Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 6 (8.2.1883)
- Article
- Das jüdische Gotteshaus
- Date
- 1883-02-08
- Page
- 83 (sequence 3)
- Language
- German
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83^ dem auf der Glanzhöhc politischer Größe und staatlicher Macht stehenden Könige nichts anderes zu wiederholen, als waS bis dahin das משבן zu uns 3luc־u gesprochen hatte: ״Dieses HauS, welches du bauest, — wenn du in meinen Gesetzen gehen, und meine Rechtsordnungen verwirklichen mib alle meine Gebote hüten wirst, deinen Wandel nach ihnen zu gestalten, so werde ich mein BerhcißungSwort aufrecht halten" — und wollte seinem Geiste und wollte seinem Herzen damit mahnend und warnend die Bedingung in'S Bewußtsein rufen, deren Erfüllung allein den Tempel zum Hciligthumc macht. Der prächtigste Tempel ist lein jüdischer GotteStenipel, wenn ihm nicht die Huldigung des göttlichen Gesetzes zu Grunde liegt und wenn er nicht im Dienste dieser Huldigung steht. Die Mahnung war vergebens, die Warnungen blieben unbeachtet, des Bolkcs Herz verschloß sich jener Wahrheit und deshalb sank der Tempel; und auch des zweiten Tempels Trümmer deckt der Schutt der Zeiten. Nie aber hat cS eine Zeit gegeben, für die eine Beherzigung der Wahrheit, die aus dem Vau deL משבן, eine Beherzigung der warnenden GottcSstimme, die aus den Trümmern der zerstörten Tempel zu uns dringt, von größerer Wichtigkeit gewesen wäre, als unsere Zeit, die so gern in Shnagogenbau und höchstens in Synagogeubcsuch die ganze jüdische Beziehung zu Gott aufgehen lassen möchte. Auch ouS Allerheiligste unserer Synagogen ist ja die Thora, ihr zu wendet sich unser auf Gott gerichteter Geist, vor ihr beugen wir uns, wenn wir nnS vor Gott beugen, zu ihrem Dienste sollen wir vor Gott uns sammeln, ihr erneuern wir daS Gelöbniß des Gehorsams mit jedem ScgcnSspruche, zu ihrem Dienst erstehen wir von Gott Gesundheit,' Hülfe, Kraft und Segen — und wir hätten nicht zu erröthcn, wenn wir inS Gotteshaus nur kämen, um uns von diesem Dienst — zu dispcnsircn, uns vor dem Allerhciligstcn nur beugten, um ihm — den Nucken zuzuwcndcn, der Huldigung Gelöbniß nur erneuerten, um eS — zu brechen'?? Nicht umsonst hat nicht der Amud, die Stelle des Vertreters der Genieindc im Gebete vor Gott, sondern der Al nie m or, auf dem das GottcSwort des Gesetzes zur stets erneuten Beherzigung im Kreise der Gemeinde vorgclcscn wird, die hervorragende Stellung im jüdischen Gotteshause. Unsere Zeit freilich, die die Thora gern im heiligen Schreine ließe und sie nicht in'S Leben hinausträgt, in die Erziehung der Jugend, in das häusliche und geschäftliche Leben, sie hat auch mit großer Weisheit den Almemor mit dem Amud verbunden, sie trägt die Thora nicht in den Kreis der Gemeinde, sie liest sie nicht der Gemeinde vor, sie liest sie vielmehr — Gott vor wie ein Gebet. — Darum ist an jede Gemeinde, die im Vau der Synagoge ihren ganzen Eifer bethätigt und auf ihre Synagoge stolz hinblickt, jenes GottcSwort an Schclomo noch jetzt als ernste Mahnung gerichtet: ״Dieses HauS — w e n n du in meinen Gesetzen gehen und meine Rechtsordnungen verwirklichen und alle meine Gebote hüten wirst, deinen Wandel nach ihnen zu gestalten — so werde ich mein VcrheißuugSwort anfrcchthalten und werde — nicht im Gotteohause, sondern: — in der Mitte der Söhne Israels wohnen und werde mein Volk Israel nicht verlassen!" So lange aber, als wir diesem Worte unS verschließen, wird leider daS andere Prophetenwort für so weite Kreise noch seine volle Bedeutung behalten: ״Da Israel seines Bildners und Gestalters vergaß, baute eS sich — Tempel!" Möchte die Zeit doch nicht so fern mehr sein, wie eS dem kurzsichtigen menschlichen Blicke leider scheint, die Zeit, in der diese beiden Worte in allen jüdischen Kreisen volles Berständniß und volle Beherzigung finden! Ä. ii. Al1!sm!!W Spnifljiumljfit. Von camioii NaplMl Hirsch. 111. Fl eist und Trägheit. (Fottsctzung.) Trägheit. Geh' zur Ameise, Fauler, Sieh' ihre Wege und werde weise. Sic hat keinen Vorgesetzten, keinen Treiber und Herrscher. Bereitet im Sommer ihr Brod, Hat in der Ernte ihre Nahrung gesammelt. Wie lange willst du, Träger, liegen, Wann aufstehcn von deinem Schlafe? Nur ein wenig Schlaf, ein wenig Schlummern, Ein wenig Händefalten zum Liegen — Und eS kommt wie ein Wanderer deine Armuth Und dein Mangel wie ein gewappneter Mann. (K. 6, 6—11.) An dem Feld eines trägen Mannes ging ich vorüber Und an dem Weinberg eines vcrstandloscn Menschen, Und siche, Alles war in Dörncr aufgcgaugen, mit Nesseln die Flüche bedeckt, Und der steinerne Zaun cingerissen. Ich sah mir daS an und richtete darauf meinen Sinn, Sah cs und empfing die Lehre: Ein wenig Schlaf, ein wenig Schlummern, Ein wenig Händefalten zum Liegen, Und es kommt heraugegangcn deine Armuth Und dein Mangel wie ein gewappneter Mann. (K. 24, 30—34.)