Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1866-1867)
- Issue
- Heft 6 (März 1867)
- Article
- Die fünfzehn altjüdischen "Aufwärts"-Lieder
- Date
- 1867-03-01
- Page
- 186 (sequence 6)
- Language
- German
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186 Die fünfzehn altjüdischen ״Aufwiirts"-Lieder. seiner alten Gnade zuzuwendcn; denn ״bei Ihm ist die Vergebung, ans daß er fortan gefürchtet werde" — 5. 6. ״Gott war meine Hoffnung, wenn ich gehofft", singt darum das Lied Israel ins Herz, ״und seines Wortes war ich gewärtig" — Anch ans der Last der Schuld kenne ich keine andere Erlösung als Ihn, und harre bis sein Mund das סלחתי״!" spricht. ״Meine Seele ist meines Herrn!" Darin liegt mit dem Stachel der Trost, mit dem Bedürfniß die Befriedigung, mit dem Bewußtsein der Schuld zugleich die -Hoffnung und die Zuversicht der Vcrgebung! ״Meine Seele ist meines Herrn!" Für alle Phasen der Freude und des Leids, der Blüthe und Elends, des ausjauchzenden Entzückens und des verzwciftungsvollen Vergehens, für alle Phasen selbst der Treue und der Schuld bin ich ihm .angetraut und sein eigen. Ein ganzes Hohelied des Suchens und Findens, des Habens und Verliercns und Wiedersindens ist die Geschichte meines Seelenbnndes mit meinem Herrn. In der ganzen ausgesprochenen Voraussicht meiner Mangelhaftigkeit hat er doch mich für den ewigen Dienst seines Erziehungswerkes an der Menschheit erwählt und sich angeeignet, und ich bleibe sein, auch in meiner selbstverschuldeten Erniedrigung sein, und in dem unverlierbaren Kern meiner Seele liegt der Zug, der mich ewig!nieder zu meinem Herrn cmporzieht, der mich mitten in meiner Nacht und mitten in der Nacht der Zeiten, den Lichtpunkt, dnr seine kommende Nähe ankündigt, finden läßt, und meine Zuversicht in den Morgen seines Kommens ist größer und zuversichtlicher noch als die des nach Osten harrenden Blickes in der Nacht — 7. 8. Darum hofft nicht nur, darum wartet Israel aus Gott, seinen Herrn hin. Bei seinem Herrn wohnt zugleich die Liebe, die nicht müde wird zu erlösen. Seine ganze Galuthleitung ist ja nichts als eine Erlösung seines Volkes von seinen Verirrungen, als ein Freimachen seines Volkes von der Schuld —