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Jeschurun · 1868-01-01 · Heft 4-5 (Januar 1868) · p. 108

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
14 (1867-1868)
Issue
Heft 4-5 (Januar 1868)
Article
Die Lieder der Koraiden
Date
1868-01-01
Page
108 (sequence 6)
Language
German
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10§ > -?> * Die.Ach« ׳j>«r,..Aoraide«. ״. - - Ein wunderbares Lied dies Lied derKoraiden! Was׳ auch eine die Prophetie leugnende Kritik an Scheingold für baare Münze wissenschaftlicher Forschung in Umlauf, setzen mag, die Möglichkeit, daß dieses Lied erst post eventum gedichtet sei auch nur plausthel zu machen, dürfte ihr nimmer gelingen. Sie müßten denn eben aus dem Liede heraus Ereignisse erdichten und die Geschichte fälschen um ihre Falsa zu stützen. Nirgends außer dem europäischen Mittelalter bietet die Geschichte der jüdischen Diaspora ein Zeitbild zu den Zügen dieses Liedes, und wie weitab vor dem europäischen Mittelalter liegt die Entstehung dieses Liedes! Wohl durften nach solchen Liedern die Harfen unserer Sänger an Babels Strömen verstummen. Die Töne, die von ihren Saiten in die Brust ihres Volkes für die Ewigkeit hineingesungen waren, enthielten Alles, dessen sie bedurften, um sie auf den dunkeln Schicksalsgängen, die ihrer harrten, mit Erleuchtung und Trost, mit Muth und Hoffnung zu geleiten, und für die Empfindungen, die im Leben und Sterben ihre wunde und doch so starke Brust erfüllten, fanden sie in dem geistigen Schatze ihrer nationalen Ueberlteferung das schon vor so vielen Jahrhunderten gesungene Wort, das ihnen ihre Empfindung wiedergab und sie zu dem Gedanken deS geistigen Bewußtseins verklärte. Wie vielen unserer Väter und Mütter mag ein solches Lied wie dieses der einzige Begleiter zum Scheiterhaufen, wie vielen das עליך הורגנו כל היום der letzte Gedanke gewesen sein, mit dem sie ihrem Gotte die treue Seele treu und rein zurückhauchten, wie Vielen eben das Bewußtsein, ihr Geschick mit allem seinem Herben schon so lange imvorhinein geschaut und empfunden zu wissen, den erhebendsten Trost gebracht und die längst vvrausgeschauten und nun sich verwirklichenden Marter und Qualen, Verhöhnungen und Erniedrigungen selbst den festesten Kitt für ihre Gottestreue geliefert haben, indem gerade Das, was sie dieser Treue zu entlocken berechnet war, sie nur um so tiefer von der Göttlichkeit ihrer Sendung auf Erden überzeugte! Und wenn uns, den glücklichen Söhnen dieser so Schwergeprüften, das heitere Loos beschieden, Das, was unsere Sänger vorahnend, gesungen und unsere Väter in trübster Wirklichkeit zu durchleben hatten, nur rückschauend wie auf eine, wie wir hoffen überwundene Vergangenheit, nachzucmpfinden: wie belehrend und erhe-

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