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Jeschurun · 1883-02-08 · Heft 6 (8.2.1883) · p. 87

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 6 (8.2.1883)
Article
Judenspiegel [Rezension]
Date
1883-02-08
Page
87 (sequence 3)
Language
German
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8 Gebete entgegengesetzten Inhalts an Gott richten? Ueberdies ist es fern von uns, selbst am verborgensten Orte dem Könige, unter dessen Schutz wir leben, zu fluchen. Indessen liegt gerade in diesen zwei Psalmversen der Beweis,daß jene Beschuldigung, daß wir den Völkern, in deren Mitte wir leben, fluchen, völlig grundlos ist; denn wir sagen, daß Gott Seinen Unwillen ausgießen möge über diejenigen Völker, die ihn nicht erkannt, die nämlich den Auszug ans Egypten leugnen und die dabei geschehenen Zeichen und Wunder nicht anerkennen. Nun ist eS aber allbekannt, daß diejenigen nichrjüdischcu Völker, unter denen wir zerstreut sind, an den Auszug aus Egypten glauben und seine Bedeutung erkennen. Wir sprechen daher gerade durch diese Verse die Bitte aus, daß Gott über diejenigen Völker, die Seinen Namen erkennen, Seinen -Unwillen nicht ausgießen möge; denn wir werden uns doch von der Sünde fernhaltcn. Denjenigen zu fluchen, die Gottes Namen erkennen. Jene Worte beziehen sich daher nur auf Diejenigen, die den Götzen dienen und an die Weltschöpsung nicht glauben. Da nun Denjenigen, die das jüdische Nationalheiligthum zerstörten, vom Glauben der Christen und Mnhamedaner noch nichts bekannt war, dieselben vielmehr Götzendiener waren, darum sagt jene Psalmstclle, daß jene Völker, die das jüdische .Heiligthum zerstörten, Gott nicht erkannten und Jakob verzehrten und seine Stätte verödeten; aber fern sei es von uns, den Christen oder Mühamedaueru zu fluchen, die Gott erkennen und an den Auszug aus Egypten glauben." Diese Erklärug des N. Eliescr Aschkenasi wird auch von R. Mosche Ribkas in der dem Verfasser des ״Jndenspielgel" bekannten Stelle des באר הגולה zu Schulchan arnch Choschen Mischpat 425 angeführt, wo ebenfalls gesagt wird, daß diejenigen Völker, unter denen wir gegenwärtig leben, an Gott, an die Weltschöpfung. an die in Egypten geschehenen Wunder, an die Offenbarung glauben, weshalb wir für ihr Heil zu beten verpflichtet sind. Fortsetzung folgt.) Aus der erste!! Hülste unseres Jahrhunderts. (Nach einer wahren Begebenheit) Arredcich KsLt. 4. (Alle Rechte Vorbehalten.) (Fortsetzung.) Das Wort erstarb ihm auf der Zunge, als er auf seine Frau blickte, die in kti heftigsten Zuckungen, nach Athem ringend, sich \vmh. ״Dinah!" schrie er und wollte sie stützen, doch sie stieß ihn zurück. ״Fort! — fort! —" Er versuchte ihr kaltes Wasser, stärkende Essenzen zu reichen, doch sie schauderte vor allem, was er ihr bot, und unthätig!llnßtc er Zusehen, bis der furchtbare Anfall endlich von selbst nachließ. — Vollständig erschöpft lag sie da. ״Dinah, mein Leben, etwas mußt Du nehmen — ein paar Tropfen." Doch sie preßte die Lippen auf einander. ״Sei kein Kind, Du weißt, ich hab's nicht gern gcthan — aber habe ich mir helfen können? — Und von wegen den! Glauben — Du meinst doch nicht, daß ich heute was anders glaube, als was ich gestern geglaubt Hab'?" ״Und die Kinder! — die Kinder!" ״Die Kinder?— was hast Du nur in einem fort mit den Kindern? Die Kinder werden gar nicht wissen, was mit ihnen geschieht. Morgen, gleich nach Mittag, schickt der Gras seine Kalesche, dann sage ich's ihnen, daß wir nach Woikersdorf übersiedeln; sie werden froh sein, in dein schönen Wagen zu fahren. Und wenn wir dann so gegen sechs Uhr in Woikersdorf sind, dann frag' ich sie, ob wir zuerst uns die schöne Kapelle ansehcn wollen. Du bfcibft im Wagen, ich gehe mit ihnen hinein, — keine zehn Minuten und wir sind wieder draußen — möglicherweise haben sie gar nichts davon gemerkt." ״Mirjam läßt cs nicht zu," murmelte die Kranke. Ehrntann fuhr auf. ״Mirjam!" — doch er gedachte der Szene von: Nachmittag und bezwang sich. ״Mirjam ist geschcidt," sagte er, ״ihr werde ich's auscinandersetzcn, wie sich Alles verhält; und du wirst sehen, sie wird keine Geschichten machen." Doch die Kranke schüttelte heftig den Kopf. ״Mirjam!" stöhnte sie, ״Mirjam!" ״St! nenn' sic doch nicht so laut.bei'm Namen, sie schläft ja da drinnen. — Heute Nacht braucht sie auch noch nichts davon zu wissen." Erst jetzt gewahrte er, daß die Thür zu dem bereits erwähnten Nebenzimmer nur angelehnt war; er trat hinzu und drückte sie fester in's Schloß. Und das junge Mädchen, das in ihrem Bette aufrecht sitzend mit angehaltcncm Athem und weit ausgerissencn Augen in die Nacht starrend, der Unterrcdung der Eltern gelauscht hatte, vernahm nichts weiter. Mirjant hatte beide Hände an die pochenden Schläfen gepreßt; sie konnte cö kaum fassen, daS Entsetzliche, das sie vernontmen. — Und doch, sie hatte sich nicht getäuscht, sie hatte recht gehört. — Die Mutter hatte doch schon am Abend auf ein bevorstehendes Unglück hingedcutet, doch daß es so furchtbar, so entsetzlich. — Sie rang verzweiflungsvoll die Hände und flehte zu

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