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Jeschurun · 1883-01-04 · Heft 1 (4.1.1883) · p. 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 1 (4.1.1883)
Article
Salomonische Spruchweisheit
Date
1883-01-04
Page
5 (sequence 2)
Language
German
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5 der Arme geht hinauf. Wem dieses Ereigniß gleichzeitig vor Augen tritt, der darf sich sagen, weder im Rcichthum noch in Arnmth liegt die' ausschließliche Bestimmung des Menschen. Beide Zustände sind für Gottes Zweck in der menschlichen Gesellschaft, ja für die Aufgabe, die jeder Mensch auf Erden vor Gott zu lösen hat, gleich wichtig, gleich nothwcndig. Nur der wird die ihm hienicden mögliche geistige und sittliche Vollendung erreichen, der sich im niedcrsteigcnden wie anfsteigcndem GcschickcSgangc erprobt. Der Menschengesellschaftliche Niedergang wie Aufgang, beide sind GotteS Gestaltung. * Zwei Bitten habe ich an Dich, Versage sie mir nicht, bevor ich sterbe: Nichtigkeit und TänschnngSwort halte fern von mir, Armuth und Rcichthum gieb mir nicht, Laß mich zur Nahrung finden mein mir zngemesseneS Brod! Ich könnte satt werden und verleugnen und sprechen: Wer ist Gott! Ich könnte verarmen und Dieb werden und dabei noch fcsthaltcn meines GotteS Namen! (K. 30,7—9.) An beiden Enden ist die Versuchung groß. Auf der Höhe wie in der Niedere liegt die Gefahr, die geistige und sittliche Wahrheit und Reinheit des Lebens zu verlieren. Der Glanz auf der Höhe sonne das Dunkel in der Tiefe blendet oder trübt den. klaren Blick und laßt das Gold der Wahrheit und die Znverficht der Ueberzengung gegen nichtigen Schein und täuschende Lüge anStauschcn. Aus' der Höhe glaubt man gar leicht Gottes entrathen zu können und spricht: wer ist Gott?! In der Niedere, in Gefahr zu vcrarmen, glaubt man leicht sich Alles erlauben und selbst als unrechtschaffener Mensch Gott noch ״seinen Gott" nennen zu dürfen. So führt Rcichthum leicht zur GotteS-Leugnung, Verarmung zn הלול דדהם, zur Entheiligung des göttlichen Namens. Darum bittet der Weise, nicht Rcichthum, nicht Arnmth inögc Gott ihm bescheiden, möge ihn nnr sein täglich zngemesseneS Brod finden lassen. Nnr in diesem bescheidenen LooS sieht er seine geistige und sittliche Gesundheit ungefährdet, und bis an sein Ende wünscht er sich kein anderes. Denn erst mit dem Ende seiner hienicdigen Wallfahrt sicht er auch seine irdischen Lehrjahre vollendet. Kein Weiser traut seiner geistigen und sittlichen Stärke Uncrjchütterlichkeit zu, so lange er die Luft des irdischen Lebens athmet. * Begegnen sich ein Armer und ein Mann von Tücken Erleuchtet ihrer Beider Augen Gott. (K. 29,13.) Kommen ein Armer und ein Mann der List und Verschlagenheiten in entgegengesetzten Geschickeswegen einander entgegen, der Arme steigt hinauf zur Höhe, auf welcher der Listige sich befunden, und der Listige geht hinab in die Niedere, woher der Arme kommt, so soll diese Begegnung für Beide lehrreich sein. AnS dem Niedergang des Listige:! lerne der anfsteigende Arme, auf der Höhe, zu welcher Gott ihn führt, sich die Geradhcit, Schlichtheit und Redlichkeit zn bewahren, an deren Mangel der Räukcvolle seinen Niedergang gefundcn. An dem Aufgang des Armen lerne der listig Verschlagene die Warnung nicht zu meinen, in der Niedere, zu welcher er hinabsteigt, müsse er seine verschlagene Klugheit nur noch verdoppeln, um wieder znm Ausgang zu gelangen. Vielmehr lege er die Untugenden ab, die ihn nicht einmal auf der Höhe erhalten konnten, umsoweniger einen dauernden wirklichen Aufgang zu ermitteln vermögen. Er sicht, ohne Ränke, ohne listige Verschlagcnhcit, steigt ein Armer empor. Er lerne von ihn!, wie Geradheit, Schlichtheit und Redlichkeit die besten Alpenstöckc sind, die den Schritt zn jedem Ansgang rüsten. * Ehre Gott mit deinem Vermögen, Mit dem Ersten all' deines Ertrages, So werden sich deine Vorräthc mit Sättigung füllen, Und von Most werden deine Kelter strotzen. Aber auch Gottes Leidcuscrziehuug wollest du, mein Sohn, nicht verschmähen, Wollest nicht widerwillig aufnchmcn seine Zurechtweisung. Denn, wen Gott liebt, den weist er .zurechte, Und wie ein Vater, will er wohlwollend den Sohn. Schreitet doch erst der Mensch zum Heile, der Weisheit gefunden, Der Mensch, der aus ihr Einsicht gewinnt. Denn ihr Geschäft ist besser als Geldgeschäfte, Besser als bestes Gold ist ihr Ertrügniß. Werthvoller ist sic als Perlen, Und all' deine Erstrebnisse haben keinen Werth gegen sie. Lebensdauer ist in ihrer Rechten, In ihrer Linken Rcichthum und Ehre. Ihre Wege sind Wege der Beglückung Und all' ihre Pfade Friede. Ein Baum des Lebens ist sie denen, die sich an ihr halten Und die sich ihr anschlicßcn, werden Ein beglückter Verein. (K. 3, 9—18.) Der Werth des Vermögens ist nicht zu unterschätzen. Wesentlich setzt es uns in den Stand, unsere Lebensanfgabe zn lösen und die Zwecke zu fördern, deren Verwirklichung und Pflege Gott Menschenhänden anvertraut. Eine treue Verwendung des uns von Gott

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