Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1867-1868)
- Issue
- Heft 6 (März 1868)
- Article
- Angela
- Date
- 1868-03-01
- Page
- 202 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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m Angela. aber alles hängt davon ab, daß jenes Weib es nicht merkt, baß Sie um ihre Treulosigkeit wissen. ״Sie haben Recht," murmelte der Vater, ״sobald sie das merkt wird unser Kind uns augenblicklich entrissen." Giuditta wollte laut aufschreien, Angela preßte ihr die Hand aufjden Mund: ״Um deines Kindes willen fasse dich!" ״Liebe gnädige Frau, verzweifeln Sie doch nicht, wir werden gewiß ein Mittel finden, die Kleine uns zu erhalten, aber ich glaube um Ihre Dienstboten nicht aufmerksam zu machen, wird es vor Allem gerathen sein, das Abendbrod auftraaen zu lassen. Könnten Sie, Fräulein, cs über sich gewinnen mit unbefangener Miene den Auftrag dazu zu crthcilen?" Das junge Mädchen bejahte ״ich werde selbst in die Küche gehen und mich zugleich nach den Leuten umsehen." ״Laß auch einige Flaschen Wein hereinbringcn," bat ihr Schwager, ״wir werden wohl ziemlich lange zusammenbleiben, mögen sie glauben, daß wir uns gütlich thun." Der Doktor nickte Beifall. Angela hatte ihre nicht leichte Aufgabe vollzogen, aber ihre Schwester und ihr Schwager waren noch nicht im Stande, in's Nebenzimmer, wo der Tisch bereits gedeckt war, sich zu begeben. Schon hörte man den schleppenden Schritt der Köchin im Corridor, als der Doktor, rasch entschlossen, das junge Mädchen mit sich in's Speisezimmer zog. Sobald die Thur sich öffnete, zog er ihre Hand an seine Lippen, neigte sich zu ihr, und that, als flüstere er zärtlich mit ihr — Voll Verwunderung blieb die alte Köchin mit den Schufseln in der Hand mitten im Zimmer stehen: ״Herr du mein Gott! ist es möglich? Darf man gratnliren, Fräulein Angela?" Verlegen murmelte Angela einige unverständliche Worte. Der Doktor nickte der Köchin lächelnd zu und diese, voll von der ungeahnten Neuigkeit, setzte die Schüsseln auf den Tisch und eilte hinunter zu ihren Kameradinnen, um zu berichten, daß oben ״Versprach" sei. ״Vergeben Sie, theures Fräulein, daß ich ihre Gefühle verletzt," bat der Arzt, ״aber am heutigen Abend könnte gar Manches leicht auffallend erscheinen, und darum hielt ich es für nvthwendig, die Vermuthungen der Hausleute aus falsche Fährte zu lenken."