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Jeschurun · 1883-02-08 · Heft 6 (8.2.1883) · p. 81

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 6 (8.2.1883)
Article
Das jüdische Gotteshaus
Date
1883-02-08
Page
81 (sequence 1)
Language
German
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Hlimwder, den - 643^׳. 8. Februar 1883. in Haus, Gemeinde und Schule. r6egrünl!ei von SmnslM Nllphael Hirsch, ^ü^ililrr (1.?srnefit&n ^cPigioiisgefffffifmfl 511 dFranifurt a.JÜ Neue Folge. —- Erster Jahrgang. Herausgegeben unter Mitwirkung des Begründers und bewährter Genossen von Asaac KirsH. Diese Wochenschrift erscheint jeden Donnerstag mindestens 2 Bogen stark. — AbonnemcntSpreiS bei allen P ostanst alten und Buchhandlungen 2 J6. r»0 für das Vierteljahr. Der Buchhandel verkehrt durch die Helwing'sche Verlagsbuchhandlung zu Hannover. — Die Expedition versendet auch dircet und franko unter Streifband den Jahrgang für l2^L oder 7 Gulden östcrr. Währ, nach Deutschland und Oesterreichfür 1k J& oder 18 Fr. nach den Ländern des Weltpostvereins. — Anzeigen werden mit 25 J, f. d. :;gespaltene Petitzcile oder deren Nanm berechnet. — Expedition: Hannover, Theodorstr. 5. Neu eintreLeudcnÄbowneutenworden die! bisher erschieneuen Nurmnern nachgeliefert..! Die ExpcditiM des ״Icsthiinn!". as jüdische Höt!ts!)!l!1s. ״Als Israel seines Bildners vergaß, da baute es sich Tempel." (Hosen 8, 14.) Es ist ein unsäglich düsteres Gemälde aus uralter Zeit, das durch diese Worte den letzten charaklcrislischeu Pinselstrich erhält. Der Prophet Hosca hatte den vollendeten Abfall, die unglaublich tiefe Entartung des Reiches Israel, der damaligen Domäne des Reformjttdenthums, geschildert. Er hatte geschildert, wie unter der Losung: ״Vermischung mit den Völkern" und ״;eitgemäße Reform des JudeuthumS" allen Gesetzen der Gerechtigkeit und Menschl-ichkeit Hohn gesprochen wurde, wie das Familienleben zerrüttet, die schamloseste Unsittlichkeit im Schwange war, hatte geschildert, wie eine ehr- und gewissenlose Neligiousdienerschaft mit eifrigster Beflissenheit bemüht war, auch den schlimmsten AuSschreitungen leidenschaftlicher Verblendung des Volkes die religiöse Sanktionirung cntgcgenzubrmgcn. Und als Abschluß dieser Schilderung, als grelles Streiflicht auf dieses Nachtbild, die Klage: ״— und da baut es sich Gotteshäuser!" Nach moderner Anschauung doch ein eminent religiöses Unternehmen! Hütte der Prophet nicht vielmehr in den vielen Gotteshäusern, die ״trotz" des Abfalls jetzt in Israel erstanden, das Vorhandensein eines Restes von religiösem Sinn dankbar anerkennen und den Bau von Gotteshäusern bereits als den Anfang einer Rückkehr freudig begrüßen müssen? Das Auge des jüdischen Propheten, des Gottes- Propheten schaut tiefer. Nicht die Morgenröthe einer besseren Zeit, vielmehr ein Moment der Verewigung des Abfalls, das größte Hinderniß für die Rückkehr erblickte cs in den vielen neu erstandenen Tempeln. Denn freilich, in einem auf dem Boden des GotteSgcsetzes stehenden Kreise ist das Gotteshaus eine Stätte der Kräftigung für den Ernsten, eine Stätte der Sammlung und Festigung für den Schwankenden, und in dem Bau eines solchen Hauses spricht sich in einem solchen . Kreise das aufrichtige Bedürfniß nach solcher Sammlung und Kräftigung und die Sorge für die Eiweichung der wahren Lebensheiligung aus. Was be« deutet aber der Ban eines Gotteshauses in einem Kreise, der mit dem Gottes ge setze grundsätzlich gebrachen hat? Ein solcher Bau ist nicht bestimmt, eine Rüst statte zu werden für den Gottesdienst des Lebens, sondern einen Ersatz zu bilden für denselben.

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