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Jeschurun · 1883-02-01 · Heft 5 (1.2.1883) · p. 74

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 5 (1.2.1883)
Article
Betrachtungen über die Judenfrage in Deutschland
Date
1883-02-01
Page
74 (sequence 2)
Language
German
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und Martern wird die Menschenfamilie, welche Gott;um Träger seiner Offenbarung erwählt, nicht enden. — das Wichte und weiß der Jude, das predigt ihn! das Wort Gottes in der ntcssiauischen Verkündigung. Und ebenso lehrt cs ihm, daß die Herrschaft der Gewalt mir eine zeitweilige, vorübergehende sei; daß Rohheit und Wahn nicht für immer das Szepter schwingen werden; daß in den Thränen und dem Jammer, dem Elend und der Roth der Armen und Schwachen, und in dem Triumphe der Gewaltigen auch das Ziel der Menschheitsgeschichte sich mit Nichten vollende. Kommen wird die Zeit, also zeigt ihm sein ..Messiasglaube," in welcher Gerechtigkeit und Milde in das Herz jedes Menschen einzichen, in welcher sich vor Gott jedes Knie beugt, in welcher jede Zähre versiegt sein wird, in welcher kein Mcnschenblut fließt, in welcher, wie es der Prophet Micha geschaut und ausgesprochen hat: ״Der Berg׳ des Gotteshauses fest errichtet sein wird ans dem Gipfel der Berge und getragen wird von den Hügeln — zu ihm strömen dann die Völker hin. Der Nationen Fülle wird dann hinanfwallen und sprechen: Kommt, laßt uns hinaufziehen zu dem Berge Gottes und zum Hause des Gottes Jakobs, daß Er uns lehre von Seinen Wegen und wir dann gern wandeln in Seinen Pfaden, denn von Zion allein geht die Lehre ans und das Wort Gottes von Jerusalem. Dann wird Er entscheiden zwischen den Völkern und mächtige Nationen in weiter Ferne zum Rechte weisen, daß sie ihre Schwerter zerbrechen, um Sensen ans ihnen zu machen, und ihre Sperre zu Rebmessern umwandeln. stein Volk wird fernerhin gegen das andere das Schwert zücken, und Kriegskunst wird man nicht mehr lernen. Dann wird Jeder unter seinem eigenen Weinstock und seinem eigenen Feigenbäum weilen und Niemand wird die Ruhe stören, — denn der Mund Gottes ist es, welcher gesprochen." Wie dem Juden sein Gesetz gelehrt, nur in dein Heile seiner Mitbrüder, der übrigen Volksgenossen, das eigene Heil zu suchen und zu finden, also lehrt ihn die messiauische Hoffnung in seinem künftigen Heile, in der Gestaltung seiner glücklichen Zukunft, das Heil und das Glück der Menschheit ersehnen und erflehen. Darum ist. cs gerade diese Hoffnung, von welcher seine Brust ganz erfüllt ist, welche das Wunder vollbracht, daß der Jude, ungeachtet aller Lieblosigkeit und aller Verfolgung, nicht wankte in seiner Treue und Anhänglichkeit an Vaterland und Mitbürger. Dieser Messiasglaude der Juden ist die erhabenste, reinste Idee, welche von einem Mcnschengeiste gedacht werden kann; er ist frei von jedem Egoismus und jeder unhciligcn Trübung. MaimouideS spricht sich darüber, ״Hilchoth Mclachim,!2. Abschnitt" also aus: ״Die Weisen und Propheten haben nicht deshalb die Messiaszeit herbeigesehnt, um über die Welt und die anderen Völker zu herrschen, oder von denselben hoch verehrt zu werden, auch nicht um sich irdischer Genüsse zu erfreuen, sondern deshalb, um sich ungestört der Thora und ihrer Wissenschaft zu widmen, da alsdann Niemand sie stört und hindert, — daß sie des zukünftigen Lebens theilhaktig werden. — In jener Zeit wird keine Hnngersnoth sein und kein Krieg, kein Neid und keine Eifersucht; denn das Gute wird in vollstem Maße verbreitet sein. Das Streben wird nur darauf gerichtet sein, Gott zu erkennen.-" Auf daß diese glückliche Heileözukunft Israel und der Menschheit werde, haben die Juden nicht das Schwert, dieses Werkzeug, mit welchem in anderen Kreisen wohl Zivilisation und Humanität verbreitet wird, zu führen. Im Talntttd כתובות קיא ist es ausgesprochen, daß Israel nichts zur Wiederherstellung seines eigenen Staatslebens unternehmen und niemals den anderen Stammen, unter welchen es lebt, die Treue brechen darf. Die Juden haben ihrer Aufgabe zu walten und das ihnen gewordene Gottcsgesetz getreulich zu erfüllen. Wann Gottes Weisheit die Zeit herbeiführen wird, wo die Erziehung des Menschen׳ geschlechts ihrer Vollendung entgcgengereift ist, das weiß nur Er allein. ^Fonsepnng folgt.) Indkilspiklzel oder 100 neuenthiilltc, heutzutage noch geltende, den Verkehr der Inden mit den Ehristen betreffende Gesetze der Inden; mit einer die Entstehung und Weitcrent- Wickelung der jüdischen Gesetze darstellenden höchst intercssanten Einleitung. Bon Ur. Justus, 8p6m11i opifex in lmnine. veritatis. Paderborn 1883. Druck und Verlag der Bonifacius-Druckerei. (96 S.) Kritisch beleuchtet von Rabbiner l)r (An gen he im er in Kolin. Die antisemitische Literatur wurde durch diesen ״Judcnspicgel" mit einer neuen Schrift bereichert, die wir um so weniger unbeachtet lassen dürfen, als sie in echt marktschreierischer Manier auf dem Titclblatte neue E n t h ü l l u n g e n verspricht und der Verfasser die ihm thcilweise bekannten seinen Kalumnicn entgegenstehenden Erklärungen jüdischer Gesetzeslehrer als ״zur Dupirung der Ehristen" ersonnene Lügen zu bezeichnen sich erfrecht. Der Verfasser ist sich wohl der Falschheit seiner Angaben bewußt, und darum sucht er durch Versicherungen, die er in seinem Vorworte ausspricht, das zu ersetzen, was seinen Ausstellungen an Wahrheit fehlt, und sagt zu seinen Lesern: ״Ich kann euch fest versichern, daß alles, was dieses Merkchen enthält, ebenso wahr ist, als daß 2x2 4 sind.

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