Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1867-1868)
- Issue
- Heft 7-9 (April 1868)
- Article
- Chazaq u-nitchazeq
- Date
- 1868-04-01
- Page
- 223 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2932754-2932987-2932994-2951237--11062-2951274- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
חזק ונתחזק 223 die in solcher Gesinnung ihre Hütte rein und ihr Leben reichgeschmückt mit aufopferungsvollen Thaten jüdischer Menschenliebe erhielten:/alle diese konnten von der Wahrheit des Ideals, dem sie so manches Opfer brachten, und das eben darum aufhörte Opfer für sie zu sein, eine durch Nichts angefochtene Ueberzeugung habe». Es gab noch keine öffentliche Meinung im jüdischen Kreise, die vor der Sittenlosigkeit in Frack und Glacä-Handschuhen entschuldigend den Hut zog, die das göttliche Gesetz nur für das Leben in den Ghetti-s berechtigt pries und in dem Fall der Ghetti-Mauern auch den Fall der jüdischen Lebenseinschränkungen bejubelte, die, was dem jüdischen Sinne als höchste Lebensvollendung gilt, als beschränkte Lebensanschauung belächelte, die dem Ideal des göttlichen Gesetzes die Altäre entzog und dafür dem Idol der socialen Geltung den Altar baute, die, selbst für die jüdische Humanität persönlicher Liebesthat des ,גמילות חסד zu vornehm ward und jedes warme Liebeswirken mit kaltem Gelds und dem Scheine erkaufter Leichenbittermienen ablösen zu können wünschte, ja, die mancherorts bereits selbst die letzte Perle aus dem jüdischen Vater-Erbe, die jüdische Zcd'aka, nach dem Maaßstabe unjüvischen Almosens herabzustimmen drohte und mit der Armuth wie mit dem Verbrechen zu rechten begann — und cs gab noch keine Rabbtnen, noch keine jüdischen Volkslehrer, die allem diesen jüdischen,Abfall die Sanktion der jüdischen Predigt liehen, in der Zerstörung des jüdischen Lebens den Aufbau eines Israels der Zukunft priesen und den jüdischen Jüngling, die jüdische Jungfrau, den jüdischen Mann, das jüdische Weib wohl über die Frage schwankend machen konnten, was denn das jüdische Gute sei, und ob denn auch das Ideal, für welches sie ihr Leben einzusetzen hatten, eines solchen Opfers auch in Wahrheit werth sei. — Eine solche öffentliche Meinung und eine solche, der blendenden Macht der öffentlichen Meinung sklavisch schmeichelnde Lehre ist aber heute in üppigster Blüthe, und da gilt mit ganz anderem Ernst nock als zur Väterzeit der Ruf: חזק במעשים טובים, bleibe fest in Erfüllung des Guten, lass'׳ dich nicht irre machen, nicht durch das Beispiel zeitgenössischen Leichtsinns, noch weniger durch die Gaukelthronen den Leitsinn beschönigender Pfaffen, bleibe fest wie ein 15*