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Jeschurun · 1883-01-11 · Heft 2 (11.1.1883) · p. 23

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 2 (11.1.1883)
Article
Die Wiederbesetzung des Hannoverschen Landrabbinats
Date
1883-01-11
Page
23 (sequence 3)
Language
German
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23 von ihr durchdrungen sein, sonst vermag er nicht für sie zu werben. Der Rabbiner hat aber nicht nur durch Wort, in noch viel höherem Maße hat er durch sein Beispie! zu wirken. Das Gesetz, die Lehre, welche er predigt, sollen in ihm ihre Verkörperung finden. Sein Leben soll die in That übersetzte Lehre, das zur Verwirklichung gelangte Gesetz darstellen. Er sei daö Muster und Vorbild seiner Gemeinde. Wir verlangen deshalb einen Rabbiner, welcher mit den erforderlichen Kenntnissen warme Hingebung und aufrichtige Begeisterung für das jüdische Gesetz verbindet und durch die Gabe der Rede und sein eigenes, mit den religiösen Satzungen in vollster Uebereinstimmung harmonirendeS Beispiel in Gesinnung und That den Gehorsam gegen das Gesetz in seinem Kreise zu fördern befähigt ist. (Fortsetzung folgt.) Aus der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts. (Nach einer wahren Begebenheit) Friedrich Zlolt. I. (Alle Rechte vorbchalteii.) (Fortsetzung.) Keiner war jedoch so schwer dadurch getroffen wie Nahe!, die präsumptive Braut des Entflohenen. Sie hatte ihn so innig, so aufrichtig geliebt; hatte ihn für den Edelsten, den Besten der Menschen gehalten; hatte gewähnt, daß in dem vollendet schönen Körper auch eine vollendet schöne Seele wohnen müsse. Und ihre Eltern hatten ihre Zustimmung nicht versagt. Freilich wäre ihnen der nicht schöne, aber äußerst brave, fromme und vermögende Kohn als Eidam weitaus willkommener gewesen, als der allerdings schöne und liebenswürdige, aber immerhin untergeordnete. Gemeindebeamte. Doch Nahe! war ihr einziges Kind, welchem sie fast niemals einen Wunsch zu versagen vermocht; und in einer Angelegenheit, in welcher es sich um die Zukunft, um das LebenSglück ihres Kindes handelte, da hätten sie Aeußerlichkeiten geltend machen sotten? An dem ernst frommen Karakter des Schächters hatten auch sie nie gezweifelt. Nachdem jedoch das erste Entsetzen vorüber, und es keinem Zweifel mehr unterlag, daß die Gemeinde im Allgemeinen und Rahel noch im Besonderen in schmählichster Weise von einem Elenden getäuscht worden war, da gewahrten die Eltern zu ihrer Ucberraschung, daß ihre, dem Anschein nach so zarte Tochter doch Willenskraft genug besaß, um ihre Liebe zu dem Unwürdigen in dem Moment der Erkenntniß seines Un- Werths zu unterdrücken. Wie sehr sie durch diesen innern .Kampf auch leiden mochte, keine Klage, kein Seufzer kam über ihre Lippen. Da rieb der Vater innig vergnügt sich die Hände. ״Mascheleben, mein Kind", wandte er sich an seine Frau ״was sagst Du dazu? hättest Du das für möglich gehalten? — Sott ich Dir was sagen? Wenn wir mit Leben und mit Gesundheit so gut davon kommen, so wollen wir dem Heiligen, gelobt sei Er! tausendmal danken, daß cs sich so gemacht hat und so gut abgelaufen ist. Unser Kind kann einen besseren Schidduch thun." ״Ob sie einen bessern Schidduch thun kann!" fiel Frau Lewin ein. ״Es soll mich wundern, ob Herr Kohn nicht bald wieder bei uns anklopft." ״Hat'S schon gethan", entgegnete Lewin lachend. ״Was Du sagst!" — Frau Masche wiegte mit freudigem Staunen das noch immer schöne Haupt. ״Und waö hast Du ihm gesagt? — Ich meine, was für eine Antwort hast Du ihm gegeben? — Denn mir scheint, unsere Rahel, Gott, laß sie gesund! ist keine Thörin. Wenn der Herr Kohn jetzt um sie anhält, bekommt er gewiß keinen Korb. — Also, was hast Du zu ihm gesagt?" ״Was hätte ich ihm sagen sollen? Geradeheraus ist er ja doch noch nicht damit gekommen. Er hat, wie man zu sagen pflegt, erst auf den Busch geklopft. Heute früh beim Aus-schul-gehcn war es." ״Guten Morgen, Herr Lewiu!" hat er gesagt. ״Schönes Wetter heute." ״Guten Morgen, Herr Kohn!" habe ich gesagt,- ״das Wetter ist wohl schön, aber mir scheint, cS giebt heut noch Regen." ״Ein bissel Regen schadet auch nicht," hat er. gesagt, ״wenn man nur gesund ist; das ist die Hauptsachc. Wie gcht'S denn bei ihnen, Herr Lewin? ist bei Ihnen alles gesund?" ״Danke für die Nachfrage, Herr Kohn," habe ich gesagt, ״bei mir zu Hause ist Gottlob alles wohlauf. Meiner Frau hat in den zwanzig Jahren, die wir mit einander verhcirathet sind, noch kein Finger wehe gethan; und meine Tochter, leben soll sie hundertundzwanzig Jahr, die ist ganz wie die Mutter; frisch und gesund- und allzeit lustig wie die Vögel im Sonnenschein." ״Das höre ich gern," hat er gesagt, ״ich habe gefürchtet, Fräulein Rahel möchte jetzt nicht sv heiter sein." ' ' ׳ ״Wegen des Elenden meinen Sie?" habe ich gesagt. ״Da kennen Sie meine Rahel schlecht. Obzwar, sie

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