Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1866-1867)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1867)
- Article
- Von den Beziehungen der allgemeinen Bildungselemente zu der speciell jüdischen Bildung
- Date
- 1867-05-01
- Page
- 272 (sequence 20)
- Language
- German
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212 Aon dm Beziehungen der allgemeinen Bildungsekemente re. Menschen- und Bürger-Bildung aus Lief inner« Ueberzeugung mit gleichem Ernst und gleicher Sorgfalt wie die specicü jüdtsch-reltgivsen pflegen, ja, diese eingchenste Pflegt der allgemeinen Bildung auch vom jüdisch-religiösen Standpunkte als ein« heilige, dem religiöse» Momente selbst in bedeutsamster Weise zu gute kommende Aufgabe betrachten lassen. Sie steht mit dieser Ueberzeugung nur auf dem Boden jener Anschauungen, die überhaupt daS Wesen unserer Gesellschaft bilden. Daß das alte, von dem Schriftthum und den Ueberlieferungen der Jahrhunderte getragene Judcnthum nicht im Widerspruch zu dem Wahren und Guten der menschlichen Bestrebungen aller Zeiten stehe; daß ihm daher von keiner Zeit, und auch nicht von der geistigen und sittlichen Hohe der Gegenwart die Aufgabe gestellt sein könne, sich seines göttlich gegebenen Inhaltes modificirend zu entkleiden; daß es mit seinem ganze», vollen, ungeschma- Irrten geistigen und praktischen Inhalte in die reichste Strömung des europäischen Culturlebens ohne aufzugehen einzugehen habe; daß eS um so bedeutsamer seinen geistig sittlichen Beitrag zu dem Zukunftsbau der nun auch es in brüderlicher Ebenbürtigkeit umschließenden Gesammtheit bringen werde, je reiner und gewissenstreuer es mit seinem ganzen jüdischen Erbe der Vergangenheit in die neue Gegenwart eintrete, und ebenso nur um so voller seiner jüdischen Aufgabe genüge, je htngebender es sich in seiner ganzen Etgenthümlichkcit Mit allem Wahren und Guten der europäischen Bildung vermähle — daS sind ja die Ueberzeugungen, die unsere Gesellschaft in'ö Leben gerufen, und der Geist dieser Ueberzeugungen hat unsere Unterrichtsanstatt geschaffen. Sie glaubt dem Staate um so wahrere, tüchtigere Bürger heranzucrziehen, je voller sie der ihr anvertrauten Jugend den Trunk aus dem Quell der jüdischen Bildung bietet, und sie glaubt dem Judenthum um so wahrere, tüchtigere Söhne heranzuerziehen, je eingehender sie der ihr anvertrauten Jugend die Schätze der allgemeinen Bildung zugänglich macht. Auch weiteren Kreise« einen Einblick in die Motive dieser beiden innig in einander vcrwachscnen Ueberzeugungen zu gewähren, die die leitenden Grundsätze unserer Anstalt bilden, war die Aufgabe, an deren Lösung sich die Blätter unserer vorjährigen und diesjährigen Einladungsschrift vcrsucht. S. R. Hirsch.