Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1866-1867)
- Issue
- Heft 2 (November 1866)
- Article
- Risse
- Date
- 1866-11-01
- Page
- 59 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Von S... 59 gewesen, aber die Qualen der letzten Stunden haben mich endlich zum Manne gereift." Er erhob sich und athmete hoch auf. ״Ich fürchte ihre Spottreden nicht mehr." Rosa reichte ihm die Hand, die er innig drückte. ״Du warst mein guter Engel, habe Dank," und er preßte seine Lippen auf ihre Hand. Bald darauf trennten sie sich. Jakob begab sich nach Hause. Rosa schlich zur Mutter, die sie jedoch schon in ruhigem Schlummer fand — Leise wie sie gekommen war, schlich sie wieder hinaus. Vor der Thür hielt sie an. Das Herz war ihr so voll, so so schwer — der Kopf so wirr, so wüst, sic hatte bereits zwei Nächte nicht geschlafen — Sie legte die Hand an die Stirn und wußte im Augenblick nicht wohin sich zu wenden. Die Nacht war schon ziemlich weit vorgeschritten, mit unheimlichem Lichte erhellte die flackernde Leuchte den langen Corridor — Dort in jenem Zimmer, am Ende desselben ruhte die Leiche ihres Vaters, hier schlummerte die Mutter, in allen übrigen Räumen war es so öde und leer, das ganze Haus schien ausgestorben — Die Diensileute hatten sich längst zur Ruhe begeben, Rosa schien die allein Wache im Hause. Aber plötzlich vernahm sie Schritte, sie lauschte, ein Lichtschein verbreitete sich am Ansgang der Stiege, unwillkürlich schritt sie daraus zu, und traf auf den Buchhalter des Hauses, der mit einer brennenden Kerze in der Hand ihr eutgegentrat. Der alte Mann hatte geweint, das sah man deutlich an seinen gervtheten Augen, an den dunkeln Ringen, die sie umschlosien. So bald er Rosa erblickt, blieb er stehen und grüßte sie mit trübem Ernst. ״Sie suchen wohl ihren Edmund, Madame Blum?" fragte er leise. ״Edmund," wiederbolte Rosa und fuhr mit der Hand über die Stirn, sie hatte seit vielen Stunden des Knaben nicht gedacht. ״Wo ist er?" fragte sie dann lebhaft und blickte suchend umher. ״Er ist unten im grünen Zimmer, der arme Knabe, es hat ihn so sehr angegriffen. Ich traf ihn heute Nachmittag, schluchzend hier im Gange und weil ich ihn so ganz allein fand, so führte ich ihn hinunter und bin bis jetzt bei ihm geblieben. Er verlangte häufig nach ihnen, aber wir wollten ihn nicht herauflassen, und es ist mir