Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1866-1867)
- Issue
- Heft 10-11 (Juli 1867)
- Article
- Die Judenmißhandlung in Galatz
- Date
- 1867-07-01
- Page
- 379 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Judemnißhandlung in Galatz. " 379 Trank, stundenlang im Schlamme stecken, bis endlich die Türken sich ihrer erbarmten, sic ans Ufer brachten und mit etwas Nahrung erquickten. Dabei stellte sich heraus, daß ihrer nur noch zehn waren; wahrscheinlich war der elfte im Schlamme versunken und ertrunken. Am folgenden Tage wurden diese 10 Juden von den Türken zurück nach Galatz gebracht gebracht mit der kategorischen Erklärung, daß keinenfalls die Aussetzung paßloser Individuen auf türkischem Boden gestattet werden könne. Die Soldaten sperrten die zurückgebrachten Juden ein. Dadurch ließ sich aber unser energischer Präfcct nicht abschrecken, und vorgestern, Sonntag, ließ er die zehn Zu-׳ den wieder ans türkische Ufer schafferi und sie — abermals unweit desselben ins Wasser aussetzeu. Diesmal waren die Türken schon vorbcreilct, sie verloren daher keine Zeit, sondern schifften die Unglücklichen sogleich ein und brachten sie zurück nach Galatz; hier waren bereits moldauische Soldaten ausgestellt, die ihnen die Landung verwehrten; die Türken schienen aber den Moldauern die Manipulation abgcgnckt zu haben, sie setzten die Juden gleichfalls unweit des Users ins Wasser ab und ruderten davon. Nun fing ein Spektakel an, den zu beschreiben sich die Feder sträubt. Als die armen Märtyrer sich anstrengten, sich auS dem Schlamme herauszuarbeitcn, um sich dem Ufer zu nähern oder an irgend ein Schiffsboot sich anznklanimern, drangen die mvldautschen Soldaten mit Bajonetten auf sie ein, drängten sie immer wieder in's Wasser, bis zwei Unglückliche vor ihren Angen ertranken, ohne daß eine Hand zu ihrer Rettung sich regte. Die eine der Leichen wurde vom Schlamme fortgetragen, die andere mit einem Stricke an eine Ankerkette befestigt, ohne daß der mindeste Versuch gemacht wurde, ob bei dem frisch Ertrunkcnen noch Rettung möglich wäre, die übrigen acht Opfer aber ließ man im Schlamme stecken, wo sie eben waren, und war so großmüthig, sie nicht weiter zu drängen. Dieser schauderhafte Vorfall wurde erst gegen Mittag stadtkundig; viele der angesehensten hiesigen Juden eilten sogleich an Ort und Stelle und flehe'cn den moldauischen Offizier um Erbarmen an. Umsonst! Er entschuldigte sich mit strenger Ordre seitens des Präfekten. Es blieb somit nichts übrig, als sich zum österreichischen Consul zu verfügen. Dieser war bei Tafel, begab sich aber, Alles zurücklassend, ungesäumt zum Hafen, wußte dem moldauischen Ossi-