, dieselben im Anszugc wiederzngeben. Er sagt dort: 3111״ Berhältniß zn denjenigen Völkern, die vor ihnen (den Christen und! Muhamedanern) lebten, die Gottes Dasein leugneten,! Holz und Stein bienten, also weder Gottes Macht! noch eine Vergeltung anerkannten, kann ihr (der Christen! und Muhainedaner) Bestehen als ein Mitte! zur einstigen Verwirklichung des Gotteszweckes betrachtet werben, und! biente dazu, unter den Völkern bas Gottesbewnßtsein zu verbreiten 1111b in den fernsten Ländern der Erkenntniß Eingang zu verschaffen, baß cs einen Gott gibt, der bie Welt beherrscht, der belohnt und bestraft und an Menschen Seine Offenbarungen ergehen ließ. Da sie also Gott 1111b Seiner sichre Verehrung verschafften und die Anerkennung Seiner Macht unter Völkern verbreiteten, die kein Gottesbewnßtsein hatten, wirb ihnen auch der Lohn ihres guten Strcbens nicht vorenthalten. Diese beiden Konfessionen, die Gott dazu erkoren, viele Völker zn beherrschen und sic zur Annahme der für bas Wohl der Gesannntheit und die staatliche Orbnnng nothwendigen Glaubenslehren und Erkenntnisse zu bringen, haben allerdings die Thora nicht als Gesetz angenonnneii, weil ihre Vorfahren bas am Sinai geosfenbarte Gotteswort nicht erhalten haben; sic haben daher von Gott nicht den Auftrag zn ihrer Beobachtung erhalten, und wenn sic mit ihrer Gottesverehrnng auch andere Wesen mitanbeten, so involvirt dies bei ihnen k׳׳inen Abfall von Gott, sondern es ist dies bei ihnen der von ihren Vorfahren ererbte Gebrauch; und unsere Gcsetzeslehrer haben bereits gezeigt, baß den Nichtjnden die Mitanbetnng anderer Wesen nicht verboten ist (Tosafot zu Bechorot 2b ד״היטנזא יתדדיג, zu Synhedrin 63h ד״ה אסור לאדם, Schulchan arnch Orach Chajim 15«;). CS ist von ihnen auch viel Gutes für bas jüdische Volk geschehen, denn zu jeder Zeit haben christliche und innhainedanische Gelehrte uns vertheibigt, und wenn auch viele Bcthörte unter ihnen sich gegen uns erhoben, um uns zu vernichten, und durch lügenhafte Anschnlbigiingen vielen von uns bas Leben raubten, so sind Einsichtige unter ihnen unseren Widersachern entgegengetretcn. und insbesondere christliche Gelehrte sind durch ihre Forschungen zu dem Ncsnltatc gekommen, baß wir schuldlos sind, da wir mit unerschütterlicher Festigkeit an dem uns übergebenen Gottesgesetze festhalten; dadurch sind sie uns zum Schutze geworden, was ihnen als verdienstvolles Werk angerechnet werden möge. Ein Blick ans die Vergangenheit zeigt, baß einsichtsvolle christliche Gelehrte nicht. blos ber schriftlichen Gottesosfenbarnng im Kreise der Völker Ancrkennung verschafften, sondern auch der der Mündlichkeit übergebenen Gottesosfenbarnng zum Schutze dienten; denn als ruchlose, dem Gottesg csctzc feindliche Personen ans unserer Mitte die Absicht hatten, den Talmud zu abrogircn und zn vertilgen, haben sich ans ihrer Mitte Fürsprecher zur Abivehr dieser Bestrebungen erhoben, wie im ס' ד,חיים berichtet wird: ,Es wurde mir erzählt, daß einige ihrer Abstammnng nach unserem Volle angchörende Frevler gegen den Talmud Am schnldignngen richteten und die Absicht hatten, dessen Verbrennung zu erwirken, weil in demselben manches enthalten ist, was sic bei ihrer beschränkten Einsicht nicht zu verstehen vermochten; und als ihnen die Durchsnhrnng ihres Vernichtnngsplanes fast gelungen, hat Gott den Geist eines christlichen Gelehrten erweckt, der den Talmud vor Fürsten und Völkern vertheidigte, indem er hinsichtlich der darin vorkommendcn dunkeln agadischen Stellen zeigte, daß dieselben mit den in Apotheken bcsindlichen bitteren und giftigen Pflanzen zn vergleichen sind, die ebenfalls für die Heilung der Menschen von großem Nutzen sind, aber nur nach der Aniveisni'g kundiger und erprobter Aer.zte verabfolgt werden dürfen, die cs verstehen, am geeigneten Orte den richtigen Gebrauch davon zu machen. So verhält eS sich mit den allegorischen, räthselhaft erscheinenden Anssprüchen der Weisen; ihre Bedcittung kann nur von den in die Tiefe der jüdischen Lehre Eingcdrnngencn erkannt werden; sic sind aber ein Anstoß für die unwissenden im Finstern Wandelnden. Diese Worte jenes christlichen Gelehrten leuchteten dem Kaiser und den Fürsten ein, und Diejenigen, die gegen den Talmud ihre Verlänmdnngcn richteten, mußten beschämt von ihrem Vertilgnngsplanc abstehen.׳ So waren es öfters Päpste und christliche Gelehrte, insbesondere Nenchlin, die die Inden von den gegen sie gerichteten Jntrignen retteten. Außerdem hat uns Gott durch sic auch dadurch Wohllhaten erwiesen, daß hervorragende Persönlichkeiten unter den Christen auf ihre Kosten die verschiedenen Werke der jüdischen Literatur drucken ließen, ohne deren