Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1867-1868)
- Issue
- Heft 6 (März 1868)
- Article
- Die Hypothesen der Bibelkritik und der Commentar zur Genesis von Herrn Rabbiner S. R. Hirsch
- Date
- 1868-03-01
- Page
- 174 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2932754-2932987-2932993-2951197--11009-2951204- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
174 Die Hypothesen der Bibelkritik. Behauptungen wenden. ״Der Verf. will," sagt Knobel in den Vorbemerkungen zum 3. Kap., ״gewisse einzelne Dinge des Erdcnlcbens ״nach ihrer Entstehung erklären, z> B. die sittliche Erkenntniß, welche ״der Mensch vor den übrigen Erdbewohnern voraus hat, die erste ״menschliche Verhüllung und Bekleidung als früheste Betätigung ״der eingetretenen sittlichen Erkenntniß, das Bose im menschlichen ״Thun und Treiben, das Uebel im Lebensverhältnis! des Mannes ״und Weibes, insbesondere den Ackerbau, mit welchem eine andere ״Ernährungsweise anging, das Uebel beim Schlangengeschlecht, vor- ״nämlich die Feindschaft zwischen diesem und dem Menschengeschlecht. ״Alle diese Fragen aber werden auf eine so sinnreiche Weise beant- ״woriet, daß man sofort den reflektirenden jüngeren Erzähler er- ״kennt." Man könnte in dem 3. Kap. nur dann die Hand eines ״reflektirenden Erzählers" erblicken, wenn nachgewiesen wäre, daß das darin Erzählte nicht auf Wahrheit beruht; dieser Nachweis wurde aber von der Bibelkritik nicht geliefert, und es kann auch, so wenig sich das Historische der Erzählung beweisen läßt, ebensowenig bewiesen werden, daß das darin Berichtete nicht stattgefunden haben kann. Wenn uns nun in diesem Kapitel Fakta berichtet sind, was auch die Bibelkritik nicht zu widerlegen vermag, so haben wir in demselben nicht das Produkt einer reflektirenden sondern einer referirenden Thätigkeit zu erblicken; die obige An- »ahme der Bibelkritik beruht daher auf einer ganz unbegründeten Voraussetzung. Aber selbst wenn sich in dem 3. Kap. wirklich die Hand eines ״restektirenden Erzählers" manifestiren würde, wäre ebenfalls kein Grund vorhanden, demselben darum einen ״jüngeren" Ursprung zuznschreiben, da nicht einzusehen ist und auch von der Bibelkritik nicht gezeigt wird, weßhalb dem ״älteren Erzähler" die Reflcktions-Thätigkeit oder Fähigkeit abgesprochen werden sollte. Die Bibclkritik gcräth sogar durch die angeführte Annahme niit sich selbst in Widerspruch; denn nach ihren Anschauungen beruht doch auch das erste Kapitel der Genesis, das sie dem ״älteren Erzähler" vindicirt, nicht auf göttlicher Offenbarung, sondern wäre dasselbe als eine von dem älteren Erzähler auf dem Standpunkte seiner Weltkünde ersonnene Kosmvgonie zu betrachten, der selbst von der Bibelkritik im Vergleiche zu allen anderen alten Kosmogonien ״der