Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1867-1868)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1867)
- Article
- Skizzen zu einer Geschichte der Juden in Köln
- Date
- 1867-10-01
- Page
- 19 (sequence 2)
- Language
- German
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t Von vr. Schwarz. 19 denn am Bartholomäustage 1424 ohne Rücksicht aus Alter und Geschlecht aus ihren Häusern gerissen und ohne jegliche Entschädigung ihrer Verluste zu den Thoren der Stadt htnausgetrieben*). Die Synagoge auf dem Rathhansplatze, welche sie t374 von Neuem restanrirten, wurde am 8. September für den katholischen Cnltus acquirirt und als Rathskapelle eingeweiht. ״Diese Joedenschule — so berichtet die Chronik — hadde gestanden in der Joeden Hand 0. C, C. C. und XIII jair, alias C. C. C. LXXXVI.״ Hier muß jedoch bemerkt werden, daß sie blos aus dem eigentltchen Stadtgebiete vertrieben wurden, welches sich feldwärts bis zum s. g. Bischofswege erstreckte. Hingegen blieb es ihnen im Einverständntsse mit dem Erzbischöfe unbenommen, sich an allen anderen Orten der ganzen Erzdiözese niederzulassen; daß sie von dieser Licenz Gebrauch machten, ersieht man aus ihren damaligen Ansiedlungen in Deutz, Mühlheim, Frechen, Neuß, Bonn, Linz, Remagen und Ahrweiler**'). Nach ihrer Verweisung ans Köln durften sie nur mit besonderer Erlaubniß des Rathes die Stadt betreten, und dieses nur bei Tage. Dabei wurden sie von einem Stadtsöldner begleitet, wofür sie eine bestimmte Schutzsteuer zu entrichten hatten. In reichsstädttscher Zeit fand in Köln keine Aufnahme der Juden mehr Statt. Doch fuhren die Deutzer Juden fort ihre Verstorbenen auf dem jüdischen Gottesacker in Köln (Todtenjüden oder Judenbüchei genannt) zu beerdigen. Obwohl das Grundstück dieses Kirchhofs nicht in das Ländergebiet des Stiftes von St. Severin sondern zum Amte Brühl ressoctirte, so ließ dennoch der kölnische Senat, um durch Entweihung *)־ Ihre Liegenschaften hatten sie in dem ihnen gestatteten Jahre verwerthen können; war dieses nicht geschehen, so mußten sie dieselben als herrenloses Gut zurücklassen. (Weyden S. 245.) **) Wahrscheinlich haben in diesen Orten auch schon früher Inden gewohnt. Ihr Gottesacker in Frechen verräth namentlich ein hohes Alter. Sein Terrain führt in den Urkunden den Namen ״Indenbroich". 1856 fand inan daselbst bei der Erweiterung einer Grube 9 Fuß tief ein großes Bad künstlich aus Holz znsammcngemeißelt und in denrselben zwei römische Münzen. Vielleicht war diese Gegend -! schon zur Römerzeit von Juden bewohnt. r L