Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1866-1867)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1867)
- Article
- Die fünfzehn altjüdischen "Aufwärts"-Lieder
- Date
- 1867-02-01
- Page
- 151 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2932754-2932974-2932980-2950553--10457-2950573- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
10. Das Glück der Andern. 151 ward, zu dem sich die Welt/ im Gegensatz fühlte und den Träger entgelten ließ, was der Fahne galt, die er trug. Darum hat sich Israel des Geständnisses dieses Gegensatzes nicht zu scheuen. Dieses Märtyrerthum war unzertrennlich von seiner Heroldschaft. Darf eS doch in stolzem Bewußtsein ״auch" htnzufügen, ״daß sie ihm nichts vermocht", daß die in diesem Gegensatz sich ablösenden Völkerjahr- Hunderte vergebens ihre vernichtendsten Bemühungen gegen dieses Volk verschwendet, — über die Gräber ihrer Vergangenheit schreitet es frisch in sich ewig verjüngender Jugend der heitern Zukunft eines versöhnten und sühnenden Völkermorgens entgegen — sie konnten ihm diese Zukunft seiner Hoffnungen nicht rauben, ja sie haben ihm mit allen ihren Verkümmerungen nicht einmal seine Vergangenheit verkümmern können. Ihnen unbewußt blühte ihm in den Hütten, die sie zu Spelunken des Elends und der Verkommenheit gemacht zu haben wähnten, ein Alles sühnendes, heiteres Familienleben, dessen Glück die bisherigen Lieder gesungen. 3. 4. Jahrhunderte herab ward nicht für Israel mit der Acker der Menschheit bestellt, auf seinem Rücken pflügten die Pflüger für die Saat und die Erndte der Völker, und meinten Wunder auf wie lange hinaus sie ihre Furchen zogen — keine mit zu berücksichtigende Persönlichkeit war Jahrhunderte herab Israel in den staatgestaltenden Berathungen der Völker. Nicht zu den Schnittern, zu den Aeckern ward es gezählt. Nicht sein Glück, nicht sein Heil, nicht seine Bildüng, nicht seine Lebensfreude, ja nicht einmal der prekärste Genuß seines irdischen Daseins, das Recht, das jedem Vogel zwischen Himmel und Erde freisteht, sein Nest zu bauen und seine Ktsdcr zu versorgen, war ein mitbeabsichtigtes Ziel der Männer, die den socialen Acker der Völkerwohlsahrt bestellten. Nicht als mitberechttgter Theil- Haber, als werthvolles Fiskalgut fand es seine Stelle im Inventar der Nationen. Es wucherte als Dünger im Acker der Pflüger — Allein Gott ist ״gerecht" — nicht ein auf Kosten verkümmerken Menschenrechts und Mcnschenglücks eines Theils seiner Menschheit erbautes Menschenglück ist das Glück, das seine Liebe und seine Gerechtigkeit seiner Menschheit bestimmte; das Staaten-Pflug-System, das einen Theil der Menschen zum Acker für den andern erniedrigt, wie fest und dauernd es auch seine Prämissen in den Anschauungen 9*