Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 1 (4.1.1883)
- Article
- Deutschland : aus der Rheinprovinz [Nachricht]
- Date
- 1883-01-04
- Page
- 14 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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14 Wilde, Zahme, Eckige, Glatte, Ganze und Halbe sich wiederum zusammcnfinden. Wenn sie alle den wirklichen מגן דוד wiederum aus ihren Schild heben, wenn sie in ihm ihr einziges Palladium erkeunen wollen, so wäre damit so viel erreicht, daß — meine eigentliche Korrespondenz aus der Rhcinprovinz immerhin für noch einige Nummern znrückgcstcllt werden könnte. Ich wollte einen Vergleich zwischen den jüdischreligiösen Zuständen der Rhcinprovin; zur Zeit der Gründung des ״Ieschnrun" und denjenigen zur Zeit seiner Wiedererscheinung ziehen und den Antheil nach weisen, welchen der seit etwa drei Dcecnnicn ansgestreute Geist des ״Jeschurun" an der unverkennbaren Besserung dieser Zustände ans sein Konto stellen darf. Die beiden dem Icschurnn-Gciste entsprossenen Töchter: Die Adath-Jcschnrnn zu Köln und Trier, vor allem aber das jüdische Lehrerseminar für das Rheinland zu Köln, dessen Eleven die alte, ächte jüdische' Geistessaat durch die ganze Provinz tragen, die Freunde und Feinde dieser Institutionen endlich wollte ich Revue passiven lassen, aber jedes dieser Momente erfordert eine besondere eigene Monographie. Die geschätzten Leser werden cs als eine weitere erfreuliche Eigenthümlichkeit des טגן היד zn würdigen wissen, daß die meiner Korrespondenz bewilligten Spalten längst mit seiner Heraldik gefüllt sind. Oesterreich-Ungarn. Wien, 25. Nov. Durch die Presse ging kürzlich die ׳Nachricht, daß dem, von dem Reichsrathsabgcordnctcn Obcrrabbincr Schreiber vorgclcgten Statutenentwnrf zu einer Gemeinde-Organisation der galizischcn Indcnschasl, wie solcher von der im Februar d. I. stattgcfnndcnen großen Rabbiner- und Rotabeln- Versammlung zn Lemberg beschlossen worden, die Genehmigung versagt worden sei. Ich bin im Stande, auf Grund antcntischcr Insörmirnng, diese Nachricht als eine Unwahrheit zn erklären. Dieser Entwurf ist, ebensowenig wie derjenige der jüdischen Repräsentauten Mährens und Böhmens, noch gar nicht zur verfassungsmäßigen Behandlung gelangt. Pest, 27. Nov. Das Verhalten der Regierung hinsichtlich der Konfiskation der gegen die Inden aufhetzenden Flugschriften im Hevcscr Komitat, über welches bcschwerdcführcnde Petitionen bei dem Abgcordnctenhanje cingclanscn waren, wurde von der Mehrheit gebilligt. Die Verhandlungen darüber waren sehr ansgedehnt und nahmen einen sehr erregten Karakter an. — Bon Istoczh ist eine 2174 Unterschriften anfwcisendc Petition des Tapolczaer Bezirks überreicht worden, welche nichts Geringeres, als die Aufhebung der Gleichberechtigung der Israeliten verlangt. Die Herren gehen sehr radikal vor! — Der Instizminister Pauler beantwortete heute die Interpellation Mezei's. Dieser Abgeordnete hatte Auskunft über die TiSza- Eszlarer Angelegenheit gefordert. Die ministerielle Antwort befriedigt die gehofften Erwartungen nicht. Pauler nimmt das Gericht zn Nhiregihaza und die Untersnchnngsführnng Bary'S in Schutz, hegt aber die Znverficht, daß die ungarische Justiz sich als ein festes Bollwerk gegen Vornrtheil und widergesetzliche Becinstnssnngen erweisen werde. Einem anderen Gerichts- Hofe die Sache zu übergeben, sei gesetzwidrig und inopportun. — ׳Wir haben jetzt nur noch die tröstliche Hoffnung, daß Gott Alles zum Guten lenken und der Wahrheit zum Rechte verhelfen »löge. — In Himod, Ocdcnbnrger Komitat, fanden Excesse gegen die Inden statt. Es mußte Militär von Ocdenbnrg reqnirirt werden. Der Stnhlrichter Kowacz hat sich energisch der bedrängten Inden angenommen. Verhaftungen sind vorgcnommcn; Menschenleben sind nicht zu beklagen. Das Militär verbleibt in Himod. Frankreich. Paris, 26. Nov. Das glänzende, prächtige, palastrciche Paris, dieser gastfreundliche Zentralpunkt und Sammelplatz der Nationalitäten aller Wclttheile, hat auch für uns Inden eine ungemein große Bedeutung. Paris, Frankreich — welche historische Erinnerungen werden bei diesen Namen bei uns wach! Unser großer Lehrer Naschi, unsere Baale Tosafoth, ohne welche wir heute uns ein gründliches Talmudstndinm kaum denken können, gehören Deutschland nur zum Theile an; der nächste Kreis ihrer eminenten Wirksamkeit war Frankreich. Die חנטי צו־פת, die Weisen Frankreichs, haben sich ein unvergängliches Denkmal in ihren hervorragenden Leistungen ans dem Gebiete der jüdischen ReligionS- Wissenschaft errichtet. Und von Paris auS ist auch in der neueren Zeit zuerst die Anerkennung der jüdischen Gleichberechtigung proklamirt worden. Frankreich ist mit der Emanzipation der Juden dm europäischen Staaten vorangcgangen. Wie manigfaltig und vielseitig sind auch in der Gegenwart die von Paris auS-- gehenden Bestrebungen zur Vcrthcidignng jüdischer Interessen, zur Linderung der Noth verfolgter Glaubensbrüder, überall, wo fanatische Rohheit sie unterdrückt. Das Bewußtsein der Zusammengehörigkeit ganz Israels wird namentlich von Paris ans gestärkt; an brüderlicher Gesinnung wetteifert cS mit allen größeren Zentralstätten der Diaspora. Die gegenwärtige Verwaltung der Gemeinde zeigt sich gegen die gerechten Ansprüche, welche von Seiten gesetzcstrener Inden erhoben werden, ungleich manchen anderen ähnlichen deutschen Körperschaften, mindestens nicht abweisend. Wir wollen hoffen, daß diese Gesinnung sich auf die Dauer behaupten und dadurch es möglich