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Jeschurun · 1867-11-01 · Heft 2 (November 1867) · p. 68

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
14 (1867-1868)
Issue
Heft 2 (November 1867)
Article
Rede
Date
1867-11-01
Page
68 (sequence 7)
Language
German
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68 Rede:e. dium verwenden. Und welches talmndische Wissen soll der Zögling in die Anstalt milbringen? Die Kenntnih einiger Mischnahtractate, das hss.i.ßt. blutwenig mehr als gar nichts. Nun soll Eine Stunde täglichen Unterrichtes gerade soviel wieviel die Arithmetik, die deutsche Grammatik oder ein ähnlicher Unterrtchtsgegenstand der Volksschule in Anspruch nimmt, genügen, um fast aller Talmudkenutnis; baare Schüler zur selbstständigen Forschung auf dem unermeßlichen und unergründlichen Gebiete der talmndischen Wissenschaft zu präpariren und!n befähigen! — Und in dieser acht- oder zehnstündigen wöchentlichen Unterrichtszeit sollen nicht allein Talmud und Commentare, sondern alle Fächer des g-esammten weitverzweigten jüdischen Wissens, die Logik und Metaphysik nicht ausgenommen, tradirt, und noch obendarein Anleitungen zu homiletischen und didaktischen Uebungen ertheilt werden. Das ist,, nach meinen Begriffen, geradezu etwas Absonderliches! — Ebenso erscheint mir die Wahl der Lehrobjekte wie der Lehrbücher als eine ziemlich verunglückte. So ist es, z. B. sehr befremdlich, daß die Schrift Chaja-Adam zum Lehrbuche der Halachah vorgeschlagen wird, während dieses Compendium, wie jedem Sachkundigen bekannt, und wie dessen Verfasser selber in der Vorrede bemerkt, für den Halachaforscher wohl zum Repetiren der aus den Werken der größeren Codificatoren geschöpften Lehrsätze, keines- Wegs aber zum Erlernen der rituellen Satzungen und Bestimmungen sich eigne; und als eine wahre Abnormität muß es angesehen werden, daß der jüdische Theologe, der auf halachischem Boden über das Niveau des ״Chaja-Adam" nicht hinausgekommen, aus intuitiv-specula.tiv.em Gebiete bis zu den schwindelnden Höhen des ״More-Nebuchim" stch versteige. Kurz, der ganze Lehrplan ist nach meinem Dafürhalten ein mißrathener, und eine Anstalt, welche nach dieser Schablone gebildet wäre, würde durchaus keine befähigten Menschen, sondern unglückselige , geistige Zwittergeschöpfe in die Welt schicken. Freilich, wenn man die wissenschaftliche Befähigung mancher bereits fungirenden Rabbinen als Maßstab für die vom Rabbiner in spe zu fordernden Wissensdosis nehmen wollte, dann würde eine Lehr-י anstatt wie die quästiouirte mehr als genug leisten; aber ich sollte doch meinen, daß die Ausgabe einer Rabbinerschule dahin gehe, Rabbiner wie sie sein sollen heranzubilden, und nicht wie leider manche i\\ unseren Tagen s i n d. -7-

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