Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1867-1868)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1867)
- Article
- Rundschau im Gebiete jüdischer Interessen
- Date
- 1867-12-01
- Page
- 94 (sequence 9)
- Language
- German
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9:4? RüNdfchM int Gebiete Wischer JüteresseN. fen. Sein würdigster — fast hätten wir gesagt der Einzige vielleicht, der würdig ist es zu sein — Rabbiner ist ihm durch den Tod entrissen. Salomon Klein, Oberrabbiner zu Colmar, ist gestorben. Er war die Zierde der französischen Judenheit, ausgezeichnet an Charakter wie an Wissen. Sein eminenter Geist erfaßte die Tiefe der jüdischen Wissenschaft und die hehre Bedeutung des Judenthüms in seltenem Grade. Er hielt die Standarte des Gottesgesetzes mann- Haft den Anfeindungen gegenüber, welche dasselbe in Frankreich von Seiten nichtjüdischer und unjüdischer Verächter erfahren, empor und starb vielleicht am gebrochenen Herzen in der Blüthe seines Alters im 53tcn Lebensjahre, ob der unsäglichen Widerwärtigen, die ihm seine Vorgesetzte Behörde — das CentralcoNsistorium — wegen seincr ächt jüdischen Gesinnung bereitet. Nicht mit Unrecht sagt der ״Univers Jsraelitc" von ihm, daß er der würdige Nachfolger der alten unsterblichen ״französischen Weisen", חכמי צרפת, gewesen. In Italien wird die Idee zur Abhaltung einer Rabbinerversammlung lebhaft ventilirt. Herr Oberrabbiner Mortara stellt ein bestimmtes Programm für dieselbe auf, welches von Professor Lelio Della Torre bekämpft wird. Wir sind zu wenig mit den italienischen Verhältnissen und Persönlichkeiten vertraut, um uns ein Urtheil darüber bilden zu könne». Uns ist das Programm des Herrn Mortara nicht klar. Der Bedeutung des Gottesdienstes wird ein zu großes Gewicht bcigemcssen. Was soll man darunter verstehen, wenn er von einer Schädigung der Moral, einer Gefährdung der Glaubenslehre spricht, welche durch die Fortdauer des gegenwärtigen Zustandes des Gottesdienstes, der nicht der jüdischen Glaubens- und Stttenlehre entspricht, herbeigcfühct wird; — wenn er dabei aber verlangt, daß derselbe nach dem Vorbilde des mosaischen Gesetzes und der Traditionen geordnet werde? — Herr Della Torre erscheint dagegen die׳ ses Programm zu prononcirt. — Unseres Erachtens kann eine Rabbinerversammlung nur dann von Nutzen sein, wenn deren Mitglteder sich fest und entschieden auf den gesetzmäßigen Standpunkt stellen und ihre Aufgabe nicht darin suchen, das Gesetz dem Leben d. h. der »«jüdischen, gesetzt Swidrigen Praxis entsprechend umzuwandeln, nm dadurch manchen noch ängstlichen Gemüthcrn.religiöse Bekl'emmungen zu ersparen, sondern vielmehr darin, die Herzen zu