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Jeschurun · 1867-10-01 · Heft 1 (Oktober 1867) · p. 22

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
14 (1867-1868)
Issue
Heft 1 (Oktober 1867)
Article
Skizzen zu einer Geschichte der Juden in Köln
Date
1867-10-01
Page
22 (sequence 5)
Language
German
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IRI
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22 Skizzen zu einer Geschichte der Juden in Köln. hat. es durfte auch kein Jude in die Stadt kommen, und wer es nur gewagt hätte, das Kölnische Pflaster zu betreten, wäre sicher um's Leben gekommen. Im letzten Viertel dieses Jahrhunderts haben es zwar תקיפים bei dem Herrn Churfürst zu Bonn erlangt, daß sie einen Paß erhielten, um hieher zu kommen, jedoch war auf solchen Paß, ohngeachtet er viel Geld gekostet, das hier Aufhalten nicht erlaubt, sondern nur das Durchreisen, und jeder Jude, welcher mit einem solchen versehen an das Thor hier ankam, wurde von einem kölnischen Fricken (so nannte man die Stadtsoldaten) bis an das Thor, welches er zur Weiterreise passiren mußte, geführt. Nachdem wir bei der französischen Municipalttät eingekommen sind, um hier wohnen zu dürfen, haben wir vor einigen Tagen die Gerechtigkeit erhalten und sind auch gleich hierher gezogen. Unterzeichnet: Joseph Sohn des Jsaac (Stern). Sara, dessen Ehegattin ״ Das Gesuch des Joseph Stern erfolgte auf einen Aufruf des französischen Regterungscommtffars Nudler vom 21. Frimaire des Jahres VI, worin es unter Anderem hieß: ״Alles was nach Sklaverei schmeckt ist aufgehoben. Nur Gott allein werdet Ihr von Euren Glaubensmeinungen Rechenschaft zu geben haben, und Eure bürgerlichen Rechte werden von diesen nicht abhangen; jene Meinungen mögen sein, wie sie wollen, so werden sie geduldet werden und gleichen Schutz genießen." — So löste die französische Revolution den schweren Bann, der Jahrhunderte hindurch auf den Schultern der Juden lastete. Die für sie so laug verschlossene Pforte zur Erlangung der Menschen- und Bürgerrechte öffnete sich mit fürchterlichen Dröhnen und schrekkensvollen Ereignissen für ihre Unterdrücker. Ehe die alte Patrizier- Stadt eine andere Anschauung von Gewissensfreiheit bekam, mußte 1794 General Championet, seinen feierlichen Einzug in Köln halten und der Senat ihm die Schlüssel der Stadt unterthänigst eine Stunde weit entgegenbriugen, und der Obergeneral der Sambre- und Maas-Armee Hoche im Jahre 1797 die alte morsche Verfassung der Stadt, welche׳ vierhundert Jahre bestanden hatte, aufheben und mehrere der Rathsmitglicder die sich seinen Anordnungen nicht gesügig zeigten m's Zuchthaus nach Bonn schleppen lassen.

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