Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1866-1867)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1867)
- Article
- Risse
- Date
- 1867-05-01
- Page
- 283 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Bon H... 283 da er heute, in Gegenwart seiner Schwägerin sich viel taktvoller zeigte als gestern, so ward auch Helene bald unbefangen, und entzückte ihn durch ihre Anmuth und Munterkeit. Ehe er fortging überreichte er ihr einen schönen, kostbaren Schuck, und als Helene znm Dank ihn gleich anlegte, da gerieth er außer sich vor Freude und bat sie, doch ja nicht ihres Versprechens zu vergessen und ihn Nachmittags zu besuchen. Helene ersuchte die Tante sie zu begleiten. Frau Schwarz that es nicht gern, denn seit Jda's Entfernung hatte keine anständige Frau die Schwelle ihres Schwagers übertreten. Seine Ausschweifungen und Zügellosigkeiten hatten sein Haus in den schlimmsten Ruf gebracht, und obgleich in jüngster Zeit das wüste Leben ihn zu langweilen Haupt angefangcn hatte und sein Haus nicht mehr eine Stätte die Sittlichkeit beleidigender Orgien war, so schwebte doch noch der Anhauch einer wüsten Vergangenheit über seiner Schwelle. Nur mit Widerstreben konnte Frau Schwarz Hclenens Wunsch erfüllen. Allein sie erfüllte ihn ohne Befürchtung irgend einer unanständigen Begcgnung, und sie that es auch ohne sie ahnen zu lassen wie ungern sie es that. Philipp war wieder überglücklich und voll väterlicher Zärtlichkeit für die Tochter, nur wenn diese auf den Zweck ihrer Reise kam, dann brach er kurz ab und benahm ihr alle Hoffnung. So währte cs mehrere Tage. Alle Morgen kam ihr Vater und brachte ihr jedes Mal ein reiches Geschenk, alle Nachmittag war sie, entweder von ihrem Onkel oder von ihrer Tante begleitet, bei ihm. Sehr gern hätte sie schon die Heimreise angetretcn, aber ihr Vater wollte nichts davon hören, und kam sie Nachmittags nur um einige Minuten später als er sie erwartet hatte, so sprach er gleich davon, daß sie bet ihm wohnen müsse. Endlich mußte er auf einige Tage verreisen, er nahm den zärtlichsten Abschied von seiner Tochter, der er die kostbarsten Geschenke bei seiner Heimkehr versprach. Aber noch am selben Tage trat Helene, auf Rath ihrer Tante, die Rückreise in die Heimath an. Unaussprechlich glücklich fühlte sich die Mutter, als sie die Tochter wieder in ihren Armen hielt, daß die ,Uejse, erfolglos gewesen-