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Jeschurun · 1883-02-01 · Heft 5 (1.2.1883) · p. 71

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 5 (1.2.1883)
Article
Die Wiederbesetzung des Hannoverschen Landrabbinats
Date
1883-02-01
Page
71 (sequence 3)
Language
German
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71 Alle, welche nicht von unlauteren Motiven geleitet, sich ihres Wahlrechts bedienen wollen, dieeindringliche Warnung und Mahnung: ״Wählt keinen unentschiedenen, halben Mann, — wählt keinen, der nicht in Gesinnung'und That treu zum Gesetze steht, — wählt keinen, dessen Unterordnung unter die Lehre zweifelhaft ist; — wühlt einen ganzen Mann, wühlt einen gcsetzeStreucn Rabbiner! Aus der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts. (Nach einer wahren Begebenheit) Friedrich Uott. 1. (Alle Rechte vorlu!)alten.) (Fortsetzung.) Zwei Knaben im Alter von sechs und nenn Jahren sprangen ihr entgegen. ״Wo ist die Mlltter, Mirjam? im blauen Zimmer?" ״St! st! ihr müßt leise sein, die Mutter schläft." ״Ist die Mutter wieder krank?" fragte der ältere Knabe im leisesten Flüsterton. ״Die Mutter hat Kopfschmerzen. Wenn sie sich auSschlüst, wird eS ihr bald besser werden. Kommt hinunter, ich gebe euch euer Nachtessen und dann geht ihr artig zu Bett." Sie ging voraus, die Kinder trippelten auf den Fußspitzen schleichend hinterdrein. ״Dürfen wir der Mutter nicht gute Nacht sagen?" fragten die Kleinen, nachdem sie ihr Abcndbrod verzehrt hatten, ״vielleicht ist sie jetzt wach und wir werden ganz leise sein." ״ES kann nicht sein," erwiderte Mirjam achsclzuckend, ״der Vater hat's verboten, ihr dürft nicht hinein." ״Der Vater?" rief der jüngere Knabe, ״ach, Mirjam, wir haben ja den Vater gesehen, da draußen vor dem Thor wo man zum Schloßberg hinaufgeht. Aber denke Dir nur, der Vater ist mit dem Verwalter gegangen und der Verlvalter hat dem Vater eine Cigarre gegeben und der Vater hat geraucht." ״St," flüsterte Mirjam, ״st! davon dürft ihr nicht reden, daß eö die Mutter nicht hört. — Und auch zu Lcah dürft ihr nicht davon reden." Die Kinder versprachen es. Mirjam rief das Mädchen, daß eö die Kleinen zu Bette bringe; sie selbst eilte wieder hinauf zu der Mlltter, nachdem sie den Brüdern versprochen, der Leidenden ihre Gutcnacht׳- wünsche zu übcrbringen. Frau Ehrmann schien zu schlummern; Mirjam setzte sich zu ihr an das Kanapee. Die Dämmerung war schon ziemlich weit vorgeschritten, sie wußte nicht,-ob der Sabbath schon zu Ende, und so saß sie im Finstern, bis sic drüben im Nachbarhaus bei Lcwin's die Fenster erhellt sah; dann erhob sic sich leise, stellte vor allem einen Lichtschirm auf den Tisch, dann erst die Lampe, die sie hinter deinselben anznndete. ״Ist eö schon Nacht?" fragte Frau Ehrmann, indem sic sich aufrichtcte. ״Bei Lcwin haben sic Licht, darum habe ich auch angezündet. Ist Dir jetzt besser, Mutter?" ״Ganz gnt ist mir, mein braves Kind. Was machen die Kleinen?" ״Die sind int Bett und schlafen gewiß schon. Sie lassen Dir gute Nacht und gute Besserung wünschen, und ich habe versprechen müssen, Dir zu sagen, daß sie sehr brav waren und ordentlich gebetet haben." Um Frau Ehrmann's bleiche Lippen zuckte cS. ״Willst Du mir das Gebetbuch geben?" Mirjam reichte es ihr, schob den Lichtschirm bei Seite, und beide verrichteten das Abendgebet. ״Ist der Vater noch!licht daheim?" fragte die Mutter, nachdem sie das Gebet beendet. ״Hier oben habe ich ihn noch nicht gesehen, aber niöglicherweise ist er unten im Schallkzimmer. Wenn Du!villst, gehe ich hinunter nachschaucn." ״Nein, laß gut sein. Wenn er daheim ist, kommt er schon herauf. Aber cs ist spät, leg' Dich schlafen, Mirjam, mein Kind." Miriam weigerte sich; sic wollte die Leidende nicht allein lassen; sic wollte warten, bis der Vater komme. Frau Ehrmann halte sich wieder auf das Kanapee gelegt; Mirjam setzte sich neben sic in einen Sessel; beide sprachen wenig. Iran Ehrmann schien in trüben Gedanken versunken. Sie athmcte schwer, und bange Seufzer entrangen sich von Zeit zu Zeit ihrer leidenden Brust. Mirjant hätte so gern tröstende Worte zu ihr gesprochen, aber sie wußte nicht, was sie ihr sagen konnte; sie war selbst Lief traurig. — Doch die Zeit schritt vor, eö wurde später und später; die Natur machte ihr Necht geltend, die?lugen. des jungen Mädchens schlossen sich, das vanpt sank ans den Tisch, und die regelmäßigen Athcmzüge verriethen, daß es schlummerte. Mit innig liebevollen Blicken betrachtete die Mutter die Schläfcrin. ״?lrmeS, arnwö .Kind!" seufzte sie, ״das wird ein Schlag für sic sein! — wie wird sie es hinnehmen? —" Dann hob sie den Kops der Tochter und streichelte ihr liebkosend die rosigen Wangen, um sie zu ermuntern. ״Mirjam, mein Kind, lege Dich in's Bett, hier liegst Du schlecht." /

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