Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1866-1867)
- Issue
- Heft 2 (November 1866)
- Article
- Risse
- Date
- 1866-11-01
- Page
- 68 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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68 Riffe. kann, Herr Friedheim, und will Ihnen daher nicht verhehlen, daß es der Frau sehnlichster Wunsch ist, von ihrem Manne geschieden zu sein." ״Recht hat sie, Gottes Recht sag' ich Ihnen." ״Wie lebt denn ihr Mann seit ihrer Abwesenheit?" ״Wie er lebt — was soll ich ihnen sagen? — er lebt eigentlich gar nicht — er geht in's Comptoir und auf die Börse und im übrigen schlemmt er, heißt das leben? — Er hat's schon von jeher arg genug getrieben, aber wie er's jetzt treibt — Denken Sie sich, seit der Krankheit seiner Frau hat er's mit der Bonne seiner Kmder und das freche Geschöpf steigt im Haus herum als ob sie Herrin wäre — Na, ich wollt der armen Frau Glück wünschen, wenn sie von ihm los käme — und er, was er gewinnt, gewinnt er Nichts und was er verliert, verliert er eine Perle — den» ein braves Weib ist die Seine, das kann ich Ihnen sagen." ״Und glauben Sie, daß ich ihn werde bewegen f&nneit in die Scheidung zu willigen?" ״In die Scheidung willigen —" Friedheim rieb sich die Stirn und fuhr sich ein paar Mal mit den Fingern durch das ergrauende Haar. ״Ob Sie ihn werden dazu bringen? — ich glaub's nicht — durchaus nicht, muß ich Ihnen sagen," fügte er nut Entschiedenheit hinzu. ״Und weßhalb vermuthen sie, daß er sich dagegen sträuben wird?" ״Warum ich das vermuthe? — Ich bitt sie, warum hält er sie dann genommen? — Doch nicht weil sie so brav und gut ist — und auch nicht weil sie so schön ist, wie die Leute sagen. Denn auf's Erste gibt Ihr Schwager nichts und um's Zweite heirathete er nicht. Aber weil sie des reichen Möllers einziges Kind ist, darum hat er sie genommen und darum wird er sie nicht loslassen. Denn wie sehr er aus das Geld seines Schwiegervaters rechnet, das können Sie schon daraus abnchmen, daß er alle Woche einen Abend bei ihm zubringt und mit dem närrischen, fast kindischen Mann Franzefuß spielt und darum hat der alte Narr ihn auch, scheint mir, lieber als sein eigen Kind, das er, wie die Leute gesagt haben, zu ihrer Heirath gezwungen hat. ״Und was sagt denn der Vater zu dem verwerflichen Treiben des Schwiegersohns?״