Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1866-1867)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1867)
- Article
- Deutschland : Berlin [Nachricht]
- Date
- 1867-02-01
- Page
- 177 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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gegeben, was selbstverständlich nicht in ihrem Willen 'und in ihrer Absicht liegt. Neben diesem Umstande machten sich auch andere Bedeuten geltend, die es räthlich erscheinen ließen, die gesetzliche Ordnung der betreffenden Verhältnisse lieber einer späteren Zeit vorzubehalten, und die Commission vereinigte sich deßhalb mit weitüb erwiegender Majorität zu dem Anträge, dass das Hans den Gesetzentwarf ablehnen möge. Königsberg, 26. Jan. Ein erfreulicher Schritt auf der Bahn der fortschrittlichen Reform des traditionellen akademischen Zopfes ist vorgestern von dem Concilium generale der hiesigen Universität gemacht worden. Bekanntlich ist unsere ״Albertina" eine Schöpfung aus den Tagen Herzog Albrcchts, dictirt von dem specisisch protestantischen Geiste, der damals auf den Trümmern des nntergegangencn Ordcusstaates am Pregel und am Niemen sich eine Stätte gründete. Die Besorgniß vor katholistrenden Einflüssen vcranlaßte damals die Aufnahme eines Paragraphen in das Universitätsstatut, wonach die Uebernahme eines akademischen Lehramtes das ausschließliche Privileg protestantischer Docenten blieb. Diese ursprünglich nur gegen den Katholicismus gerichtete Bestimmung involvirte gleichzeitig den Ausschluß nichtchristlicher Elemente von dem akademischen Katheder. Jahrelang ist die Beseitigung dieses Paragraphen von liberaler Seite im Gcneralconcil angestrebt worden, zeithcc ohne Erfolg. Seltsamer Weise waren es hauptsächlich die Convertiten des Judenthums im Schoße des Consilium generale, welche sich dieser Reform widersetzten. Durch den oben erwähnten Beschluß, welcher, wie wir höen, mit einer erheblichen Majorität (22 gegen 8 Stimmen) gefaßt worden, ist nun diese intolerante Beschränkug der Lehrfreiheit vollständig in Wegfall gekommen, und fast wollte es uns bedünken, als ob die ernsten Züge unseres ehernen Kant-Bildes heute viel freundlicher drein schauen. Freilich hängt die Ausführung dieses Beschlusses noch von der Zustimmung des Cultusministers ab, an dessen gutem Willen in diesem Falle übrigens kaum ein Zweifel ist. Ist doch an anderen preußischen Universitäten (wie Berlin und Breslau) die Anstellung jüdischer Docenten längst ein kalt accompli. Vom Rhein. Heutehabe ich Ihnen eine traurige Geschichte mitzuthetlen, wie sie sich trauriger in keiner jüdischen Familie zutragcn kann, eine Mittheilung ohne alle Reflexion und ״moralische Nutzanwendung", weil sie beredt genug für sich spricht und so wie sie der Wahrheit gemäß ist, den Radikalen als Spiegel, den Halben als Weckruf, den Religiösen aber zur Gcnugthuung dienen kann. Im Kreise der Aufgeklärten, wo man von jeher über alle ״alte Dummheiten hinaus war und nur nach der ״Vernunft" gelebt hatte, starb vor kurzem eine Wittwe, Mutter zweier verheirathctcr