Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1867-07-01 · Heft 10-11 (Juli 1867) · p. 380

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
13 (1866-1867)
Issue
Heft 10-11 (Juli 1867)
Article
Die Judenmißhandlung in Galatz
Date
1867-07-01
Page
380 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2932754-2932974-2932985-2950819--10729-2950889
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

3$0 Me JudenmißhanWnga iü Galatz. zier durch besondere Energie zu imponiren und zwang ihn, die acht noch immer im Schlamme Zappelnden sogleich in'ö Trockene zu schaffest sowie die Leiche an's Land zu bringen. Elftere wurden aufängsich wieder in's Gcfäugniß geführt, hernach scheint es sich der Präfekt überlegt zu haben und ließ sie frei. In Folge der erlittenen Mißhandlungen und Strapazen mußten sie alle iu's Judcnhospital gebracht werden, wo sic sich noch befinden. Der österreichische Consul verbrachte dm Rest des Tages mit der Vernehmung der Mannschnft des österreichischen Dampfers Merkur, welcher sich in der Nähe des Schauplatzes befand, daher, dessen Mannschaft von Allem Augenzeuge wor; er begab sich auch an's türkische Ufer, um ,den genauen Thatbcstand zu ermitteln, und gestern lud er auch die anderen hiesigen Consuln ein, sich an den von ihm zu thucndcn Schritten zu betheiligen; wahrscheinlich werden sie an ihre resp. Regierungen einen genauen Bericht schicken und vielleicht auch eine Collektivnoie an die hiesige richten. Dieses alles geschah öffentlich, am Hellen Tage, hier in Galatz, der großen moldauischen Hafenstadt, wo der Zusammensiuß so vieler fremder Handelsleute aus aller Herren Ländern schon seit lange mildere Sitten humanere Gefühle, Toleranz und Civilisation verbreitete, so daß alles hier in bester Harmonie lebte und von Racen- oder ReligionShaß keine Spur zu bemerken war. Uebcrhaupt herrschte in der Moldau von jeher eine orientalische Gastfreundschaft und Toleranz, und hatte man von ReligionShaß gar keine Idee. Zwar existirten manche alte, verrottete judenfeindliche Gesetze aus barbarifchen Zeiten, nie aber fiel es Jemand ein, sie in Anwendung zu bringen. Sogar der Judenkrawall am Osterfeste 1859, der einzige, den ich während eines sünfundzwanzigjährigen Aufenthaltes hier erlebte, entstand nicht aus ReligionShaß, sondern wurde bekanntlich von einigen Malthcsern aus gemeiner Raub- und Mordsucht veranlaßt. Seit einigen Jahren aber bildet sich in der Moldau eine kleine aber gefährliche Partei, die unablässig bestrebt ist, systematisch und durch was immer für Mittel Judenhaß und Verfolgung zu verbreiten. Wie die Pilze schießen täglich fast in jeder Stadt judenfeindliche Journale hervor, bet jedem Anlasse werden sogenannte öffentliche Vorträgehehalten, oder verläumdcrische Journalartikcl verbreitet, bis bas gemeine Volk nicht allein zum Haß gegen die Juden, sondern

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.