Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1867-1868)
- Issue
- Heft 4-5 (Januar 1868)
- Article
- Die Distellese des Herrn Kirchheim [Rezension]
- Date
- 1868-01-01
- Page
- 116 (sequence 4)
- Language
- German
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116 Die Distellese des Herrn KirHheim. konnte eine derartige Erscheinung nur als das Sympton einer dereits weit vorangeschrittenen Entartung — nicht mit Freude degrüßt, Gott behüte, das ^verhindert unser menschliches und, setzen wir sofort hinzu, unser brüderliches Gefühl sür unsere Gegner! — allein nur eine neue schreckliche Bestätigung dessen bieten, worüber uns längst kein Zweifel mehr war. Die Neologie hat sich überlebt — das war längst kein Geheinmiß mehr, das verrieth dem tiefer Blickenden, welcher Richtung er auch angehört, längst das Erwachen eines frischeren Geistes, das Regewerden eines lebendigeren Bewußtseins dessen was wir sind und sollen, das in so vielen jüdischen Kreisen Deutschlands sich Bahn bricht, das verriethen ihm die Schöpfung von jüdischen Bildnngsanstalten für die Heranwachsende Jugend, und dem gegenüber die leerstehenden Tempel der Neologie, die Impotenz ihrer Geistlichen, ihre verwahrlosenden Anstalten, der Indifferentismus ihrer Kreise, die Nacktheit ihrer Phrase-alles das war längst kein Geheimniß mehr. Allein eine so jämmerliche Blosstellung, eine so bündige Selbstausfertigung seines eigenen geistigen und sittlichen Armuthszeugnisses hätten selbst wir nicht erwartet, eine solche Conftatirung jener bleichen Angst, jener ohnmächtigen Wuth, die de» Boden unter den Füßen schwinden fühlt und s Wut prix etwas gethan, geschrieben haben will, sollte selbst eine mitleidige Buchhandlung, damit das winzige Mäuslein etwas stattlicher ausschaue, zu den 40 Seiten noch 20 Seiten Anzeigen beigebe». Es hätte dessen nicht bedurft. Dieses winzigen vierzig Seiten bilden ein Unicum, das als charakteristisches Mal in der Geschichte der Neologie noch gebührende Würdigung finden wird zu einer Zeit, wo aus den angezcigten werthvollen Predigten, Andachts-, Erbauungs-, Spruch- und Gesangbüchern längst nicht mehr gepredigt und erbaut, gesprochen und gesungen werden wird. Nachdem wir nunmehr vier Monate mit der Veröffentlichung dieser Blätter zurückgehalten haben, glauben wir jener Rücksicht mehr als Genüge geleistet zu haben und fühlen uns berechtigt, jenen oben angedeuteten Gesichtspunkt der Beurtheilnng, als den den Verhält- . nissen vollkommen entsprechenden sestzuhalten und die oben angedeuteten Consequenzen in ihrer ganzen Schärfe und in ihrem ganzen Umfange zu ziehen. — Wenn Herr R. K. an mehreren Stellen eine mißbräuchliche