Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1867-1868)
- Issue
- Heft 2 (November 1867)
- Article
- Rede
- Date
- 1867-11-01
- Page
- 69 (sequence 8)
- Language
- German
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Bon Dr. Herrmann Lipschitz. 69 Auch der Ort, den das Memorandum zu Sitze der zu creirenden Schule anempfiehlt, kommt mir durchaus als unpassend vor. Ich sehe ab von dem crassen Widerspruche/ der darin liegt, daß das Memorandum das Institut unter der d i r e c t e n Leitung des Landrabbinates und zugleich in einem von dessen Wohnsitze metlenwett entfernten Orte wissen will, auch will ich nicht davon reden, daß Brünn, trotz seiner zahlreichen und gewiß achtenswerthen jüdtschen Population, weniger Talmudkenner und geringere Vorräthe an Büchern besitzt als manche untergeordnete Gemeinde dieses Landes, und Umgang mit talmudischen Forschern und Benützung hebräischer Büchersammlungen ein dringendes Erforderniß für den Talmudschüler sei; auch abstrahire ich davon, daß die in Brünn prädominirende religiöse Richtung durchaus keine solche sei, daß sie geeignet wäre, auf das, für die äußeren Eindrücke empfängliche Gemüth des Zünglings erhebend und ermuthigend einzuwtrken: aber ich will nur das Eine erwähnen, daß ein Ort von so scharf prononcirtem industriellem Charakter wie ihn Brünn besitzt, ein Ort, in welchem der Erwerb die höchste Potenz bildet, und das Maschinenrad als die Alles treibende und Alles bewegende Macht verehrt wird, keineswegs sich eigne zum Sitze einer der Pflege jüdischen Wissens und jüdischen Geistes und jüdischen Lebens gcweiheten Anstalt. Welch' ein harter bitterer Seelenkampf ist dem Jünglinge bereitet, welche heillosen Widersprüche müssen sein Herz verwunden und zerfleischen, wenn er in der Schule die von dem Geiste sittlicher Vollendung durchhauchten, zur Verachtung alles Irdischen und zu einem ethisch-heiligen Leben auffordernden Sentenzen unserer unsterblichen Weisen vernimmt, und unmittelbar darauf, aus den Räumen des Schulhauses htnauSkommend, der grelle Mißton eines alles höhere Streben und alles ideale Leben verachtenden, nur die Materie verehrenden und anbetenden Mcnschenverkehres an sein Ohr dringt. Städte, in denen das eommerziellc Treiben prävalirend ist und alle andern Strebungen verdunkelt, deren Bedeutung und Lebensschwcrpunkt im mcrcantilen Verkehre beruht, sind nicht dazu angcthan, höhere ernste Studien zu begünstigen und zu befördern. Darum hat Hamburg, eine der größte» Städte Deutschlands, keine Universität, während Städtchen wie Marburg und Gießen ja eine besitzen, darum hat das große und unendlich reiche Frankfurt a. M. keine Hochschule, wäh-