Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1866-1867)
- Issue
- Heft 12 (September 1867)
- Article
- Pädagogische Silhouetten
- Date
- 1867-09-01
- Page
- 423 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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herrschsüchtig, vermag nicht sich zu üb erwinden; oder liebt Bequemlichkeit oder ist heftig, und glaubt Folgeleistung durch Einschüchterung leichter und rascher zu erlangen als auf dem freilich nicht so bequemen, mehr Zeit und Nachdenken, größere Geduld und Ruhe erfordernden Wege wahrhafter Erziehung. Und hier? Diese stets gewährende Mutter, sie ״kann es nicht über das Herz bringen zu versagen", ״kann ihr Kind nicht weinen sehen" —ist dies etwas anders als wiederum Eigenliebe? ״Dem Kinde zu Liebe—" hören Sie die Eltern ihren Unverstand beschönigen. Nicht wahr! Sich zu Liebe? Das Gegentheil ihres Verfahrens wäre wahre Liebe zum Kinde. Jenes herrische Aufbrausen und diese unverständige Zärtlichkeit, beides sind nichts als potenzirte Schwächen. Und es sollte derjenige sittlich starke Menschen zu erziehen im Stande sein, der an sich selber das Werk der Ueberwindung nicht geübt? Nun folgen Sie mir weiter. Ich will ihnen heute noch eine andere Art der Erziehungsweise zeigen. Wer zählt die Menge der Eltern, die die Erziehung ihrer Kinder ihren andern Obliegenheiten unterordnen, oder der Eltern die sie höchstens denselben gletchstellen; sie haben keine Ahnung von dem Ernste der Erziehungsaufgabe, allen diesen ist die Erziehung in gewissem Punkte und Grade ein indifferentes Geschäft. Sehen Sie die große Zahl von Stätten des Kindeslebens, die der Eltern Gegenwart nur selten und nur wenig sich zu erfreuen haben; das Geschenk auch sittlicher Lebensweckung versagen sie ihren Kindern. Oder die große Zahl von Eltern, die, wie sie die Besorgung ihrer andern Obliegenheiten zum großen Theile aus die Schultern Anderer gewälzt, glauben, auch die Erziehungs- Obliegenheit per Procura versehen lassen zu können. — Erblicken Sie dort das stattliche Haus? So freundlich es Ihnen entgegenleuchtet, so freundlich auch sind seine Bewohner. Große Summen wandern alljährlich aus diesen! Hause zur Linderung der Noth, zur Unterstühung sinkenden Erwerbes. Aber alle ihre — und wahrhaft in großartiger Weise geübte — Mildthatigkeit reicht nicht hin zur Sühne der Schuld, die sie noch täglich mehren —: daß sie, wie sie von andern Sorgen befreit sind, auch der Sorge der Erziehung ihrer Kinder sich entschlagen. Sie verwenden freilich große Summen für (wie sie meinen) die Erziehung ihrer Kinder. Aber sie erziehen ihre