Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 2 (11.1.1883)
- Article
- Salomonische Spruchweisheit
- Date
- 1883-01-11
- Page
- 20 (sequence 2)
- Language
- German
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verdanken haben kann, und sein Herz es versteht, sein Tagewerk mir heiterem Gottvertrauen zu beginnen und bei redlich vollbrachter TageSarbcit seinem Gott aufrichtigen Herzens sein ברוך ד׳ יום יום zu zu sprechen, dankbar für die heute bewährte Gottcsfürsorge, für das heutige Gelingen deS redlichen Fleißes, für die heute zugewcndele liebende Vruderpflichtthat, siche, so kann ihm dieses Bewußtsein der ihm und den Seinigcn fürsorgenden GotteSnähe, das Bewußtsein seines redlichen WollcuS und StrcbenS, daS Bewußtsein ihm frcunblid) zugewendctcr Menschenliebe, von welchem Allem jedes Stückchen Brod Zeuge ist, das er sich und den Scinigen reicht, so kann dieses Bewußtsein daS einfachste Mahl also mit dem Geiste beseligender und beglückender Gedanken würzen, so daß, wie unser Spruch sich ausdrückt, er ein tägliches Gastmahl genießt. Die reich besetzte Tafel, die sich der reich Begüterte bereitet, verdankt er vielleicht einem einzigen Sc-nncnblick göttlicher Gnade, der ihm vor Jahren geworden, dessen vielleicht nur sein Vater, sein Großvater, sein Vorfahr gewürdigt war, deren Erbe er ist. Der sinnige, vom rechten Geist erfüllte Arme, ist täglich bei Gott zu Gast,, dessen Güte ihm täglich seinen Tisch deckt, und zu den! er טוב לב, froh im Herzen stets aufzublicken vcrntag. Gottesfurcht, GewissenSruhe, Pflichttreue, Familicnliebe und Eintracht sind Genien, die die ärmlichste Hütte zu einer Paradiesesstättc zu umwandcln vermögen. Gcwissensbisse, Rechtlosigkeit, Familienhaß und häusliche Zwietracht machen die reichsten Mähler zu armseligem Tand lind träufeln bitteru Mermuth in die ausgesuchtesten Mahler. So lautete schon vor Jahrtausenden unsere Spruch- Weisheit, zu einer Zeit, in welcher, wie der alte Bericht lautet: ״Silber für nichts geachtet war," und ״Jeder unter seinem Weinstock und seinem Feigenbaum saß." (Kön. 1 10,21. 5,5.) Zn welcher ernsten Bedeiltsamkeit erwächst diese Wahrheit zu einer Zeit, in welcher die Wege der Nahrung so schwer, der Boden des Wohlstandes so erschüttert und die Sucht nach überflüssigen Gütern und Genüssen so groß erscheint! Wie glücklich wären wir, wie glücklich unsere Kinder, wenn wir im Geiste dieser SpruchwciShcit unS tmd sie an eine einfache Lebensweise zu gewöhnen und des Erwerbes und Genusses jener ewigen unverlierbaren Freuden deS Herzens fähig zu machen verstünden, die selbst die einfachste Lebensstellung mit den datlerndc» Blüthcu eines beseligenden Bewußtseins zu bereichern, zu schmücken und zu beglücken vermögen! * Der Segen Gottes, der macht reich, Neben ihm giebt'S keine Entbehrung mehr. (K. 10,22.) Alles, was die bisherigen Sätze aitSgesprochen, faßt dieser Spruch in Kürze zusanunen. sticht das. was wir erreichen, von Wem wir cS erreichen. Wer eö uns spendet, ob cs GotteS Segen ist, das macht uns reich und läßt uns daneben keine Entbehrung fühlen. Ob viel oder wenig, haben wir eS nur in redlicher, von Gott gebilligter Thätigkeit erstrebt, klebt kein Menschenfluch und kein GotteStadel daran, so, daß wir unS sagen dürfen, wir haben eS in GotteS Wegen, unter GotteS Augen angestrebt und mit GotteS Beistand erworben: dann hat eS uns Gott gegeben; und was Gott uns giebt, daS gereicht nicht nur zum Segen, daS ist Segen und läßt uns Befriedigung, ja den einzigen wirklichen Reichthum finden, der sich deS Gewährten freut und das Versagte nicht entbehrt, weil eS dasselbe, weil es dieselbe fürsorgende Liebe ist, die sich im Versagen, wie im Gewähren bewährt. Denselben Gedanken spricht das Wort der Weisen zu JcremiaS 9,22 (siehe Ialkut das.) aus: Drei gute Gaben sind in der Welt zu erreichen: Klugheit, Stärke und Rcichthum; erlangt ein Mensch eine von ihnen, so hat er damit alles Köstliche auf Erden in Händen. Wann? Wenn sie von Gott stammen und von der ת ורה flammen. Aber Klugheit, Stärke und Rcichthum, die der Mensch ohne Gott erwirbt, sind nichtig. So gingen im jüdischen und nichtjüdischen Kreise Achitofel und Bileam, Korach und Haman und Goliath, trotz der Klugheit, des Reichthums und der Stärke, die sic unleugbar hatten, zu Grunde, weil ihre Gaben ihnen nicht von Gott verliehen waren. Und auch Simson ging trotz seiner Stärke, ja an seiner Stärke in bent Augenblick zu Grunde, da er die Bedingnng verscherzte, Mt-er welcher sie ihm eine ״gottverliehene" war. * Wo aber Vermögen nicht ganz auf reinem, Gott wohlgefälligem Grunde ruht, da bringt eS nicht nur keinen Segen, sondern geradezu Unsegcn kehrt früh oder spät mit ihm ein: Mit Lüge erworbenes Brod mag dem Manne noch so süß schmecken, Zuletzt füllt sich davon seilt Mund niit Kicö. (K. 20,1 7.) * Ein Erbgut, das in seinem Ursprünge mit Unruhe erworben ward, Bleibt in seinem Ende nicht gesegnet. (K. 20,21.) WaS der Erblasser mit Herzklopfen erworben hat, selbst wenn es ihm gelingt, eS bis an sein Ende zu erhalten, bringt seinen Erben keinen Segen. * Nichts nützt Vermögen am Tage, da Gott zum Gerichte hinanStritt, Pflichtgerechtigkeit kann selbst vom Tode erretten. (K. 11,4.)