Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 6 (8.2.1883)
- Article
- Salomonische Spruchweisheit
- Date
- 1883-02-08
- Page
- 84 (sequence 2)
- Language
- German
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Liebe nicht Schlaf, du könntest verarmen, Die Augen öffne, sättige dich. (K. 20, 13.) Trägheit versenkt in frühen Schlaf. Und die uuthätig bleibende Seele muß hungern. (K. 19, 15.) Wegen Winters Kälte will der Faule nicht pflügen, Darum sucht er in Erntezeit und findet nichts. (£. 20, 4.) Es sehnt sich und findet Nichts seine Seele dem Trägen, Während die Seele des Fleißigen in Fülle sich sättigt. (K. 13, 4.) Die Sehnsucht des Trägen tobtet ihn, Weil seine Hände sich weigerten zu schaffen. Alle Tage bleibt er voll Sehnsucht, Der Pflichtgetreue aber spendet noch ur.b versagt nichts. (K. 21, 25. 26.) Armuth bringt die ihre Schuldigkeit nicht thueude Hand Während die thätige Hand des Fleißigen reich macht. (K. 10, 4.) Die Hand des Fleißigen gelaugt zur Herrschaft, Ihre Schuldigkeit verabsäumende Trägheit zur Abhängigkeit. (K. 12, 24.) Nicht zum Rosten bringt Faulheit ihren Fang, Würdiges Menschen-Vermögen ist nur durch Fleiß Errungenes. (K. 12, 27.) ES sammelt schon im Sommer der verständige Knabe, Der die Erwartung täuschende schläft in der Ernte. (K. 10, 5.) # CS spricht der Träge, ein Löwe ist draußen, Mitten in den Gassen werde ich gemordet. (K. 22,13.) Ein Schakal ist auf dem Wege, ein Löwe zwischen den Gassen, spricht der Träge. Die Thür dreht sich schon tut Angel und der Träge noch auf seinem Bette. Hat der Träge seine Hand schon in die Schüssel gesteckt. Ist er zu faul, sie sich zum Mund zu bringen. Klüger ist der Träge in seinen Augen, AlS sieben ^scheidende Nathsherrcn. (K. 26,13—l 7.) Sehr ist unsere Spruchweisheit bemüht, bcm Laster der Faulheit und Trägheit entgegenzuwirken und zu einer fleißigen, rüstigen Thätigkcit zu ermuntern. Sic unterläßt es nicht, das Unvernünftige, sowie die traurigen Folgen der Trägheit darzulcgeu, und verschmäht es auch nicht, dem Trügen unb Faulen den Spiegel des Lächerlichen seines Erscheinens und Benehmens vorzuhalten. Ganz besonders bemerkenswcrth und lehrreich ist aber der Ausdruck רמיה, den wir in den Sprüchen wiederholt als Gegensatz zum Fteiße begegnen. Dieser Ausdruck, der sonst ja im sittlichen Gebiete Betrug bedeutet, scheint hier in wirthschaftlichcr Beziehung Trägheit, Faulheit, Schlafsheit, Nachlässigkeit zu bezeichnen^ In der That begeht ja auch der, der das ihm verliehene Dasein und die ihm damit verliehenen geistigen und leiblichen Kräfte nicht für die Zwecke gebraucht, für welche sie ihm verliehen sind, einen Bcrrath an heiligeu auvertrauteu Gütern. Er betrügt seinen Schöpfer und den Spender seiner Kräfte um die Leistung, die Er damit von ihm erwartet, und die Welt, der sie zu Gute kommen sollte; jeder Athemzug des Trägen und Faulen ist ein Raub, eine Anschauung, die ja auch unfern Ausdruck: Tagedieb gebildet hat. Diese Bedeutung des רמיה findet sich auch in dem Ausdruck קשת רסיה, womit ein Geschoß bezeichnet wird, das den Schützen täuscht, den Pfeil nicht abschicßt, oder vielmehr, statt in der beabsichtigten Richtung, auf den Schützen zurückprallen läßt. Wen aber auch nicht das Pflichtgefühl, den sollte doch schon die Nothweudigkeit unb der natürliche Trieb der Selbsterhaltuug zur Benutzung der Zeit in ״emsiger" Thätigkcit wie die Ameise treiben. Reichthum will ausgesucht sein, allein Armuth kommt von selbst, findet ihren Weg zu Jedem, der die Zeit zur Thätigkcit verträumt und die Hände in den Schooß legt, und wenn erst der Mangel da ist, daun ist er ein gewappneter Mann, der schwer zu bckämpsen ist. Es gehört nur ein wenig Umschau dazu, um an dem Geschick der Faulheit Fleiß und Emsigkeit zu lernen. * Selbst schon vorhandenes Vermögen geht durch Faulheit verloren, und Armuth, Hunger, unbefriedigte Sehnsucht nach den natürlichsten Bedürfnissen einerseits, andererseits erniedrigende Abhängigkeit von dein Fleißigen sind in: Gefolge der ihre Schuldigkeit nicht thuendcn Trägheit. Macht ein Fauler selbst durch einen Glückszufall einen Fang, so hindert ihn die Faulheit an gehöriger Benutzung desselben, aus ־רנזיה, an Pflichtgemäße Thätigkcit nicht gewöhnt, לא יהרך צירו verzehrt er das ihm ohne sein Zuthun in'S Garn gelaufene Wild roh! Oder: cs entläuft ihm wieder, ehe er dazu kommt, cs zum Genuß zu bereiten. הון אדם יקר würdiges Menschen - Vermögen ist nur ]‘הון הדו tft nur das Vermögen eines Fleißigen. Oder הון אדם Mcnschen-Vcrmögen, d. i. Vermögen, wie cs einem ״Menschen" ziemt, muß zwei Merkmale haben: יקר, es muß sittlich würdig sein, (im Gegensatz zu זולל, dem Gemeinen, Schlechten,) und חרוץ, es muß das Merkmal des Fleißes tragen. Und nicht nur in Erwerb des tnateriellen Vermögens,! nicht minder im Neben der Kräfte für die geistigen