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Jeschurun · 1883-01-04 · Heft 1 (4.1.1883) · p. 3

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 1 (4.1.1883)
Article
Israels Geschick und Aufgabe
Date
1883-01-04
Page
3 (sequence 2)
Language
German
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einzuschlagende LcbcuSrichtung int?(ßgcmcincn, über die Art und Weise, in welcher wir inmitten der Staaten unserer Bürgerpflicht zur Förderung des Heiles der Gcsammtheit soweit an uns ist als Juden zu genügen hätten: dafür hat Gott dem GesctzcSworte nicht nur das VerhcißungSwort in der Thora und vor allem in den Propheten zugesellt, sondern hat uuS namentlich durch die Letzteren in einer Fülle von Aussprüchen den Blick geöffnet für das Nersläudniß der ganzen bunten Mannigfaltigkeit der Bölkcrreichc und ihrer Verhältnisse, durch die unser Weg uns führen werde, und für das Berständniß unserer jeweiligen Aufgabe ihnen gegenüber. Denn als treue Bürger uns zu fühlen und zu bewähren, das gilt für den gesctzcStrcuen Juden als unverbrüchliche religiöse Pflicht, ganz unabhängig davon, ob die Staaten in GesetzcSgebung und Vcrwalttntg die Standarte des für Alle gleichen Rechtes hoch haltert, oder, was Gott zu unsernt und ihrem Heile gnädig verhüten möge, den Juden gegenüber schmachvollen Bestrebungen Einfluß gestatten sollten. Vor allem aber für die Perioden, in denen, sei cS durch das Wolkendüster dunkler Nachtercignisse, sei eS durch den blendenden Sonnenstrahl vorübergehenden Glückes, unser Ausblick getrübt werden und wir Gefahr laufen könnten, unter der Wucht plötzlich auf uns einstürmender Gefahren den Weg unserer Vestiinmung zu verlassen, ״zur Linken abzuweichen", oder in noch unheilvollerer ״Zuversicht", in unseren bisherigen Bestrebungen fortschreitend, dem vcrderbeudroheudeu Abgründe entgegen zu eilen, hat Gott uns verheißen: ״Deine Ohren werden von hinter dir her ein Wort vernehmen, das zu dir spricht: ״״Dies ist der Weg, ihn schlaget ein, wenn ihr zuversichtlich aus den rechten zu sein glaubet oder wenn ihr zur Linken abweichen wollet."" (Jes. 30,21.) ES ist uns hier verheißen, in solchen Zeiten ernstester Gefahr werde uns das wegweisende Wort aus fern zurückliegender Vergaugeuheit nie fehlen; und dieses Wort werde gleich dem rettnngbringenden Horne, welches an klippenreicher Küste, wenn Nebel Sonnenstrahl und Leuchtfeuer dem Blicke entziehen, durch SturmcSuacht und Nebelöde als mächtiger Warner rettend tönt, zur rechten Zeit durch den Sturm und Drang der Zeiten selbst unser Ohr zu treffen und sich den Weg zu unserent Geiste, zu unserem Herzen zu bahnen wissen. O, daß eS unserem schwachen Worte gelänge, unserer Brüder Herz und Sinn für diese warnende Nettungsslimme zu erschließen, die durch der Zeiten Schwall und Brandung schon längst vernehmlich zu uns dringt, damit es nicht der gewaltigen Weckungsmacht drängender Noth bedürfe, ihr jene Stärke zu geben, die auch den Festesten zu erschüttern und den Härtesten zu erweichen weiß! Ein solches wegweisendes, mahnendes und warnendeS NettungSwort ist jenes Prophetcnwort, welches die Weisheit unserer Weisen in den Tagen dieser Wochen uns zur erneuten Beherzigung bietet, das Wort von dem ״Wurzel"-Gcschicke und der ״Wurzcl"-Bcstimmung unseres Galuth-LcbcnS. ״ הנאים ישרש יעקבFür die Geschlechter der Zukunst soll Jakob Wurzel sein; einst blüht eS auf und entfaltet sich als Israel, dann wird des Ertrages die Meuschenwelt voll sein, die bisher eine Welt der Wirren ist." (3cf. 27,6.) ״Wurzel" zu sein für die Zukunft Israels und für die Zukunft der Menschheit, das sei, so wird eS uns hier ausgesprochen, das jüdische Geschick, das sei die jüdische Aufgabe. Welches ist nun der Zustand, was das Geschick, was die Aufgabe der Wurzel? Das Samenkorn, daß einst als Stamm ausstreben, im Laubschmuck prangen, in Blütheu sich erschließen und würzige Früchte zeitigen soll, dem Lichte und der Lust muß eS entsagen, in dunkler Erde sich ciugraben lassen, wenn cs Wurzel schlagen soll. Stanuit mtd Aeste, Blätter und Blütheu athmen wonnig einst die Lust, trinken gierig einst den sonnigen Strahl; doch während der Zeit seines Wurzellebens muß cs verzichten auf Luft und Licht, muß es sich, bcm Meuscheuauge vcrborgen,׳ begnügen mit lust- und reizlosem Aufenthalte im dunkelt! Schoos; der Erde. Soll die Blüthc färbenprächtig, dustdurchströmt und dustausströntcnd werden, muß die Wurzel färb-, glanz- und duftlos sich bcscheiden. Soll der Stamm einst kraftvoll,!nächtig, schlank anstrcbcnd, weithin sichtbar prangen unter dent Himiuelszelt, weit entrückt dem Erdgcthierc, das am Boden, das im dunkeln Schoos; der Erde lichtscheu kriecht, sich regt und!nächtig ist: muß die Wurzel schwach, unscheinbar, vrciSgcgcbeu den Elementen, die in der Erde Innern weben, prcisgcgcbeu den! Gewürmc, still geduldig ihrer Wurzelarbeit voll und ganz und treu sich widmen. Und worin besteht diese Ausgabe? Das Samenkörn, so lauge cS ein Wurzellcbcu führt, hat aus dem Boden, in den eS eiugeseukt ist. Alles in sich auf;!!- nehmen, was fähig ist, seinem eigenen Wesen eutsprechend!!!!!gewandelt und dieses fördernd, nährend und kräftigend zu einem Thcilc seinerselbst zu werden. Geduldig läßt cs Alles über sich ergehen, weist aber beharrlich Alles von sich, was seinen! Wesen feindlich, trotz seiner winzigen Kleinheit seine Eigenart beharrlich lvahrend. Der Augenblick, in den! eS prüsuugSloS auch seinen! Wesen Fremdes in sich ausuähmc, brächte die Vernichtung seiner Zukunft. Was aber sein eigenes Wesen sei, das tritt dem Auge erst entgegen, wenn cS zur Fruchtblüthe sich entfaltet. So lauge es Wurzel ist, birgt eS sein Wesen still in sich. Dem Licht entrückt, trinkt cS im Dunkel alle Stoffe, die erst in der Blüthc

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