Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1867-1868)
- Issue
- Heft 10-12 (Juli 1868)
- Article
- Die Rabbinerversammlung zu Kassel
- Date
- 1868-07-01
- Page
- 344 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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314, Die Nabbinerversammluttg zu Kassel. wollen wir in der Kürze hervorheben, daß, falls Rabbiner jüdische Beamte sind, die Eingangs genannten 24 Herren, indem sie auf Grund der Philippson'schcn Ausführungen sich in Kassel vcrfam- Hielten, damit aufgehört haben Rabbiner zu sein. Die erwähnten 19 Sätze enthalten Grundsätze, welche der jüdischen Lehre zuwider und Bestimmungen, welche ungesetzlich sind. Legislatorische Gewalt haben Rabbiner überall nicht und Gemeinden nur in so weit sie sich inucrhalb des Gesetzes bewegen. Ein Rabbiner, der die reltgionsgesetzlichen Autoritäten nicht achtet, hat das Vertrauen für seine amtlrche Wirksamkeit völlig eingebüßt. — Die Versammlung wurde am 11. August durch eine Ansprache des Lauorabbiners Dr. Adler ans Kassel eröffnet und am 13. August durch eine Ansprache desselben Herrn geschlossen. Uebec die Verhandlungen selbst liegen leider noch nicht die ofsiciellcn Protokoüe vor und müssen wir uns ans die in Zeitungen gegebenen Neserate beziehen. — Es scheinen uns nun die Berichte der ״Allg. Ztg. d. Jdths." und des ״Frankfurter Journals" ziemlich authentisch zu sein. Wir legen diese unserer Darstellung zu Grunde und behalten uns vor, nach Veröffentlichung der Protokolle auf diese Versammlung zurückzukommen. Dr. Adler sagte in seiner Eröffnungsrede, daß sie sich als ״Rabbiner der Gegenwart" versammelt hätten, ״die den in der Gegenwart immer mehr hcrvortrctcnden Conssikt zwischen Lehre und Leben, zwischen Wissenschaft und Religion in Berathung zu ziehen sich berufen und verpflichtet fühlen. Aber auch als Rabbiner der Gegenwart! So sehr jedes hierarchische Bestreben uns ferne liegt, so wenig ist es aber unsere Absicht, der Jrreligiösität Vorschub zu leisten oder gar der Religionslosigkeit einen religiösen Anstrich zu geben. Als Lehrer der Gemeinde haben wir auch die Pflicht, die Lehre zu vertreten, und als Lehrer der Gemeinden darf uns der Zwiespalt zwischen Leben und Lehre nicht gleichgültig sein." Was wäre somit die Pflicht dieser Rabbiner der Gegenwart und Rabbiner und Lehrer der Gegenwart und der Gemeinden? Doch sicherlich keine andere, als die der Lehre und Religion Entfremderen wieder zurückzuführen und das der Lehre und der Religton widersprechende Gemeinde- und Einzelleben widerum in Einklang mit der Religion zu bringen.