Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 3 (18.1.1883)
- Article
- Salomonische Spruchweisheit
- Date
- 1883-01-18
- Page
- 37 (sequence 3)
- Language
- German
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Pfad der Unschulwandelde Arme ist doch mehr werth, als der in Krümmen sich immer auf דרבים, auf Doppelwegen bewegende Reiche, der den Einen geraden Weg verlassen und miß berechnender Schlauheit immer nach beiden Seiten für beide Wege bereit ist, wo und wann die Frömmigkeit gilt da fromm ist, und wo und wann Frivolität, er vergnügt sich in Frivolität ergeht u. s. w. Ein solcher איש דרבים, ein solcher Mann, der Doppelwege, der in beiden Satteln gerecht ist, den eine gerade Rechtlchafsenhcit lästernde Zeit den Mann ״gerechter Mitte" nennt, ist, wenn er reich ist, der am meisten Gepriesen^ von Allen Umworbene, von jeder Richtung als bcr Ihrige Gefeierte, und ist doch den Staub von den Füßen des in seiner sittlichen Geradheit und Ganzheit wandernden Armen nicht wcrth! Ja, unendlich viel mehr werth ist doch der in seiner sittlichen Ganzheit und Geradheit Verharrende, wenn er dabei arich arm bleibt, als wenn er עקש שפתים mit Znngmgewandtheit die Krümmen zu suchen und zu finden versteht, והוא בפיל, und den schilt die Gesellschaft enteil Thoren, weil er selbst durch ein krummes Wort seinen Vortheil zu suchen verschmäht! (Oder, das והוא בפיל auf den עקש שפתים bezogen, wie sehr er sich 13nb die Welt ihn auch für den Klugen hält, ist doch in Wirklichkeit er ein Thor, der nicht den rechten Weg Zmn rechten Heit zu finden weiß, und das Verkehrteste als das zum Ziele Führende preist.) Die Mdcrlikschuig des Mililsvttsltjkll LMdrMjnats. ^Fortsetzung.') Wir brauchen deshalb einen ganzen Mann, welcher von der Wahrheit der Lehre und der Unverbrüchlichkeit des Gesetzes überzeugt und durchdrungen, mit verständigem Sinn für die Pflege acht jüdischen Geistes in dem Ge inüthe der Mitglieder seiner Gemeinden und für die gesetzuräßige Verwaltung und Einrichtung der Gemeinde-Institute ernst und entschieden thütig ist. Nur ein solcher wird eine gedeihliche Wirksamkeit zu entfalten im Stande sein. Wir dürfen uns nicht blenden lassen von inhaltlosen Phrasen, die vielfach an der Tagesordnung sind. Da kann 1m.fr gesagt werden: wählt einen Mann der Wissenschaft, einen genialen Forscher, einen tiefen Philosophen; weirir auch die Resultate seiner wissenschaftlichen Forschmtgen nicht immer im Einklänge mit den Dogmen der Religion stehen, und er die Authentizität mancher Theilc dcr heiligen Schrift und die Rechtsbeständigkeit und Verbindlichkeit mancher religiöser Normen von seinem ״wissenschaftlichen Standpunkte" nicht anerkennen kann, so wird er doch als Rabbiner und Prediger sich von der .-,dogmatischen Auffassung" leiten lassen. Er ist viel zu einsichtig, um nicht unterscheiden zu können, waS dcr Wissenschaft und waö der Religion gebührt; als Gelehrter ist er kritisch, als Rabbiner gläubig. Ihr könnt deshalb volles Vertrauen in ihn setzen. Seine Reden werden sehr tief und form׳ vollendet sein und dabei doch recht erbaulich; und es kann den Gemeinden nur zu einer Ehre gereichen, einen solchen bedeutenden Mann, welcher auch als rcligionSwissenschaftlicher Schriftstellereinen großen Namen hat, an ihre Spitze zu stellen. Und ferner kann mau zu uns sprechen: nehmt jenen würdigen Mann zu eurem geistlichen Obcrhaupte; er wird gewiß euer Vcrtrailcn rechtfertigen. Wenn cS ihm auch bis jetzt nicht möglich gewesen, auf seinen allernächsten Kreis derartig einzuwirken, daß von demselben nicht manche minder wichtige religiöse Vorschriften oder Gebräuche mißachtet worden sind, und er selbst auch in manchen ״Kleinigkeiten" vielleicht nicht ganz so ״streng" ist, wie es ״die Frommen" verlangen, so wird er dock, sicherlich als Landrabbiner von Hannover ״ganz fromm" werden und auch von seiner nächsten Umgebung ״eine strenge llebung" verlangen und auch durchsetzen. Andere Stimmen mögen sich vernchmm lassen: Die Richtung der Zeit, und auch die in der Gen!cinde vorherrschende Strömung, trügt einen entschieden fortsehrittlichcn Karakter in religiösen Dingen. Der Rabbiner muß der Majorität in dieser Beziehung gleich sein. Wir wollen in Nüeksicht auf manche konservative Elemente zur Erhaltung dcö Friedens und der Einheit der Gemcinb'e nicht verlangen, daß ihr einen soweit fort^ geschrittenen Manu wählt, welcher mit ״unserer radikalen Anschauung" ganz übcrcinflimmt, — wir können zugestehen, das; ein Rabbiner einem gewissen KouservatiSmuü huldigen muß — aber ihr dürft doch nur einen solchen wählen, welcher ״entschieden liberal" ist; welcher nicht alte, sich überlebt habende Satzungen krampfhaft festhalten unb sich gegen Neuerungen hartnäckig wehren will; welcher der Entwickelung einer Reform im Gottesdiettstc seine Zustimmung nicht versagen und uns nicht zu ewigem Stillstand verurthcilen wird. Hört nicht auf Diese, können Andere mit weiser, bedächtiger Miene rufen, wühlt nur keinen ״Extremen!" Der Rabbiner darf gar feiner Partei angchören; er muß ״über den Parteien stehen;" imr dann wird er den Frieden und die Einheit erhalten können. Richtet euer Augenmerk lediglich auf einen ruhigen, leidenschasrsloscn, vernünftigen Mann, der ״zwischen den beiden feindlichen Lagern" zu vermitteln versteht; der weltklug und erfahren genug ist, sich ״nach keiner Seite