Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 7 (15.2.1883)
- Article
- Das jüdische Herz und das jüdische Pflichtgebot
- Date
- 1883-02-15
- Page
- 97 (sequence 1)
- Language
- German
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£Snmtober den Adar 864A. *yumiuuir, ucu 15 g׳cbr1wr 1883# M 7. <v /s ׳es mit) in Haus, Gcincinde und Schule. dSegcumtci 0011 ®filllfoil 5iftjj()ftcl ,'püfd), üiififiiiifr d. Jsracfilifificii J'ul’ifiioiisgefrfi’fifinfl jo JtnnUfWt a.iS. Neue Folge. - Erster Jahrgang. Hcrnuögcgcbcn »ntcr Mitwirkimg des Begründers und bewöhrter Gcnosscn von Asaac Kirsch. Diese Wochenschrift erscheint jeden Donnerstag mindestens 2 Bogen stark. — Abonnementspreis bei asten Vostanst alten und Buchhandlungen 2 ‘>0 J> für das Vierteljahr. Der Buchhandel verkehrt durch die Helwin g'sche Berlagsbuchhandlung zu Hannover. — Die Expedition versendet auch direct und franko unter Streifband den Jahrgang für'12^6 oder 7 Gulden österr. Währ, nach Deutschland und Oesterreich-, für WJ6. oder 18 Fr. nach den Ländern des Weltpostvereins. — Anzeigen werden mit 2'>..j f. d. :;gespaltene Pctikzeile oder deren Naum berechnet. — Expedition: Hannover. Theodorstr. 5. Neu erutretendett^Lboutteuteurverdeu die bisher erschienenen Nummern nachgeliefert. Die Expedition des ״Jcslhimm". Das sMisljjr i)en und dus jüdistic Millstgebot. I. ״Er hat doch ein jüdisches Herz!" Wie oft hört rnan das von einem Menschen rühmen, obgleich er dein ganzen jüdischen Pflichtlebcn den Rücken zngewendet hat, sobald er nur durch reichliche Akte der Wohlthätigkeit bekundet, daß er noch nicht alles Mitgefühl für seine jüdischen Brüder verloren hat. Ein jüdisches Herz! — Welche Feder wäre imstande, all das Herrliche 31t schildern, das diese drei Worte in sich bergen, alle die Wunder, die das jüdische Herz vollbracht, die Großthaten der Humanität und der Opferfreudigkeit, den unerschöpflichen Fonds von Liebe und Selbstlosigkeit, von Innigkeit und Zartsinn, aber auch von Math und Kraft, von Festigkeit und Treue, die den Schatz des wahrhaft jüdischen Herzens ansmachcn! Wohl ist das jüdische Herz der Stolz, denn cS ist eine der edelsten Errungenschaften des jüdischen Volkes. Aber eben deshalb ist der Gedanke, daß das jüdische Herz die cigentliehe jüdische Pflichtübung irgendwie zn ersetzen vermöge, ein durchaus unjüdischer Gedanke. Denn wohl ist das jüdische Herz eine der herrlichsten Blüthen von dem ewig grünenden jüdischen Lebensbaum, deren Duft und Schöne auch den nichtjüdischcn Kreisen eine Ahnung von der Herrlichkeit der in diesem Stamme auf- und niedersteigcndcn Säfte und Kräfte zu bringen vermag und bringen wird: allein nur eine Blüthe und nur eine Blüthe ist es, dieses jüdische Herz. Der Stamm jedoch dieses LebensbanmeS, dessen Wesen sich in dem Dufte dieser Blüthe erschließt: heißt מצוה, das Pflichtgebot. ואתה תצוד. את נני ישראל heißt cs, nicht von dem Gefühle, der mehr oder minder lebendigen EmpfindungSregnng für das Gute, hat Gott die Lvsnng der von Ihm nnS gesetzten Lebensaufgabe abhängig gemacht: sondern ,מצוד, das Pflichtgeb 0 t ist die GranitbasiS, auf welcher der Ban des jüdischen Lebens sich erheben, das Pflichtgebot ist es, welches unser ganzes Denken, Wollen und Vollbringen leiten und gestalten soll. Es macht aber einen ganz gewaltigen Unterschied, ob das von uns zn vollbringende Gute rein als Pflicht geübt wird, oder ob es nur einer Regung unseres Gefühles entstammt. Dies gilt selbst von der Wohlthütigkeit, jener Pflicht, die doch in dem Gefühle, wie man glaubt, den mächtigsten Vertreter hat. Aber