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Jeschurun · 1868-01-01 · Heft 4-5 (Januar 1868) · p. 166

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
14 (1867-1868)
Issue
Heft 4-5 (Januar 1868)
Article
Rundschau im Gebiete jüdischer Interessen
Date
1868-01-01
Page
166 (sequence 10)
Language
German
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106 Rundschau im Gebiete jüdischer Interessen. bildete Nichtjnde würde sich mit Ekel und Entrüstung von dieser Harlequinade abwenden, würde es nicht kalten Bluts mit ansehen können, wie die Namen von Männern, die auch er zu den herrlichsten Menschen zählt, die je geathmet, zu Trägern des absolutesten Bummelwitzes und niedrigster Plattitüden herabgewürdigt werden. Nun aber gar noch dies Alles schon und amüsant und witzig und niedlich zu finden — dazu gehört die vollste Abwesenheit eines jeden Gefühls, eines jeden Gndankens. Wenn aber hundert fünfzig Juden, die sich zu der ״CrSme der Gesellschaft" zählen, nicht nur ruhige, sondern auch Beifall spendende Zuschauer einer solch' unwürdigen, schmähende» Handlung sein können, und der Urheber desselben nicht znrechtgewiesen, vielmehr als talentvoller ״Dichter" bccompltmentirt wird, — so haben wir dem gegenüber keine Worte. Welcher Schrei der Entrüstung würde heute das ganze gebildete Preußen erfüllen, wenn es dem ״Dichter" dieses ״Lustspiels" beigefallen wäre, dieses Kind seiner Muse statt ״Saul" und David" etwa ״Stein und Hardenberg" zu nennen und die Königliche Intendantur der Schauspiele in Berlin hätte es gewagt dieses ״historischvaterländische Lustspiel" auf der königlichen Bühne zu Berlin aufzuführen: Stein wäre Saul, Hardenberg: David, Gneiscuau: Abner, Arndt: Samuel u. s. w. — und nun sind alle diese deutsche» großen Männer den Preußen doch nicht entfernt das, was uns, was der Menschheit, David, Jonathan, Samuel sind! Es muß die vielerwähnte Gesellschaft zu Hannover so gedankcnlos, so jeder besseren Empfindung baar sein, daß uns vor dieser Geistes- und Gemüthsarmuth schaudert. Oder sollten dieselben Herren und Damen nur unempfindlich sein für diese jüdischen Größen angethanc Schmach weil sie eben selbst Inden sind und es nicht mehr paffend und den Anforderungen einer ״gebildeten Zeit" widersprechend finden, als Juden ein besondres ״particuläres" Nativnalbewußtsein zu haben? — Dann wäre die Schmach noch größer. Welch trüber Zukunft muß die jüdische Gemeinde in Hannover entgegengehen, wenn diese Anschauung, wenn diese Geistcsleere sich ton- und maßgebender Kreise bemächtigt haben! — — —

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