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Jeschurun · 1883-02-01 · Heft 5 (1.2.1883) · p. 70

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 5 (1.2.1883)
Article
Die Wiederbesetzung des Hannoverschen Landrabbinats
Date
1883-02-01
Page
70 (sequence 2)
Language
German
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70 wenn in dem Hause die Vorschriften des Indcnthums mißachtet werden und in der Schule nicht derjenige Geist frischen Gebens waltet, welcher die Liebe und die Treue, die Gewissenhaftigkeit und den Ernst bei km heranblühenden Gcschlechte zu wecken und pflegen vermag. Ihn trifft die Schuld, wenn die Lehrer, Schächter und sonstige KnltuSbeamten nicht die Gesinnung bcthätigcn, welche ihrem Amte ziemt, wenn die religiösen Inslitutioncn verwahrlosen, wenn die Kluft zwischen den Anforderungen der Religion und deren Verwirklichung im Leben sich immer mehr erweitert, — weil er nicht der Leiter, sondern der Geleitete, nicht der Lehrer, sondern der Nachbeter gewesen; weil er nicht das Gesetz, sondern die Willkühr seiner Gemeinde zu seiner Nichtschnür genommen; weil er sich der in seiner Gemeinde herrschenden Strömung gesinnungslos und feige akkomodirt hat. Nein, — und abermals nein! Der Rabbiner ist kein Hicrarch — aber auch nicht der Knecht der Vorstände und Gemeinden — er ist der Lehrer und Vertreter des Gesetzes im Kreise seiner Gemeinde und hat als solcher nichts Anderes zu thun, als das Gesetz klar und unverfälscht zu lehren, zu verkünden und zur Unterordnung und Gehorsam gegen dasselbe auszufordern. Das ist sein Amt und seine Aufgabe. Er hat deshalb auch nicht den diplomatischen Vermittler zu spielen, weder zwischen, noch.über den Parteien zu stehen. Mit aller Inbrunst und Begeisterung hat er das Gesetz und die Lehre zu predigen, zu erklären, zu verbreiten, und zur Treue gegen die Religion zu mahnen. Das ist sein einziger Beruf; und nur ein Mann, welcher sich diesem mit seinem ganzen Wesen widmet, nur der ist würdig und fähig, an die Spitze der Genieinde als Rabbiner gestellt zu werden. Und darum möchten wir unsere Stimme erheben, ntahnend und warnend und jedem Einzelnen der zur Wahl Vcriifcneu laut und eindringlich zurnsen: Wählt einen ganzen Mann zu ctlrcm Rabbiner, einen Mann, der mit Leib und Seele, in Gesinnung und That für das Heiligt Hunt cintritt, wählt einen gcsetzcstreuen SHabbincv! Laßt euch nicht bethörcn von Denen, welche sprechen: ״Wir können einen ,so ganz frommen* Rabbiner nicht gebrauchen, ein solcher wird fanatisch verketzern alle Diejenigen, welche nicht ,so ganz fromm׳ sind." Das ist eine Verkehrung und Entstellung der Wirklichkeit. Der ״ganz fromme" Rabbiner ist zugleich der!nildcste und toleranteste. Er weiß, daß in der Gegenwart so viele Stimmen zmn Abfall verlocken, er weiß, daß eine rnißverstandene sogenannte Aufklärung die Geister verwirrt hat; er weiß, daß die große Mehrzahl Derer, welche dem jüdischen Religionsgesetzc Gehorsam nicht zollen, aus Unkernttniß handeln; er!veiß, daß sie als ^שונני, als Irrende, ja vielfach als תעוקות שנשבו בין הגברים als ein unter ganz fremden Anschauungcn hcrangewachscncs Geschlecht zu betrachten sind, dem die Göttlichkeit und Unverletzlichkeit der Satzungen nientalS ganz zum Bewußtsein gekommen ist, und er wird sich in Liebe und herzlicher Freundlichteil einem Jeden in seinem Kreise zuwendcn. Er weiß es, daß nur das Wort der ernsten aufrichtigsten Ucbcrzeugung in Milde gesprochen zunt Herzen dringt, und er wird dieses Wort sprechen mit der ganzen Wärme der Begeisterung. Durch Rede und Beispiel wird er das Berstandniß für das Judenthum zu wecken und dadurch die erlöschende Liebe zmn Gesetze wiedcrnnr zu einer heiligen Flamme anzufachen bestrebt sein, daß Alle, Alle als אנדה אהת als die einheitliche einige GottcSgemeiude sich in Wahrheit und Treue um das Gottcsgcsctz wiederum schaarcn. Sein Wort wird die Gemüther erleuchten, die Herzen erwärmen; und sein Beispiel wird der Gemeinde zum Vorbild des Gehorsams und der Anhänglichkeit gegen das Gesetz dienen. Er lvird durch die That erläutern, was seine Rede lehrt: die unwandelbare, unbedingte Unterordnung unter das Gesetz; und die Heiterkeit und den Frieden der Seele, die Reinheit des Karakters, den Adel der Gesinnung, die Milde und Versöhnlichkeit als das Produkt dieser gewissenhaften Beobachtung der Lehre und des Gesetzes. Wie er sich also als Diener des Gesetzes zeigt, nicht als Herrn und Meister desselben, so wird er sich auch als Diener seiner Gemeinde fühlen, nicht als deren Herrn. Er wird nicht seinen Willen, seine Meinung zur Geltung zu bringen suchen, sondern nur den Willen des Gesetzes, die Forderung der Lehre, zu deren Nachfolge Rabbiner und Gemeinde gleichniüßig verbunden sind. Nicht Herrschen, sondern Lehren; nicht Zürnen, sondern Ermahnen; nicht Schelten, sondern Ermuntern ist sein Beruf, und ihm wird er sich widmen mit jeder Fiber seines Wesens, mit jeder Minute seines Daseins. Enlschieden und fest auf dem Boden des Judenthilms stehend, wird er durch Ernst und Freundlichkeit den Geist der Treue und der Liebe, den Geist der Erkcnntuißsimd der Wahrheit pflanzen und pflegen und fördern und seinen reichsten Lohn in dem Bewußtsein suchen und finden: seine Gemeinde für die Seligkeit eines Lebens zu begeistern, welches sich in Gcsetzcstreue und Gottesgehorsam vollzieht. Nicht Zerstören, sondern Ausbaucn ist seine Aufgäbe; darum werden unter seiner Führung die Inslitutionen der Gemeinde blühen und gedeihen. Er läßt sich nicht von Willkür und Eigenwillen leiten, sondern von dein Gesetze; darum wird der Friede in den Gerncindcn gesichert sein und der Streit ruhen. Und deshalb ergeht an Alle, denen cs ernst ist mit dem Heile und dein Wohle der Gemeinden, an

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