Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1866-1867)
- Issue
- Heft 7 (April 1867)
- Article
- Sir Moses Montefiore's Bericht über seine Sendung in's heilige Land
- Date
- 1867-04-01
- Page
- 239 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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über seine Sendung in's heilige Land. 239 schrecklichen Seuche, der Cholera, Gestorbenen zu geben, nachdem ich genaue Erkundigungen über eine jede eingezogen und mir alle aus ihr Unglück bezüglichen Details notirt hatte. Mit Recht ist schon häufig der Wohlthätigkeitssinn unserer Brüder in Jerusalem gerühmt worden, aber wie tief derselbe in ihren Herzen eingewurzelt ist, davon nur einige Beweise die mich wirklich überrascht haben. Zwei junge Waisenkinder traten in mein Zimmer; ihr gutes ansprechendes Aussehen zog meine Aufmerksamkeit auf sie. ״Wer nimmt sich eurer an, bet wem wohnt ihr?" fragte ich sie. Sie erwiederten: ״Wir sind unter der Obhut von Jakob Aaron Kalescher und wohnen bei ihm." Ich erkundigte mich nach demselben, in der Meinung, zu Horen, daß derselbe sich in guten Verhältnissen befinde, hörte aber, daß weit entfernt davon, er jetzt sogar sehr arm sei, da sein Handwerk, er war Tüncher, nur gegen Ostern einträglich sei, um welche Zeit jeder jüdische Einwohner sein Haus tünchen und Weißen lasse, und der Rest des Jahres nicht viel Arbeit abwerfe. Neugierig diesen Menschenfreund zu sehen, ließ ich ihn zu mir rufen. Er kam, aber trotz seiner Armuth war sein Aussehen keineswegs sorgenvoll, er schien im Gegentheil heiter und glücklich und als ob er ganz unabhängig sei. Ich fragte ihn, ob diese beiden Waisen bei ihm seien. Lächelnd bejahte er meine Frage. ״Haben Sie selbst Kinder?" — ״Ja, Sieben." — ״Weßhalb haben Sie dann Ihre Last noch vergrößert, indem Sie diese zwei Waisen großzichen?" ״Ihre Eltern waren meine nächsten Nachbarn und als ich sie ihres ״Vaters und ihrer Mutter beraubt sah, erkannte ich es für meine ״Pflicht sie mit meinen Kindern meine Wohnung theilen zu lassen; ״und Gott sei Dank, sie sind wohl und glücklich, sie theilen unsere ״Nahrung, wenn wir welche haben, sie theilen unsern Hunger, wenn ״wir Nichts zu essen haben." — Man zeigte mir eine arme, sehr elende Wittwe, die zwei Waisenkinder zu sich genommen hatte. Sodann einen andern armen Mann, der mehrere Waisen adoptirt hatte. Dieser edle Charakterzug, der die Aermsten unserer Gemeinde in Jerusalem auszeichnet, giebt ihnen ein Anrecht auf unsere Bewunderung, unsere Sympathie und unsern Beistand. Nachdem diese eben bezetchneten Personen fortgegangen waren, kündigte man uns die Zöglinge des Simon Edlen von Lämel'schen Instituts an. Es wareu vierzig, geführt von ihrem Lehrer. Ihre Haltung und ihr Neu- 14»