Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1883-01-04 · Heft 1 (4.1.1883) · p. 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 1 (4.1.1883)
Article
Salomonische Spruchweisheit
Date
1883-01-04
Page
7 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2932754-2932996-2932998-2951473--11607-2951512
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

seiner, Weisheit und Einsicht gewährenden, Lehre hat aber Gott einem Jeden von uns den Baum der Erkenntniß und des Lebens vereinigt in die Hand gegeben, und wo wir seiner mit hingebender Liebe und Treue pflegen, da pflücken wir mit den Früchten der Erkenntniß zugleich die Früchte des ewigen Lebens; und wenn eine Vielheit sich um diesen Baum dcö Lebens schaart (ותומכיה), so macht sie die Geineiusamkeit des Einen in Gott ruhenden und von Gott gewährten geistigen und sittlichen Haltes zu einer einheitlich beglückten Einheit (מאושר), zu einer wahrhaft um Gott geeinten GotteSgcmeine; während ohne diesen Einen Halt der GotteSlehre, alle anderen Gemeinwesen nur Schein, nur äußerlich znsammcngehaltene, innerlich durch die mannigsaltigsten Interessen geschiedene Bielheiten sind. תורה צוד, לנו משה מורשה קהלה י יעקב ויהי בישרו; מלך בהתאסף ראשי עם יהד שבטי ישראל Wenn uns daher die Leidcnöerzichuugcn und Zurechtweisuugcn Gottes, selbst mit Erschütterung und Einbuße bisherigen Wohlstandes, zur Wiedergewinnung dieses ParadiescSbautucS des ewigen Lebens führt, so laßt uns in diesem מוסר ותוכחת ד nichts als die Liebe Gottes und sein väterliches Wohlwollen dankbar verehren. Ans der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts. (Nach einer wahren Begebenheit) Kriedrich AoLt. I. (׳Alle ReLtvorbehaltn, ) Es war am Sabbath Vormittag; der Gottesdienst war vorüber. In den sonst so öden, stillen Straßen des Ghettos herrschte reges Leben. Heftig gestikulirend standen Männer in größeren und kleineren Gruppen in der Nähe der Synagoge, lmd auch in dem Augesichte der vorüberwandelnden Frauen zeigte sich nngewohnte Erregtheit. Von Zeit zu Zeit wandten sich Aller Blicke auf das der Synagoge gegenüberliegende HauS, in dem die Amtswohnung des Rabbiners sich befand, als erwarteten sie von dorther irgend welche Aufklärung. ״Und Ihr werdet sehen, die Sache hat ihre Nichtigkeit!" rief ein nicht übermäßig großer, aber ziemlich korpulenter Mann, und raffte daS viereckige Obcrgewand, in dem er die Synagoge verlassen hatte, in nicht grade malerischer Nachtäsigkeit an beiden Armen empor, bamit die herabhängendcn Schausädcn die staubbedeckte Gasse nicht schleiften. ״Ich kann eS nicht glauben," entgegnete ein anderer kopfschüttelnd; ״zn SchachariS habe ich ihn selber in Schul' gehen sehen —" ״Und zu Mussaf ist er über alle Berge," siel der Erste heftig, ein, ״das ist'S ja eben —" ״Aber wer hat denn gesagt, das er über alle Berge ist? — Vielleicht ist er krank — ich bitte Sie, er ist ein einzelner Mensch —" ״DaS ist noch das Beste an ihm; hätte der Elende Frau und Kinder, so trüge die Genteinde eine schwere Last." ״Ich bitte Sic um GotteSwillen, Herr Kohn, wer wird denn gleich so SchliuuncS von einem Menschen glauben, auf den wir uns gestern noch verlassen haben — ober haben Sic vielleicht Ihre GanS nicht bei ihm schächten lassen? Und wenn Sie nun —" ״Gott soll sich erbarmen!" rief entsetzt der Mann in dem Gewände mit den Schaufäden, indem er dasselbe mit einem Ruck von den Schultern riß: ״Ich muß zum Raw, 'ne Schaalc machen: wie kann tnan essen,' was dieser Wicht geschächtet hat!?" und spornstreichs rannte er davon. Die Aufregung in der Gemeinde war in der That nicht unbegründet. Vor ungefähr sechs Monaten hatte sic ihren Schächter durch den Tod verloren und dieses Amt bald darauf einem noch ziemlich jungen, mit den besten Zeugnissen versehenen Manne übertragen, nachdem derselbe das bei bem OrtSrabbiner übliche Examen glänzend bestanden. Ausfallend rasch hatte der neue Gemcindebeamte eS verstanden, die Achtung 1111b Freundschaft der Gemeindeglicdcr sich zu erringen. Sein gewandtes und doch bescheidenes Wesen, sein einnehmendes Acnßcre, konnten wohl auch wärmere Gefühle erwecken, und man flüsterte, die schöne Rahel Letvin, die Tochter eben jenes Mannes, der nicht so rasch SchlimineS von ihm glauben wollte, habe ihm ihr Herz geschenkt und nach den ״drei Wochen" sollte die Verlobung veröffentlicht werden. Die projektirtc Verbindung begegnete auch nahezu Aller Sympathie; die jungen Leute s-chicnen für einander geschassen; nur jener korpulente Mann war ein erklärter Widersacher deS Vorbeters. Er war Wittwcr und hatte sein Auge auf Nahel geworfen, diese hatte jedoch seine Bewerbungen ziemlich schroff zurückgcwiescn. Daß er seinen Nebenbuhler hierfür verantwortlich machte — wer wollte ihn deshalb tadeln? Er war auch der Einzige, den das am Vorabende anfgetauchte Gerücht mit einer Art Schadenfreude erfüllte. Denken wir darun: nicht schlimmer von dem in allen klebrigen äußerst achtbaren, braven Mann; er liebte Nahet und glaubte, nun wieder auf ihren Besitz hoffen zu dürfen. Es war nämlich aut Vorabend des SabbathS, als die ganze Gemeinde in der hellerlcnchteten Synagoge

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.