Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 3 (18.1.1883)
- Article
- Salomonische Spruchweisheit
- Date
- 1883-01-18
- Page
- 35 (sequence 1)
- Language
- German
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35 Emblem der Jüdischen Wahrheit soll vielmehr בגובה הראש, auf der Höhe des Hauptes getragen werden. Sie ist das einzig Hochstehende, das kein Rechts kennt und kein Links, das nicht Rechnung zu tragen hat nach beiden Seiten, von dem aus vielmehr alle Seiten unseres geistigen und sittlichen Lebens beherrscht werden sotten. Sie will das Herrschende, niuuner aber das Ausglcichende sein. Diese Pflicht der Entschiedenheit, mit der wir für Alles, was uns in der Erkcnutniß als Wahrheit dasteht, auch in! Leben cinzutrcten haben, ward uns gleich bei dem ersten Ausruf Juden zu werden ausgesprochen. 31ן^משבו וקהו cs in der jüngsten Sidra, 2. B. M.I 2,21: ״Ziehet hinaus und nehmet euch!" — nach den Erläuterungen der Weisen: משנו ידיכם מע׳ז והדבקו במצות, ziehet eure Hände aus allem Götzcnthümlichcn und schließet euch entschieden den GottcSgcsctzen an! Wörtlich: Gewinnet innere Festigkeit und wahrhaftige Einheitlichkeit eures Seins erst durch die Gotteögesetze. Es heißt nicht: הפרדו מע׳ז, trennet euch von dem Götzenthum, waö auch ein bloß inneres SichloSsagcn bedeuten könnte, bei fortbcstehendem äußeren Zusammenhange. ES heißt vielmehr: משנו יריבם מע׳ז was ein gänzliches Loölösen auch im gcsammten Thatenleben fordert. Auch jeden äußeren Zusammenhang mit dem Götzcnthümlichcn hätten wir aufzugcben, erst dann könnten wir in Wahrheit der zweiten Forderung genügen, הדבקו במצות uns dem GotteSgcsctzc innig hinzugeben. Von vorn herein wird hier soniit gleich an der Schwelle der Gesetzgebung dem Wahne entgegengetreten, man könne sich in Wirklichkeit auf den Boden des Gesetzes stellen und doch der unjüdischen Richtung die Hand reichen. Und ferner heißt cs nicht: Saget euch von dem Götzenthum los und schließet euch mit Entschiedenheit Gott an, wie doch zu erwarten wäre, da der Gegensatz zu den Götzen doch eigentlich Gott bildet, sondern: und schließet euch mit Entschiedenheit an daö Gottesge setz an. Denn für den zum MenschheitSpricster berufenen jüdischen Menschen giebt cS keinen anderen Weg dcö entschiedenen Anschlusses an Gott, als die treue Erfüllung seines Gesetzes. Und ferner: Was dem Unjüdischeu die ע׳ז, das sichtbare Götterbild ist, daö ist dem Juden die מצות, das Gotteögcsetz. Unser Gott ist unsichtbar, sichtbar unsere Gottcsverehruug durch Erfüllung seines Gesetzes. Wie der Heide sich seinen Gott durch das Götterbild vergegenwärtigt, so wird uns Gott nur durch die Erfüllung seiner Gesetze gegenwärtig, und daS'./ganze gesctzcStreue jüdische Leben ist nichts als eine 'sichtbare Vergegenwärtigung unseres unsichtbaren Herrn und Vaters und Gesetzgebers. So ist es daö gesetzeötreue Judenthum, welches die stete Hingebung an das für wahr Erkannte als seine erste Forderung ausspricht. ManncSmuth und Karaktcrstärke sind damit zu den nationalen Tugenden aller wahrhaft jüdischen Menschen erhoben. Entschiedenheit ist die Grundbedingung des JndenthnmS, jeder der Halbheit Verfallene stirbt ihm ab. In dem Boden dieser Entschiedenheit wurzeln alle jene Heroen geistiger und sittlicher Vollendung, die der Stolz nicht bloß der jüdischen Menschenfamilic sind. So seien wir denn ganze Juden, tragen wir ruhig den Vorwurf des Fanatismus, mit dem gedankenlose oder böswillige Zeitgenossen uns hcrabzusetzcu suchen, und halten wir in einer Zeit, die in ihrem Kompromißtaumel gedankenlos auch das Heiligste kompromittirt, unbeirrt hoch das altjüdischc Banner prinzipieller Entschiedenhcit, deren Wahlspruch ist: משנו וקהו, saget euch gänzlich loS von allem Uujüdischen und gewinnt innere Festigkeit und Einheitlichkeit des Seins durch entschiedenen Anschluß an daö Gesetz GottcS. M. ff.! Salomoiiifdjc Ajirüchivrishrit. Don 3amj01t Raphael Hirsch. , (Fortsetzung.) II. Die verschiedenen Stände. Deö Neichen Vermögen ist ihm die Burg seiner Macht. Der Schrecken der Armen ist ihre Armnth. Und doch ist nur des Gerechten Schassen zu!n Leben. Errungenschaft des Gesetzlosen zur Sünde. (K. IO, 15. 16.) Erwählenswerther als viel Neichthum ist ein guter Name, Besser als Silber und Gold gute Liebenswürdigkeit. (K. 22, 1.) Des Neichen Vermögen ist ihm die Burg seiner Macht, Und wie eine hohe Mauer in seiner Vorstellung. Vor dem Bruch ist jedoch am hochmüthigsten des Mannes Herz, Und Bescheidenheit geht der Ehre zuvor. (K. 18, II. 12.) Der Arme spricht in lauter Bitten, Dcö Neichen Antwort klingt immer hart. (K. 18, 23.) Der Reiche herrscht über die Armen, Der Anleiher wird Knecht dem darlcih enden Manne. (K. 22, 7.) Vermögen schasst viele Freunde, Der Arme wird von seinem Freunde getrennt. (K. 10. 4.)