Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1867-1868)
- Issue
- Heft 2 (November 1867)
- Article
- Die Lieder der Koraiden
- Date
- 1867-11-01
- Page
- 38 (sequence 6)
- Language
- German
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38 Die Lieder der Köraiden. 2. 3. Israel ist sein Verhältniß zu Gott kein äußeres, zufälliges, nebensächliches, nur einen Theil seiner Lebensbeziehungen und Bestimmungen ausfüllendes Moment, das etwa nur zur besonderen Verschönerung, Ergänzung, Tröstung und Beselignng des Lebens gehörte, besten aber auch allenfalls des Dasein entrathcn könnte; nothwendig und Dasein bedingend wie das Master für das leibliche Leben ist ihm seine Beziehung zu Gott. Nur in dem Bewußtsein der Gottes-Nähe athmct cs und lebt es. Im Galuth, aus der sichtbaren Höhe, auf welcher es gottnahe stehen und wandeln sollte, hinabgestoßen, dürstet seine Seele zu Gott, zum ״lebendigen Gott", der ihm kein Wahngebilde, kein wesenloser Begriff, kein metaphysischer Nothbehelf zur gedankenmäßige» Weltconstruktion, der sich ihm als ״lebendiger" Gott erwiesen, der mit seinem Gesetze seelengleich in Israels Volkskörper eingczogen war und Alles durchdrang und Alles belebte und Alles trug und Alles schützte und Alles segnete und Alles zu einer Vollendung führte, die seine Gegenwart in Israel bekunden sollte. Der Gegenwart dieses lebendigen Gottes an der Bnndesstätte fenes Gesetzes inne zu werden, dort sein ״Angesicht zu schauen" und des Bewußtseins froh zu werden von ״Ihm" geschaut zu sein, das war der Höhepunkt in Israels Vergangenheit, das bildet den Licht- Punkt in Israels Zukunftshoffnungen. Wie ein schmachtendes Reh — (darum תערוג, fern, kraftlos) — hört es in steiler Felscnhöhe Wasser aus seinen Ursprüngen rauschen — (אפיק von פיק: aus seiner Urstätte Hervorkommen. Vgl. 11 ויפק רצון מד/ מפיקים מזן אל זן. s. wie אגרוף von גרף) — das Wasser ist da, aber, für es in seiner Tiefe in unerreichbarer Höhe — (על: hinauf zu, wie: ילך אלקגה הרמתה על ביתו: u. s.) , 4. Zu diesem Schmachten der Sehnsucht gesellt sich Leben verbitternder Gram, Gram über die verfehlte, ja in ihrem Gegensatz umwandclte Lebensbestimmung. Israel im Glücke sollte Gottes Herold an die Menschheit sein, sollte durch die Hetlesblüthe seines ganzen Daseins das Aufblühen aller menschlichen und volksthümlichen Verhältnisse unter der Leitung Gottes und setnes Gesetzes als das einzige Ziel der Gesammtmenschheit verkünden und so alle Welt zur Huldigung ״seines" Gottes laden. Hcrabgcstürzt aus der lichten Gotjeshöhc sieht es sich zum historischen Spottgedicht auf diesen ״sei-