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Jeschurun · 1867-06-01 · Heft 9 (Juni 1867) · p. 314

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
13 (1866-1867)
Issue
Heft 9 (Juni 1867)
Article
Ein Wort zur Zeit
Date
1867-06-01
Page
314 (sequence 2)
Language
German
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314 Ein Wort zur Zeit. Das find unabweisliche Fragen, die sich jedem denkenden und fühlenden Juden mit unwiderstehlicher Gewalt aufdringen. Doch rücksichtlich der bürgerlichen Stellung dürfen die Inden munteren SinneS und getrostcipHerzcns der Zukunft entgegengehen. Dafür bürgt die sprichwörilichc Maguanimität des magyarischen Volkes wie die Geschichte der Vergangenheit in vorzüglichster Weise. Wer den uugarischen Volkscharakter kennt, dem wird es nicht fremd sein, daß unter allen europäischen ^Nationen vielleicht keine einzige solch' einen regen lebendigen Sinn für Menschenrecht und Menschenpflicht, solch' ein unzweifelhaft ausgesprochenes Rechtlichkeits- und Licbcsgcfühl besitze wie die ungarische. Ker freiheitsliebende, für sein nationales Recht und seine nationale Ehre mit aller Macht der Seele ringende Ungar läßt die Gerechtigkeit, die er für sich so nachdrücklich bcansprucht, auch Anderen gerne widerfahren. Wie sein hochherziger stolzer Sinn in edlem Zorne erglüht, und sich mächtig auflehnt wenn es jemand wagt seine persönlichen Rechte zu verletzen, seine bürgerliche Ehre anzntastcn, ebenso versteht er des Andern Recht und Ehre zu achten und zu wahren. Nur niedere, gemeine, feige Seelen, die nicht den Muth haben, für ihre eigenen heiligen Rechte cinzustehen, entblöden sich nicht, die Rechte ihrer hülflvsen Nebenmenschen mit Füßen zu treten; doch der selbstbewußte würdige Mann, der mit kühnem ritterlichen Muthe für seine persönliche Freiheit und Unantastbarkeit in die Schranken tritt, der anerkennt auch freudig die bercchtigtcn Wünsche und Ansprüche Anderer, dem ist auch das Recht seines Menschenbruders ein unangreifbares unverbrüchliches Heiligthum. Zu jeder Zeit hat der Ungar wie in Allem und Jedem so auch in seinem Verfahren und Benehmen gegenüber dem Juden die sprechendsten Beweise seines biedern menschenfreundliche» Sinnes und wahrhaft liberalen Charakters geliefert. In den trübe» wahnumnachteten Zeiten des Mittelalters, als das arme unglückliche Zisracl von allen Seite» geneckt und gehetzt, von Land zu Land gejagt und wie ein räudiges Schaf aus der Menschcngcscllschaft ausgcsto- Herr worden, hat das Ungarvolk den vom Schicksale in sein Land geschlenderten verlassenen Inden Schutz und gastfreundliche Aufnahme geboten, und haben die Annalen der ungarischen Geschichte gar manche Züge wahrhaft judenfreundlicher Gesinnung aufzuweisen, die, als den Zeitstürmen trotzende unverwüstliche Monumente der ungarischen Bon-

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