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Jeschurun · 1883-01-04 · Heft 1 (4.1.1883) · p. 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 1 (4.1.1883)
Article
Deutschland : aus der Rheinprovinz [Nachricht]
Date
1883-01-04
Page
13 (sequence 2)
Language
German
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13 glatten, faden Zccnoh-Nrecnoh-Styl sich znznlcgcn; nicht so extrem, sondern mehr kosmopolitisch, oder kurzweg politisch zu werden — cs war Alles umsonst! Sic lockte ihre nunmehr rostigen Zähne und versagte den Dienst. Und jetzt glaubt sie vielleicht — jahrclangen Gefesselten gleich, welche die cingczwängtcn Glieder auch nach entfernten Ketten regungslos ruhen lassen — nicht an die Freiheit, die ihr im Wiedererscheinen des ״Jcschnrun" winkt. Trotzdem ich ihr volle Schrcibfrcihcit verkündet, kann sic doch zu keinem vernünftigen Worte kommen, wie ohne Zweifel der geneigte Leser bereits wahrgcnonlmen hat. Sie zittert in meiner Hand, bäumt sich gegen das Ausplaudern unserer diskreten Interna und weist in bcredteut Schweigen auf ihr Feldzeichen, ihr Wappen hin, welches sie an die Spitze ihrer Ergüsse gesetzt — auf den alten מנן דוד. Der ist mit seinen sechs Ecken noch eckiger als sic; und wie viel Stürme und Brandungen haben nicht schon an diesen Ecken.ihre Ohnmacht erfahren!' Welche Bcwandlniß cs wohl damit haben mag, daß das jüdische Bolksbcwnßtscin den Davidsschild sich mit Ecken nach allen Seiten denkt? Will es damit der Wahrheit Ausdruck geben, daß David in allen seinen Kämpfen überhaupt keinen von Menschenhänden gefertigten, sondern nur den einen Schild besaß, den so Biele bei Seite liegen lassen, für den und durch den lediglich aber David kämpfte und siegte; ואתה ד׳ מגן בעדי? (Du, Gott, bist mein ״Schild״!) Eine kleine, aber scharfe Ecke unterscheidet ja das jüdische אחד von dem gefügig runden heidnischen אחד. Jeder Tag unseres Lebens und Strebcns im Verkehr mit den Menschen, jeder Schritt zu nuserm Erwerb stellt uns ja vor die Alternative, cs entweder mit dem jüdischen אחד zu halten, selbst auf die Gefahr hin, als ״Eckmuster" belächelt zu werden, oder es den ״Anderen" uachznthnn und uns mit dem großen Troß unter das leichtere Regime des heidnischen אחד zu stellen. Wenn dann die sechs Tage des Ringens und Schaffens, von welchen ein Jeglicher neue Kämpfe und neue Versnchungcn gebracht, glücklich hinter den Kämpfenden liegen, dann begreifen sie die Eckeuzahl ihres hochgehaltenen Schildes, welcher gerade durch seine Ecken sie gegen die sie nmslnthcndc feindliche Strömung ge- ,schützt hat. Und in dieser Erkcnntniß greisen sie an dem siebten Tage, am Sabbath, ans dein reichen Schatze des sic aus ihrem Vebenspsade begleitenden Prophetcnworlcs zur neuen Rüstung für den erneuten Kanipf der kommenden Woche eine alte neue Wahrheit heraus, und es ringt sich ans ihrem Herzen die segnende Anerkennung ihres wahrcil מנן דוד — Gottes — empor. Er allein ist ihr Schild, der Hort aller Zeiten, der treu seinen Treuen jede Bcrheißnng erfüllt, von dessen Worten keines leer verhallt. Er richtet darum auch Zion und die um cs gebeugten Gemüther wieder auf; Er wird darum ihnen auch Elijahu, den schroffen, extremen Elijahu nicht nur senden, sondern sie durch ihn, als den unerläßlichen Vorboten der mcssianischen Zeit, erfreuen. Er rvird darum Davids Thron wieder erstehen lassen, an dessen Herrlichkeit die heidnischen ״ ,אחריםdie Anderen" keinen Theil haben. Die Zuverficht aber, daß der bei Gottes heiligem Na!nen geleistete Eid das jüdische Lebenslicht allen GottcS- und Judenfeinden zum Trotz vor dem Verlöschen schützt, kleidet sich, in die begeisternden Worte ברוך אתה ד' מנן דוד! Wer will cs einer so lange müssig und melancholisch in der Ecke gelegenen Feder verargen, wenn sie überall nur Ecken sieht lind sich mit Vorliebe an sie klammert? Wenn der ״Jcschurnn" auch in Kreise dringen sollte — und hoffentlich wird er das — welche ein freies offenes Wort noch als ״orthodoxen Fanatismus״ verfchmen, welche das entschiedene Wort ״extrenr", das gerade ״schroff", das wahre ״eckig" nennen, so brauchen sie doch nicht vor dem מנן דוד-Zeichen meiner Korrespondcnzen zu erschrecken. Es wird sich schon irgend ein Konjcktnral-Historikcr finden, der den kritisch-wisscnschaftlichen Beweis erbringt, daß diese vermeintlich orthodoxe Standarte das wahre Emblem des modernen Schaukeljndcnthnms ״der goldenen Mitte" ist. Bis er sich gefunden, lvill ich diesen Beweis wenigstens versuchen, damit sich aus dem ״Reiche der Mitte" keiner an den Ecken meines מנן דוד stoße. Wenn man dieses alte ehrwürdige Zeichen so urplötzlich in das moderne, neue Lager schmuggeln will, so unlß man dieses Vorhaben natürlich mit einigen frommen oder doch gelehrten Eitatcn verbrämen. R. Joseph Aldo wirft im Jkkarim die Frage auf: Warum, da doch im ganzen Bereich der Natur die allen Gebilden zu Grunde liegende Form die runde sei, die sechseckigen Vienenzellcn eine Ausnahme machen? Er beantwortet diese Frage dahin, daß die Rücksicht auf die Ockvnomic des Raumes die kreisförmige Bildung der Zelle ausschiicßc, weil sonst zwischen jeder einzelnen Zelle Raum verloren gehen müsse. Die gnadratförmige Gestalt, bei welcher dieser Mißstand Wegfällen würde, sei nicht gewählt, weil diese von der naturgemäßen Krcisform zn weit sich entferne. DaS Sechseck jedoch kommt der Kreisgeslalt am nächsten und besitzt die Vorthcile des Quadrats, insofern seine Anwendung die unmittelbare Aneinanderfügnng der Zellen gestattet. Wenn so das Sechseck die Mitte zwischen Kreis und Quadrat bildet, warum soll der מנן דוד nicht das Symbol für alle Diejenigen sein können, die nicht eckig sein und doch nicht rlmd und gefügig scheinen wollen? So soll der מנן דוד, in dem meine freudetrunkene Feder ihren lauge verhaltenen Gefühlen Lust gemacht hat, das Zeichen werden, unter welchem Alte, Neue,

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