Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 3 (18.1.1883)
- Article
- Über die Tugend der Entschiedenheit
- Date
- 1883-01-18
- Page
- 33 (sequence 1)
- Language
- German
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M MalUbustljl׳ 1uu1|ujtu mijittf iiuu jLiuitm in Haus, Gemeinde und Schule. ^egrünäei von Scilllföli 91(tp[j(tcl , flnßfiiiicr il. 3f8rt1tfilif1f1r11 fiffijjioiizjiffrllfifinfi 1ון JPrdlißfiirl ll. lii. Neue Folge. Erster Jahrgang. Heransgegebcn nnier Mitwirkung des Begründers und bewährter Genosse» von Isaclf AirsH. Diese Wochenschrift erscheint jeden Donnerstag mindestens 2 Bogen stark. — Abonnementrsrkis bei allen l' & ft a n ft a (f < 11 und Bilchh6ndlungen 2 J6. 50 für das Vierteljahr. Der Buchhandel verkehrt durch die Helwiug sche Beklag-.st»chhandlung zu Hannover. — Die Expedition versendet auch direct und franko unter Streifband fern Fa'hrgarrg \i\t V* ,M obtc 7 Gulden öfterr. Währ, nach Deutschland und Desterreich׳, für!4 .M> oder IH Fr. nach den -ändern oe!siWeltpvs'.veceinr. — Anzeigen werden mit *25f. d. :jgesoaltene Petitzeile oder deren Raum berechnet. — Expedition! Hannover. Theodorstc. 5. Vir bitten um beschleunigte Aufgabe des Abonnements, um mit der Lieferung der ersten Nummern nicht im Rückstände bleiben zu müssen. Die Expedition des ..Leschurun.'׳ Ucker die Tugend der E!lWcken!jeit. Gilt Entschiedenheit für eine Tugend? — Verehrtester, in welcher Velt leben ^ie denn, eine solche Frage auch nur auszustellen! höre ich mir entgegnen. Unsere Zeit ist ja die entschiedene pLr excell-r׳^! In Wissenschaft und Kunst, in Politik und Religion, überall giebt es ja längst keine Ansichten und Meinungen mehr. Ueberall ist an die Lielle der vorsichtig prüfenden Ansicht die ״Ueberzeuguna," an die grelle der bescheidenen Meinung der ״prinzipielle Standpunktgetreten. Jede neue geistreiche unü nicht geistreiche Anschauung wird von ihren Anhängern mir dem Ansoruche auf Unfehlbarkeit sofort zu einem Dogma erhoben, und aus diesem Dogma werden mit unerbittlicher Konsequenz die weitestgehenden Lchlünr gezogen, sollten auch die tbeuerfien Güter des Menschen ׳'rin Glaube an Goc:, Unsterblichkeit und sittliche Frriheit der ״Prinzrpientreue" zum Opfer fallen — und Lie fragen, ob Entschiedenheit als eine Tugend gepflegt werde? Jede neue Behauptung findet sofort ihren fanatischen Propheten und dieser findet Jünger, die blind auf die Worte des Meisters schwören, und die Vertreter der verschiedenen ״Ueberzeugungen" in Wissenschaft, Ttaat und Kirche denunriren den Gegner vor versammeltem Publica und thun sich frisch fromm fröhlich und frei einander in den Bann, wir zur Zeit des Tchisma die hadernden Papste — und Lie zweifeln an der Entschiedenheit unserer Zeitgenossen? siede Personen» frage wird ja in unserer Zeit zu einer Prinzipienfragr aufgebausch:, und die wichtige Entscheidung, ob in der winzigstenKommune und in der kleinsten Religionsgenleinde Peter oder Paul, Aron oder Moritz Stadtverordneter oder Vorsteher werden ׳'oll. führt zu einer Wahlschlacht, in der mit einer Deftigkeit gekämpft wird, daz ein mir den Verhältnissen Unbekannter, der allen den Be» schuldigungen, mit denen die verschied men Parteien sich in der Lokalprr^r gegenseitig über häufen, unparteiisch Glauben schenkte, überzeug: sein müßte, in der ganzen ^rad: gebe es keinen einzigen ehrlichen Bürger, in der bed-aurrirrwerrherr^ Gemeinde kein einziges orr!rauen Entschiedenheit eine Tugend unserer Zeit sei? Und dennoch! Gewiß sind wir ungemein entschierem Aber nur so lange, als die Entschiedenheit